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Kommunalwahl:Wundenlecken in Pliening

Im Gemeinderat ist die Stimmung erst einmal weg

Von Alexandra Leuthner

Wieso fünf? Wieso nicht zwei? Oder drei? Von "fünf Verwundungen" sprach Roland Frick, CSU-Bürgermeister von Pliening in der ersten Sitzung des Gesamtgemeinderats nach dem chaotischen Auftakt in die neue Wahlperiode Anfang Mai. Als in der Abstimmung zum dritten Bürgermeister überraschenderweise acht Stimmen für eine nicht vorher vorgeschlagene Kandidatin der Initiative für Pliening abgegeben wurden. Ein Vorgang, der ihre eigentlich nominierte Mitbewerberin ins Aus katapultierte, ihr letztlich im zweiten Wahlgang auch keine Mehrheit - und noch weniger Meriten einbrachte -, und der ihre Fraktion sprengte. Die Überraschungskandidatin, Beatrice Merk, schied danach aus der Initiative aus, was diese um einen von drei Sitzen gebracht hat, und bleibt jetzt als Einzelkandidatin im Gremium. Weit weg von ihren früheren Mitstreitern sitzt sie jetzt, zwischen dem Neuen Forum und Ludwig Huber von der Wählergruppe Gelting, auch er ein Einzelkämpfer im Gemeinderat.

Nun, Beatrice Merk wird Bürgermeister Frick, der sichtlich bemüht war, eine lockere Arbeitsatmosphäre in den luftig bestuhlten Bürgersaal zu bekommen, wohl zu jenen fünf gezählt haben, die als Beschädigte aus der unseligen Geschichte herausgekommen sind. Die beiden anderen Mitglieder der Initiative, Vorsitzender Markus Uffinger und seine Kollegin Doris Löffler, sind es sicherlich noch mehr. Wer aber Nummer vier und fünf auf Fricks Liste sind, darüber lässt sich spekulieren und führt vermutlich mitten hinein ins Herz der CSU-Fraktion, die im Vorfeld einen Kandidaten für das Stellvertreteramt gegen einen anderen ausgetauscht hat - den Ortsverbandsvorsitzenden René Buchmann gegen Urgestein Franz Burghart -; die sich mit Frau Merk drei Tage vor der Wahl getroffen hat und die interessanterweise - ohne Frick selbst - genau acht Stimmen in die Waagschale des Wahlgangs werfen konnte. Nun sei jene Wahl geheim gewesen, betonte Frick noch einmal und plädierte vehement dafür, doch nun wieder zur Sacharbeit zurückzukehren, diese Posse sollte nun ein Ende haben. Die einstimmigen Entscheidungen, die in einer sonst wenig spannenden Sitzung nach einigen wenigen Nachfragen fielen, etwa zur Billigung überplanmäßiger Ausgaben, hätten suggerieren können, dass sein Appell erfolgreich war. Lautstarke Begeisterung indes erntete er jedoch damit nicht.

Und, wie ein Beobachter treffend bemerkte, auf ein erstes gemeinsames Bier wären die Gemeinderäte auch ohne Corona-Regeln an diesem Abend wohl nicht gegangen.

© SZ vom 30.05.2020

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