Kommunalwahl im Landkreis EbersbergErfahrung schützt vor Abwahl nicht

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Gute Verlierer: Den Wählerwillen müsse man respektieren, sagen die beiden abgewählten Bürgermeister aus Hohenlinden und Bruck.
Gute Verlierer: Den Wählerwillen müsse man respektieren, sagen die beiden abgewählten Bürgermeister aus Hohenlinden und Bruck. Peter Hinz-Rosin
  • Bei den Kommunalwahlen im Landkreis Ebersberg wurden zwei langjährige Bürgermeister abgewählt: Josef Schwäbl (CSU) nach 18 Jahren in Bruck und Ludwig Maurer nach 30 Jahren in Hohenlinden.
  • Katharina Dengl von der Freien Wählergemeinschaft gewann in Bruck mit 50,7 Prozent bereits im ersten Wahlgang, während Theodor Falterer (CSU) in Hohenlinden mit 59,4 Prozent deutlich siegte.
  • Beide abgewählten Bürgermeister nehmen das Ergebnis gelassen hin und betonen, den Wählerwillen zu respektieren sowie stolz auf ihre Amtszeit zu sein.
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Josef Schwäbl war 18 Jahre Bürgermeister von Bruck, Ludwig Maurer in Hohenlinden sogar 30 Jahre lang. Trotzdem müssen sie nun beide ihre Posten räumen.

Von Anja Blum, Ebersberg

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Ein Ruck ist durch Bruck gegangen: Katharina Dengl, Bürgermeisterkandidatin einer Freien Wählergemeinschaft, erreichte mit 50,7 Prozent schon im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit. Amtsinhaber Josef Schwäbl von der CSU, der die Geschäfte der Gemeinde die vergangenen 18 Jahre geleitet hat, kam auf lediglich 49,3 Prozent. Noch deutlicher ging die Wahl am Sonntag in Hohenlinden aus: Herausforderer Theodor Falterer von der CSU vereinte 59,4 Prozent der Stimmen auf sich. Der bisherige Bürgermeister Maurer Ludwig von der Ü.W.H. (Überparteiliche Wählergemeinschaft Hohenlinden) erreichte nur 40,6 Prozent – nach 30 Jahren im Amt.

Josef Schwäbl ist ein CSU-Urgestein. Nach seiner Abwahl als Bürgermeister von Bruck zieht er sich aus der Kommunalpolitik zurück.
Josef Schwäbl ist ein CSU-Urgestein. Nach seiner Abwahl als Bürgermeister von Bruck zieht er sich aus der Kommunalpolitik zurück. privat

Beide Rathauschefs waren gewillt, all ihre Erfahrung und Kraft noch mal in den Dienst ihrer jeweiligen Gemeinden zu stellen. Doch die Wähler haben anders entschieden. Wie groß muss da die Enttäuschung sein? Die persönliche Kränkung gar? Oder ist es vielmehr so, dass mit dem Alter auch im Politischen eine gewisse Milde und Reife einsetzt? Immerhin ist Schwäbl inzwischen 71 Jahre alt, und Maurer nicht viel jünger, nämlich 68.

Und siehe da: Er nehme das nicht persönlich, sagt der scheidende Hohenlindener Bürgermeister. „Ich bin Demokrat und stehe zu diesem klaren Ergebnis.“ Und auch im kleinen Bruck herrscht keine große Aufregung. „Ich nehme das ganz sachlich und gelassen“, sagt Schwäbl. Solch ein Amt bekleide man schließlich immer nur auf Zeit. Und dem Wählerwillen müsse man sich eben fügen.

Vorherrschend scheint bei beiden an ihrer Wiederwahl Gescheiterten ohnehin ein anderes Gefühl zu sein: „Gemeinsam haben wir viel geschafft und erreicht“, sagt Maurer über die politischen Erfolge in seinen vergangenen fünf Amtsperioden. „Und darauf darf man stolz sein.“ Genauso sieht das sein Amtskollege aus dem Landkreissüden, Josef Schwäbl. „Ich bin dankbar für das, was ich in den vergangenen Jahren für die Gemeinde tun durfte.“

Ludwig Maurer hat die Geschicke der Gemeinde Hohenlinden 30 Jahre lang geleitet. Nun muss er Platz machen für seinen bisherigen Stellvertreter.
Ludwig Maurer hat die Geschicke der Gemeinde Hohenlinden 30 Jahre lang geleitet. Nun muss er Platz machen für seinen bisherigen Stellvertreter. Peter Hinz-Rosin

Als Ursache für das überraschende Wahlergebnis in Hohenlinden nennt Maurer eine Schieflage im Gemeinderat: Einzelne Mitglieder hätten immer wieder mit falschen Anschuldigungen gegen ihn agiert und so heftige, lange Debatten in den Sitzungen provoziert. „Aber die Bürger mögen keinen Streit“, sagt der scheidende Bürgermeister. Dafür habe es nun die Rechnung gegeben.

Ob die Stimmung in Hohenlinden künftig besser sein wird? Maurers Nachfolger Theodor Falterer, 55 Jahre alt und bisher zweiter Bürgermeister, startet jedenfalls mit einer komfortablen Situation: Nur seine CSU konnte zulegen, während Bürgerliche, Unabhängige und Grüne Verluste eingefahren haben. Die SPD war gar nicht mehr angetreten. Die Christsozialen sind jetzt mit sechs Sitzen statt vier die stärkste Fraktion im Gemeinderat. Falterer, ein vielfältig engagierter Malermeister, sei sehr beliebt am Ort, sagt Maurer. „Und eigentlich waren unsere Ziele immer die gleichen.“ Insofern werde sich in der Sache vermutlich nicht viel verändern am Ort.

Theo Falterer hat in Hohenlinden Amtsinhaber Ludwig Maurer beerbt.
Theo Falterer hat in Hohenlinden Amtsinhaber Ludwig Maurer beerbt. privat

Schwäbl, der sich seit Langem in diversen Ehrenämtern engagiert hat, unter anderem saß er 35 Jahre lang im Kreistag, will seine kommunalpolitische Ära beenden: Auch im Gemeinderat wird man ihn künftig nicht sehen. Auf diese Liste habe er sich ganz absichtlich nicht setzen lassen, erklärt der scheidende Bürgermeister. „Das wäre nicht richtig gewesen, nach 18 Jahren an der Spitze.“ Nun stehe eben ein Generationswechsel an – ein völlig selbstverständlicher Vorgang. Wichtig sei ihm allerdings, so Schwäbl, noch eine gute Übergabe hinzubekommen, damit nichts ins Stocken gerate. Gleich am Sonntagabend habe er seine Kontrahentin angerufen, um ihr zur Wahl zu gratulieren. „Und da habe ich ihr auch versprochen, dass ich alles für sie herrichten werde. Sie wird das sicher gut weiterführen.“

Katharina Dengl, 49 Jahre alt, saß die vergangenen beiden Amtsperioden bereits für die „Einigkeit Bruck“ im Gemeinderat. „Aber da haben wir relativ wenig Veränderungen erreicht.“ Deswegen freue sie sich umso mehr, dass ihre Fraktion jetzt stärkste Kraft sei, und sie selbst als Bürgermeisterin wirken dürfe. „Gegen so einen Vollblutpolitiker zu gewinnen, ist nicht einfach. Deswegen war ich von diesem Ergebnis völlig überwältigt.“ Die dreifache Mutter aus Alxing hat eine Ausbildung im öffentlichen Dienst und sieht sich daher bestens gerüstet, die Geschäfte der Gemeinde zu führen. Weil Bruck nur 1300 Einwohner hat, ist der Bürgermeisterposten zwar ein Ehrenamt, doch Dengl will sich diesem mit ganzem Einsatz widmen. Ihre bisherige Stelle im Büro habe sie bereits gekündigt, erzählt sie.

Katharina Dengl von der Wählergemeinschaft „Einigkeit Bruck“ ist die neue Bürgermeisterin in Bruck.
Katharina Dengl von der Wählergemeinschaft „Einigkeit Bruck“ ist die neue Bürgermeisterin in Bruck. privat

Ludwig Maurer wiederum wird der Lokalpolitik noch treu bleiben: Als Kreisrat, angetreten für die Freien Wähler, wurde er gerade wiedergewählt. Und in Hohenlinden belegt er auf der Ü.W.H.-Liste den ersten Platz. Theoretisch könnte der bisherige Bürgermeister also weiter in Hohenlinden wirken – als Gemeinderat. Doch ob das tatsächlich so stattfinden wird, da will sich Maurer noch nicht festlegen. „Das muss ich erst mit der Fraktion besprechen.“ Ansonsten wird ihm angesichts einer kleinen Landwirtschaft – ein bisschen Wald, ein paar Schweine und Pferde – wahrscheinlich ohnehin nicht langweilig. „Das Gute ist: Jetzt kann ich mir die Zeit ein bisschen freier einteilen.“

Auch Landwirt Schwäbl ist trotz seines Alters körperlich noch sehr aktiv. Er spalte gerade Holz, erklärt er am Telefon. Sein Pflasterbaugeschäft werde er weiterführen und am Hof gerne „zuhelfen“. Aus der Lokalpolitik aber will sich der ehemalige Bürgermeister raushalten, auch am Familientisch. Sein Sohn und seine Tochter nämlich wurden in den Gemeinderat gewählt, doch politisiert habe man daheim noch nie. „Und das möchte ich auch in Zukunft so halten.“

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