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Kommunalwahl in Vaterstetten:Wahlkrimi

finale

Ganz knappe Kiste: Dass das Rennen ums Bürgermeisteramt in Vaterstetten bis zur letzten Minute offen bleiben würde, konnten Leonhard Spitzauer und Maria Wirnitzer am Nachmittag noch nicht wissen.

(Foto: Privat)

In einer denkbar knappen Entscheidung gewinnt Leonhard Spitzauer gegen Maria Wirnitzer von der SPD. Mit dem erst 34-Jährigen erobert die CSU nach sieben Jahren das Vaterstettener Rathaus zurück

Lange vor allen anderen Gemeinden im Landkreis hatten die Vaterstettener begonnen, sich auf diesen März vorzubereiten. Vierzehn Monate ist es her, dass die Christsozialen eine frühe Vorentscheidung für einen eigenen Bürgermeisterkandidaten initiierten, indem sie Leonhard Spitzauer aus den eigenen Reihen gegen den Parteifreien Robert Winkler nominierten. Die Gemeinde Vaterstetten war es nun aber auch, die den Stichwahlabend bis fast zum allerletzten Moment auskostete. Erst die letzte der neun Schnellmeldungen brachte schließlich das Ergebnis - und das war knapper als jedes andere im Landkreis. Mit 50,66 Prozent siegte CSU-Kandidat Leonhard Spitzauer gegen Maria Wirnitzer von der SPD, 168 Stimmen machten am Ende den Unterschied, das sind 1,32 Prozent.

Dass es so knapp werden würde, hatte er nicht gedacht, erklärte Wahlsieger Spitzauer am Telefon - das an diesem Abend kaum einen Augenblick Ruhe gegeben habe. "Ich glaub', 300 Whatsapp-Nachrichten habe ich bekommen bis jetzt, vielleicht sind's auch schon 400", sagte der künftige Bürgermeister - der sein Glück spürbar kaum fassen konnte. "Entweder 55 oder 45 Prozent hab ich erwartet, es hätte auch gut sein können, dass ich verliere. Aber so war es ein richtiger Krimi, ein Fotofinish, gerade bei so vielen Wählern, Wahnsinn!."

18 846 Wähler waren in Vaterstetten zur Stichwahl aufgerufen, bei 68,19 Prozent lag schließlich die Beteiligung an einem Urnengang, der ja auch hier kein solcher im eigentlichen Wortsinne war. Noch am Abend des ersten Wahlentscheids am 15. März hatten die Kandidaten mehr als skeptisch auf die beiden vor ihnen liegenden Wochen geblickt, in denen es einen Straßenwahlkampf wie in coronafreien Zeiten nicht geben konnte. Damals hatte der 34-jährige CSU-Mann mit 39,1 Prozent gegen vier Gegenkandidaten fast sein Wunschziel von 40 Prozent erreicht, Maria Wirnitzer mit 27,8 Prozent als Zweitbeste abgeschnitten, vor dem Grünen David Göhler auf dem dritten Platz mit 15,2 Prozent. Dass sich die Grünen, die im Gemeinderat mit 24,26 Prozent der Stimmen noch deutlich stärker waren als ihr Bürgermeisterkandidat, für Wirnitzer in der Stichwahl ausgesprochen hatten, hat sicher dazu beigetragen, der SPD-Bewerberin ein solch gutes Ergebnis zu bescheren.

"Ich bin den Grünen auch sehr dankbar dafür", erklärte eine sehr gefasste Wirnitzer, als das Vaterstettener Ergebnis um 20.30 Uhr endgültig feststand - noch bei der vorletzten von neun Schnellmeldungen hatte der Vorsprung des CSU-Kandidaten bei unter einem Prozent gelegen. "Es hat sehr lange gedauert, aber es hat sich dann doch so ein bisschen abgezeichnet, dass ich es nicht schaffen würde", sagte sie schließlich, und: "Von daher bin ich jetzt froh, dass es vorbei ist." Sie sei aber auch sehr glücklich darüber, entgegen dem Bundestrend der SPD so gut abgeschnitten zu haben. Wie die Stichwahl ausgehen würde, sei überhaupt nicht abzuschätzen gewesen, erklärte sie, zumal Freie Wähler und FDP, die mit ihren Kandidaten Roland Meier und Klaus Willenberg im ersten Wahlgang ausgeschieden waren, keine Wahlempfehlung abgegeben hatten. Einzig FW-Spitzenkandidat Meier hatte sich an die Seite des CSU-Bewerbers gestellt.

Spitzauer wird mit 34 nun der zweitjüngste Bürgermeister in Vaterstetten, nach seinem Parteifreund, Landrat Robert Niedergesäß, der 2001 als 30-Jähriger die Amtskette erobert hatte. Angerufen habe Niedergesäß noch nicht, scherzte Spitzauer, "aber es kann schon sein, dass eine Nachricht von ihm bei den 300 ist". Nach dem Wahlabend, den er mit einem Glas Sekt und einer Brotzeit mit seiner Familie beschließen wolle, würde er am nächsten Morgen gleich im Rathaus anrufen und fragen, wie es nun weitergehe. Eigentlich beginne die Amtszeit des neuen Bürgermeisters ja erst am 1. Mai, aber in diesen Zeiten, in denen auch der Krisenstab im Rathaus tage, "ist es wohl wichtig, dass ich gleich alle Entscheidungen mitbekomme".

© SZ vom 30.03.2020

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