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Kommunalwahl in Vaterstetten:Kontrolle ist besser

Vaterstetten zählt Stimmen der Gemeinderatswahl nach

In der Großgemeinde wird das Ergebnis der Wahl vom 15. März erneut überprüft. Hintergrund sind die teilweise sehr knappen Ergebnisse. Zwar stehen die Anteile der jeweiligen Parteien wohl fest, allerdings gibt es innerhalb der Fraktionen teilweise Unterschiede von nur wenigen Stimmen. Dies betrifft besonders die Freien Wähler, hier liegt Wolfgang Schermann nur sechs Stimmen vor Kerstin Rudat, elf Stimmen dahinter liegt Sonja Kiran. Um sicher herauszufinden, wer nun den dritten Gemeinderatssitz für die Freien Wähler ergattert hat, wurde nun bei der Gemeinde beantragt, die Stimmzettel erneut auszuzählen.

Vor vier Wochen hatten 63,6 Prozent der Vaterstettener oder 12 011 Personen ihre Stimmen abgegeben. Plural deshalb, weil jeder Wähler insgesamt 30 Stimmen zu vergeben hatte, was die nicht unwesentliche Gesamtzahl von 360 330 Stimmen ergibt. Bürgermeister-Referent Georg Kast erklärt dazu, bei einem so knappen Ergebnis sei eine "interne Nachprüfung" an sich nicht ungewöhnlich. Hinzu kommen die Software-Probleme, die nicht nur im Landkreis heuer die Auszählung erschwerten. Alles Fehlerquellen, die besonders ins Gewicht fallen bei knappen Ergebnissen, die es nicht nur bei den Freien Wählern gibt: Bei der CSU liegen 19 Stimmen zwischen dem letztem Mandat - das von Ilona Dreier - und dem ersten Platz auf der Nachrückerliste, wo Annabell Wegener steht. Bei der SPD ist der Vorsprung von Annika Deutschmann auf Eva Hemauer mit 34 Stimmen ebenfalls überschaubar. Auch, dass der umstrittene AfD-Gemeinderat Manfred Schmidt den Wiedereinzug verpasst hat, hängt an 33 Stimmen.

Offiziell heißt es aus dem Rathaus, der Spitzenkandidat einer der Parteien habe die Nachzählung verlangt. Dass es sich dabei um Roland Meier von den Freien Wählern handelt, will Kast weder bestätigen noch dementieren. Aus anderen Quellen ist dies indes schon zu erfahren - genau wie der Verdacht, dass es um mehr gehen könnte, als lediglich einen möglichen Zählfehler auszuschließen. Denn zwischen Meier und Schermann steht das Verhältnis nicht zum besten, seit ersterer in der Bürgermeister-Stichwahl eine eigenmächtige Empfehlung für CSU-Kandidat Spitzauer abgegeben hatte. Schermann, so ist es aus Parteikreisen zu erfahren, soll eher mit SPD-Bewerberin Maria Wirnitzer sympathisiert haben. Mit dem Ergebnis, dass die Freien Wähler offiziell keine Empfehlung abgaben. Weshalb Meier die seine auch als reine Privatmeinung deklarierte - woraufhin Schermann die Meinung äußerte, er könne künftig auch als Fraktionsloser dem Gemeinderat angehören. Was machtstrategisch Konsequenzen haben könnte: Nur mit drei Sitzen könnten die Freien Wähler mit der CSU die absolute Mehrheit stellen und Bürgermeister-Stellvertreter wählen - da kommt es sehr darauf an, wer den dritten Sitz ergattert.

© SZ vom 09.04.2020 / wkb

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