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Kommunalwahl in Vaterstetten:Auf Anhieb richtig

Wahlfeatures - Stimmenauszählung

Die Auszählung ist bei Kommunalwahlen besonders kompliziert, in Vaterstetten haben die Wahlhelfer aber offenbar sehr korrekt gearbeitet.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Nachzählung der Vaterstettener Gemeinderatswahl bestätigt das erste Ergebnis von Mitte März. Folgen wird dies trotzdem haben, bei den Freien Wählern könnte es zu einer Spaltung kommen

Die Wahlhelfer in der Großgemeinde gehören ganz offensichtlich zu den Besseren ihres Faches. Denn trotz Software-Problemen, Infektionsschutzmaßnahmen und der ohnehin durchaus komplizierten Möglichkeit der Stimmenverteilungen bei einer Kommunalwahl, wurde diese in Vaterstetten auf Anhieb richtig ausgezählt. Bezweifelt hatten dies die Freien Wähler, weshalb seit Anfang vergangener Woche neu ausgezählt werden musste. Das Ergebnis liegt nun vor und bestätigt jenes der ersten Auszählung, wie Claudia Bitzer, die Wahlleiterin der Gemeinde, mitteilt.

Dies bedeutet, dass sich an der Zusammensetzung des Gemeinderates nichts mehr ändern wird. Bei den Fraktionsgrößen war dies schon vor der Auszählung ziemlich klar, Verschiebungen hätten sich hier nur ergeben, wenn sich die Wahlhelfer beim ersten Mal um einige Hundert oder gar Tausend Stimmen verrechnet hätten. Deutlich enger sah es dagegen innerhalb der Fraktionen aus, besonders nah beinander waren die Ergebnisse bei den Freien Wählern. Während Roland Meier und Bianca Dusi-Färber mit deutlichem Vorsprung vor allen anderen Kandidaten ins Gremium gewählt wurden, war es bei Platz drei sehr knapp. Ob der stellvertretende Ortsvorsitzende Wolfgang Schermann sein Mandat verteidigen konnte, hing an sechs Stimmen.

Warum die Freien Wähler überhaupt die Neuauszählung beantragten, obwohl schon klar war, dass diese an der Zahl ihrer Sitze nichts ändern würde, dazu gibt es verschiedene Erklärungen. Offiziell wollte man bei dem sehr knappen Ergebnis einfach auf Nummer Sicher gehen. Etwas weniger offiziell geht es hier aber um einen handfesten Streit innerhalb der Freien Wähler, der kurz nach dem ersten Wahlgang am 15. März seinen Anfang nahm. Für die Stichwahl um das Bürgermeisteramt gaben die Freien Wähler keine Empfehlung ab, wie man hört, weil einige in der Partei mit SPD-Kandidatin Maria Wirnitzer, andere mit dem CSU-Bewerber und letztlichem Wahlsieger Leonhard Spitzauer sympathisierten. Zu ersteren zählte wohl unter anderem Schermann zu letzteren ganz sicher Meier. Denn noch in der Woche nach dem ersten Wahltag wurde in Vaterstettens Briefkästen ein Flyer verteilt, in dem verschiedene ortsbekannte Personen für Spitzauer Werbung machen - darunter auch Meier. Dies tue er als Privatmann und nicht im Namen der Freien Wähler, erklärte er dazu auf Nachfrage.

Besonders erfreut war man bei den Parteifreunden dennoch nicht, Schermann etwa erklärte, er könne sich gut vorstellen, der neuen Fraktion der Freien Wähler nicht anzugehören - sein Mandat aber anzunehmen. Hintergrund dieser Überlegung ist ein Vorwurf aus den Reihen der Freien Wähler gegen Meier. Der habe die Wahlempfehlung quasi als Koalitionsanbahnung ausgesprochen. Schließlich hätten die CSU mit zwölf Sitzen plus der Bürgermeisterstimme und die Freien Wähler mit drei Sitzen genau 16 Stimmen im 30-köpfigen Gemeinderat. Eine Mehrheit, die auch ausreicht, um einen Bürgermeisterstellvertreter zu wählen; manche bei den Freien Wählern argwöhnten, Meier schiele auf diesen Posten.

Ein Argwohn, der sich noch dadurch verstärkte, dass die Neuauszählung von Spitzenkandidat und Listenführer Roland Meier quasi im Alleingang veranlasst worden war. Der Verdacht stand im Raum, Maier hoffe, dass eine Nachzählung Schermann den Sitz kosten werde. Was dieser nicht kommentiert, aber bestätigt, dass Maiers Vorgehen weder mit den anderen Kandidaten noch dem Vorstand oder gar oder im Ortsverband der Freien Wähler abgesprochen gewesen sei. Er freut sich nun zwar über seinen nun sicheren Sitz im Gemeinderat, nicht jedoch über Meiers überraschenden Vorstoß vergangene Woche: "Ärgerlich daran ist, dass man einen Zwist hineinbringt." Ob sich dieser noch beilegen lässt, macht Schermann von Maier abhängig, von sich aus sehe er keine Veranlassung, das Gespräch zu suchen. Er hält sich auch weiterhin die Option offen, als Fraktionsloser im Gremium zu sitzen, endgültig entschieden sei dies allerdings noch nicht. Spätestens entscheiden muss er sich am 7. Mai, wenn die konstituierende Sitzung des neuen Gemeinderates stattfindet.

Roland Meier erklärte dazu auf Nachfrage am Donnerstag lediglich, dass die Frage der künftigen Fraktionsgröße von Schermann ja schon beantwortet sei. Alles andere "betrifft Vereinsinterna, welche wie gesagt intern sind."

© SZ vom 17.04.2020

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