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Kommunalwahl in Markt Schwaben:Der Jungspund von der SPD

Magnus Gfüllner

Magnus Gfüllner, 19, steht kurz vor dem Abi. Er strebt ein Studium an und lebt bei den Eltern in Markt Schwaben.

(Foto: Privat)

Magnus Gfüllner: Markt Schwabens erster Gemeinderat unter 20 Jahren

Ein Gemeinderatsmitglied schreibt Abiturprüfung. Dieser Satz ist in Markt Schwaben so noch nie gesagt worden - und wenn, dann hat er so nicht gestimmt. Magnus Gfüllner ist der erste Markt Schwabener, der mit 19 Jahren in den Gemeinderat gewählt wurde, nie war dort jemand so jung. An diesem Mittwoch wird Gfüllner seine erste Abiturprüfung antreten, im Pflichtfach Deutsch, schriftlich. Die Abi-Vorbereitung "erfordert viel von meiner Zeit", sagt er bei einem Telefonat am Montag. "Da war es eine gute Abwechslung, als ich neulich die Unterlagen für die nächste Gemeinderatssitzung bekommen hab'."

Die erste schulische Reifeprüfung steht noch bevor, die politische Premiere hat Magnus Gfüllner hingegen bereits bewältigt. Bei der konstituierenden Sitzung Anfang Mai saß Gfüllner souverän auf seinem Platz - wegen der Umstände noch nicht im Rathaussitzungssaal, sondern im Unterbräu. Einmal stand er auf und sprach - zusammen mit 14 weiteren neu ins Gremium gewählten Gemeinderäten den Eid aufs Grundgesetz und auf die Bayerische Verfassung. "So wahr mir Gott helfe."

Unterstützung von oben ist in Markt Schwaben das Thema. Die, wenn man so will, ärmste Gemeinde Oberbayerns bekommt im Regierungsbezirk als einziger Ort Hilfe vom Finanzministerium. Gfüllner hat sich also nicht gerade ein langweiliges Gremium ausgesucht. "Über Markt Schwaben ist durchaus sehr viel in der Zeitung zu lesen, daran sieht man, dass die Gemeinde in einer schwierigen Situation ist", erklärt Gfüllner. Künftig wird er die Dinge als Gemeinderat und Mitglied des Umwelt-, Verkehrs-, Sozial und Kulturausschusses betrachten. Konkrete Denkansätze wolle und könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verkünden. Dafür sind die Abiprüfungen derzeit zu präsent und wichtig. Nur so viel: "In manchen Dingen ist logischerweise Diskussionsbedarf da."

Diskutiert wurde im Markt Schwabener Gemeinderat liebend gerne, mit Vorliebe über wichtige Details wie die Farbe von Fensterläden oder die Position von Blumentöpfen. Bei solchen Themen konnte es schon mal bis spät in die Nacht gehen. Um nicht zu sagen: Es konnte zäh werden. Der Markt Schwabener Magnus Gfüllner kommt allerdings nicht ganz unvorbereitet.

Seit einem Jahr ist er bei der SPD engagiert. Er hat so manchen Stammtisch des Ortsvereins überstanden - und zwar offenbar ohne größere Schäden. Ansonsten hätte ihn der Ortsvorsitzende Manfred Kabisch wohl kaum wegen einer Kandidatur angefragt. Ergebnis: Die Markt Schwabener wählten den 19-jährigen Gfüllner von Listenplatz acht auf drei vor. Zusammen mit Kabisch und Irmgard Czech bildet Gfüllner künftig die deutlich geschrumpfte Markt Schwabener SPD-Fraktion.

Er und Tim Zeiff (FW), mit 21 der zweite Jungspund im Gremium, bilden noch eine inoffizielle - überparteiliche - Fraktion: Die Fraktion der Youngster. So gesehen hätten die ersten Amtshandlungen der beiden symbolträchtiger kaum sein können. In den geheimen Wahlen zum Zweiten und Dritten Bürgermeister wurden anstelle der bisherigen Altgedienten im Gremium zwei neue und in Walentina Dahms (CSU) und Raphael Brandes (Grüne) deutlich jüngere Gesichter gewählt. Für wen Gfüllner jeweils abgestimmt hat, bleibt sein Geheimnis.

© SZ vom 19.05.2020

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