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Kommunalwahl in Ebersberg:Wahlprogramm mit Herz

Moderator Matthias Konrad (Grüne) spielte für einen Abend die Rolle des Advocatus Diaboli.

(Foto: Christian Endt)

"Unterm First" präsentieren die Grünen ihre Ideen für die Kreisstadt

"Jerusalem, Stadt der Völker, du gehörst nicht einem Volk allein", sang Nirit Sommerfeld, begleitet von zwei Musikern aus dem Orchester "Shlomo Geistreich". Die israelisch-deutsche Klezmermusikerin trat am Freitagabend im Saal "Unterm First" im Klosterbauhof auf. Im Mittelpunkt stand dort nicht die Musik, sondern die Politik. Der Ebersberger Ortsverband der Grünen hatte eingeladen, um sein Programm für die im März anstehenden Kommunalwahlen vorzustellen.

Nun ist Ebersberg nicht Jerusalem, aber die Botschaft des Grünen-Ortsverbands ist eine ganz ähnliche wie die der Sängerin Sommerfeld. Gleichberechtigung, soziale Teilhabe, gesellschaftlicher Zusammenhalt - das sind die bestimmenden Elemente, die sich im Wahlprogramm der Grünen wiederfinden. Neben der Beantwortung der Frage, was Ebersberg tun kann, um Klima und Umwelt besser zu schützen, natürlich. Moderator und Grünenmitglied Matthias Konrad stellte den Kandidaten für den Ebersberger Stadtrat Fragen, "wie sie draußen am Wahlstand auch gestellt werden". Mehr als 50 Zuschauer waren gekommen, um sich die Antworten anzuhören.

Auch die Landratskandidatin der Grünen, Waltraud Gruber, war zu Gast und warb zu Beginn für einen menschlicheren Umgang miteinander, "einer klaren Kante gegen Rechts" und für ein größeres ökologisches Bewusstsein in der Bevölkerung. Sie betonte aber auch, dass die Grünen ihre Ziele nur erreichen könnten, wenn auch auf der politischen Seite ein Wandel stattfände. Wie dieser für Ebersberg aussehen könnte, beschrieb Kandidat Jürgen Friedrichs beim Thema Mobilität. Für ihn sei die Bereitstellung von Parkplätzen eine indirekte Subvention der Automobilbranche. Er wünsche sich stattdessen breitere Geh- und Radwege. Anstelle von Autos könnten zukünftig auf Abruf fahrende Busse die Bürger zum Einkaufen bringen.

Auch von sogenannten Begegnungszonen war die Rede, in denen alle Verkehrsteilnehmer die gleichen Rechte haben. Möglich wäre so etwas am Marienplatz und rund um die Schulen. Um den Verkehr durch Ebersberg zu reduzieren, favorisierten die Grünen am ehesten den Bau eines Tunnels, sagte Kandidat Helmut Fink. Die Variante sei zwar besser als eine Umgehungsstraße, wirklich überzeugt seien sie von der Lösung - die sie vor zehn Jahren selbst ins Spiel brachten - aber auch nicht.

Aus voller Überzeugung setzen die Grünen bei der Stromgewinnung auf Windräder. Abgesehen von der Förderung erneuerbarer Energien könnte die Stadt so an der Stromeinspeisung mitverdienen, argumentierte Stadträtin Susanne Schmidberger. Der kommunale Umwelt- und Klimaschutz solle auch durch die Unterstützung von Biolandwirten vorangetrieben werden, sagte Kandidatin Theresa Stock. Dafür müsste die Nachfrage nach Biolebensmitteln erhöht werden, in Schulen und Kindergärten, genauso wie in Geschäften. Auch eine Wiederbelebung des Bauernmarktes wünschen sich die Grünen. Was die Stadtentwicklung anbelangt, setzten sie auf Verdichtung statt Vergrößerung. Unternehmen könnten sich Lagerflächen teilen und Parkplätze überbaut werden. In Mehrgenerationenhäusern könnten sich ältere und jüngere Menschen gegenseitig unterstützen und so die Ausweitung von Pflegeangeboten und Kinderbetreuung ergänzen. Dezentrale und eigenständige Viertel wünsche man sich.

"Das Wahlkampfprogramm ist klein, aber es steckt viel Herz drin", sagte Kandidat Marc Block zum Schluss und bat um die Unterstützung der Anwesenden, auch wenn sie nicht an jeder Haustür klingeln könnten.

© SZ vom 27.01.2020
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