Kommunalwahl 2026Zwei Frauen und ein Mann fordern Vaterstettens Bürgermeister heraus

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An manchen Ecken wirkt Vaterstetten noch ein bisschen ländlich: Vor dem Rathaus tummeln sich freilaufende Hühner. Wer im Rathaus Chef oder Chefin wird, muss sich aber um die Probleme und Herausforderungen einer rasch wachsenden Gemeinde kümmern.
An manchen Ecken wirkt Vaterstetten noch ein bisschen ländlich: Vor dem Rathaus tummeln sich freilaufende Hühner. Wer im Rathaus Chef oder Chefin wird, muss sich aber um die Probleme und Herausforderungen einer rasch wachsenden Gemeinde kümmern. Peter Hinz-Rosin

In der 25 000-Einwohner-Gemeinde stellt sich Amtsinhaber Leonhard Spitzauer  von der CSU erneut zur Wahl.  Die Sozialdemokratin Maria Wirnitzer, der Grüne David Göhler und Sonja Kiran  von den Freien Wählern hoffen aber ebenfalls auf die Gunst der Wähler.

Von Barbara Mooser, Vaterstetten

Bei manchen Vaterstettenern könnte der Blick auf den Wahlzettel, den sie bei der Bürgermeisterwahl im März ausfüllen dürfen, ein gewisses Déjà-vu-Erlebnis auslösen. Denn drei der vier Namen auf der Liste kennen sie bereits von der Wahl 2020: Außer Amtsinhaber Leonhard Spitzauer (CSU) bewerben sich wie vor sechs Jahren Maria Wirnitzer von der SPD und David Göhler von den Grünen um das Amt. Neu mit dabei ist Sonja Kiran, die für die Freien Wähler antritt.

Leonhard Spitzauer, CSU

Leonhard Spitzauer ist seit 2020 Chef im Vaterstettener Rathaus und würde es gerne auch bleiben.
Leonhard Spitzauer ist seit 2020 Chef im Vaterstettener Rathaus und würde es gerne auch bleiben. Christian Endt

Der 40-jährige Leonhard Spitzauer ist seit 2020 Bürgermeister in Vaterstetten, er ist Georg Reitsberger (FW) nachgefolgt, der aus Altersgründen nicht mehr kandidieren durfte. Vor sechs Jahren hatte er einen Stichwahlabend erlebt, der ihm möglicherweise sogar ein bisschen zu spannend war: Mit gerade einmal 50,66 Prozent siegte er letztlich gegen Maria Wirnitzer von der SPD, 168 Stimmen machten am Ende den Unterschied – ein „Fotofinish“, so beschrieb es Spitzauer damals selbst.

Spitzauer, der vor seinem Wechsel in die Politik im Marketing, Projektmanagement und der Immobilienverwaltung tätig war, verweist darauf, dass er in seiner ersten Amtszeit einiges auf den Weg gebracht habe. Als Beispiele nennt er den Ausbau von Kinderbetreuung und Schulen, die Stärkung der Senioren-, Familien- und Jugendarbeit, das Geothermieprojekt und den Fernwärmeausbau.

Als Ziele, sollte er wiedergewählt werden, nennt der Bürgermeister Familienfreundlichkeit, solide Finanzen, die Fortführung des Geothermieprojekts und den Ausbau des Fernwärmenetzes sowie die Förderung des Ehrenamts. Er tritt offiziell auch als Kandidat der FDP an, die diesmal keinen Bewerber aus den eigenen Reihen ins Rennen schickt.

Maria Wirnitzer, SPD

Maria Wirnitzer unternimmt einen neuen Anlauf. Sollte sie für die SPD das Rathaus erobern, wäre sie die erste Frau an der Spitze der Großgemeinde.
Maria Wirnitzer unternimmt einen neuen Anlauf. Sollte sie für die SPD das Rathaus erobern, wäre sie die erste Frau an der Spitze der Großgemeinde. Christian Endt

Die Mitbewerberin, die Spitzauer 2020 so gefährlich geworden ist und seither als seine Stellvertreterin im Rathaus fungiert, wagt einen neuen Anlauf: Maria Wirnitzer von der SPD wurde nach eigenen Angaben von vielen Bürgerinnen und Bürgern in Vaterstetten nahegelegt, es doch noch einmal zu versuchen. Die 62-Jährige bringt schon einige kommunalpolitische Erfahrung mit, seit 2014 ist sie im Vaterstettener Gemeinderat vertreten, seit 2021 sitzt sie auch im Kreistag. 2023 bewarb sie sich um ein Bezirkstagsmandat, schaffte aber den Einzug in das Gremium nicht.

Die Landschaftsarchitektin ist seit 2005 Inhaberin eines Landschaftsarchitekturbüros in Baldham und engagiert sich ehrenamtlich im Bereich Naturschutz. Das Thema ist ihr auch in ihrer Arbeit im Vaterstettener Gemeinderat wichtig. So geht etwa die Einrichtung des Bürgerparks maßgeblich auf eine Initiative der damaligen Bürgermeisterkandidatin zurück. Wie Spitzauer will Wirnitzer das Geothermieprojekt weiter voranbringen, sie sieht aber auch Potenzial für Windräder und Freiflächen-Photovoltaik. Der Bau bezahlbarer Wohnungen, der Ausbau der Kinderbetreuung und Angebote für Senioren, ein attraktiveres Ortszentrum und eine stärkere Berücksichtigung der Belange von Fußgängern und Radlern sowie eine Forcierung des öffentlichen Nahverkehrs stehen ebenfalls auf ihrer Agenda.

David Göhler, Grüne

Die Grünen schicken David Göhler ins Rennen, 2020 hat er 14,8 Prozent der Stimmen geholt.
Die Grünen schicken David Göhler ins Rennen, 2020 hat er 14,8 Prozent der Stimmen geholt. Christian Endt

Mehr Rad, weniger Auto, Tempo 30: Das nennt Grünen-Kandidat David Göhler als einige seiner Hauptziele. Zu erreichen wäre das unter anderem mit mehr Kreiseln, mehr Fahrradwege und Parkgebühren, wie Göhler in seinem Wahlprogramm ausführt. Die finanzielle Situation der Gemeinde zu verbessern, steht ebenfalls weit oben auf seiner Liste. Der 60-Jährige setzt sich außerdem für die Nutzung von Wind- und Sonnenenergie in der Gemeinde sowie mehr günstigen Wohnraum ein.

Für Göhler, der in einer PR-Agentur als Content-Spezialist tätig ist und seit 2020 im Gemeinderat sitzt, ist es der zweite Anlauf als Bürgermeisterkandidat. 2020 war er auf 14,8 Prozent der Stimmen gekommen. Nach seinem Ausscheiden in der ersten Runde hatten die Grünen die Wahl der SPD-Kandidatin Maria Wirnitzer empfohlen.

Sonja Kiran, Freie Wähler

Sonja Kiran tritt in Vaterstetten als Bürgermeisterkandidatin der Freien Wähler an.
Sonja Kiran tritt in Vaterstetten als Bürgermeisterkandidatin der Freien Wähler an. Ilona Stelzl/oh

Die Bewerberin der Freien Wähler, Sonja Kiran, ist neu in der Reihe der Kandidatinnen und Kandidaten. Die 44-Jährige ist beruflich als Projektmanagerin für die Stadt München tätig, wo sie das Digitalisierungsprojekt der Münchner Schulen begleitet. Zudem ist sie Mitgesellschafterin eines auf IT-Dienstleistungen spezialisierten Unternehmens. Inhaltlich setzt Kiran, wie sie selbst betont, auf klare Schwerpunkte: moderne und sichere Schulen, die Stärkung des lokalen Handels sowie die Förderung neuer Technologien – insbesondere im Bereich Wasserstoff.

Bereits 2020 hat sich Kiran als Kandidatin für einen Sitz im Gemeinderat beworben, sie ist bei den Freien Wählern stellvertretende Ortsvorsitzende. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, was Familien in der Gemeinde bewegt – von der Schul- und Betreuungssituation über Freizeitangebote bis hin zum Vereinsleben“, betonte sie bei der Nominierungsveranstaltung. Ihre potenziellen Wähler spricht sie auch auf ungewöhnliche Weise an – etwa mit einem Rap-Song.

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Der Vaterstettener Unternehmer Bernhard Huter betreibt ein Rechenzentrum und einen unabhängigen Datenknoten ausschließlich mit Strom aus Wasserkraft und hat mit seinem Projekt „Racks4Roots“ die Pflanzung von 75 000 Bäumen im Schutzwald ermöglicht.

SZ PlusVon Barbara Mooser

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