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Kommentar:Was möglich wäre

Bei dem Ebersberger Energie-Projekt ist der Konjunktiv nicht ganz unwichtig, denn was die Teilnehmer erstellt haben, gilt leider nur für die beste aller Welten

Von Wieland Bögel

Vor bald 15 Jahren hat sich der Landkreis Ebersberg ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2030 will man unabhängig sein von fossilen Energieträgern. Dass dieses Ziel erreicht werden kann, glauben zwar nur noch unverbesserliche Optimisten, dass es aber grundsätzlich möglich wäre, hat nun ein Forschungsprojekt gezeigt. Neun ausdrückliche Laien haben in einem halben Jahr ein Konzept erstellt, wie mit der heute verfügbaren Technik und innerhalb der geltenden baurechtlichen Bestimmungen die Energiewende im Landkreis umgesetzt werden könnte.

Der Konjunktiv ist hier allerdings nicht ganz unwichtig, denn was die Teilnehmer des Projekts erstellt haben, gilt leider nur für die beste aller Welten. Eine, in der es keine Querschüsse durch die von Lobbyinteressen gelenkte "Große Politik" gibt, welche den Ausbau der Erneuerbaren zugunsten der Fossilienindustrie verhindern oder erschweren. Weiter eine Welt, in der die Menschen nicht nur den Nutzen, sondern die Notwendigkeit einer Energiewende einsehen, die auch vor ihrer Haustür stattfindet und sichtbar ist, statt dagegen vorzugehen. Einer Welt, in der sich mehr Leute für den Ausbau der erneuerbaren Energien interessieren und sich daran idealerweise sogar beteiligen wollen, etwa in Form von Genossenschaften.

Aber vielleicht hilft das nun vorgestellte Konzept - auch wenn, oder gerade weil es unverbindlich ist - wenn schon nicht die Welt, wenigstens die Stimmung im Landkreis ein bisschen besser zu machen. Was ja in der Tat einer der Schwerpunkte des Projektes ist, nämlich herauszufinden, ob sich durch gezielte Bürgerbeteiligung und -einbindung die Positionen gegenüber der Energiewende verbessern lassen. Dass sie sich durch gezielte Stimmungsmache, angereichert mit Desinformation, verschlechtern lassen, beweisen die Energie-Querdenker und Klimawandelleugner ja seit Jahren leider sehr erfolgreich. Es wäre wirklich eine gute Nachricht, wenn das Projekt in Ebersberg dazu beitragen könnte, einen geistigen "Impfstoff" gegen diese Ignoranz zu finden. Für den Landkreis selbst ist der erste Schritt dahin indes bereits getan, indem aufgezeigt wird, was möglich wäre: Zumindest technisch ist die Energiewende kein Problem.

© SZ vom 20.01.2021
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