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Kommentar:Unterstützung für die Drecksarbeit

Das Bündnis mit seiner neuen Online-Datenbank gegen Rassismus darf nicht alleine gelassen werden. Vor allem Stadt- und Gemeinderäte sind hier gefragt

Von Thorsten Rienth

Es ist ein ebenso beschämender wie leider unvollständiger Auszug einer Liste aus dem vergangenen Herbst, die aufzuzählen ist, wenn mal wieder die vermeintlich heile Welt des Wohlstandslandkreises gefeiert wird: der Neonazi-Angriff auf das selbstverwaltete Ebersberger Jugendzentrum AJZ am 20. September 2019. Wenig später die Augenzeugenberichte von den Abenden des 5., 19., 25. und 27. Oktobers. Sie berichten von nächtlichen Einschüchterungsversuchen, "Sieg-Heil"-Rufen und Hitlergrüßen in einem Dreieck zwischen Ebersberg, Steinhöring und Grafing. Als allesamt plausibel stufte die bayrische Landeskoordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus diese Meldungen ein. Vor allem, weil mehrere Zeugen die Vorgänge aus unterschiedlichen Perspektiven und teilweise unabhängig voneinander nahezu gleichlautend wiedergaben.

Dass es zuletzt etwas ruhiger wurde, darf nicht täuschen: Der Hass hat sich coronabedingt eben ins Netz verlagert. Umso wichtiger, dass sich KJR, "Bunt statt Braun" und PfD nun zum ersten landkreisweiten Präventionsnetzwerk gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus, also den so ziemlich größtmöglichen gesellschaftlichen Dreck, zusammengeschlossen haben. Bei dieser Drecksarbeit dürfen die größtenteils Ehrenamtlichen aber nicht allein gelassen werden. Dafür braucht es, wie Landrat Robert Niedergesäß (CSU) kürzlich so treffend befand, "die Unterstützung des breitestmöglichen demokratischen Spektrums".

Das freilich schließt die zahlreichen Stadt- und Gemeinderäte sowie Bürgermeister im Landkreis ausdrücklich mit ein. Wer, wenn nicht diese fast 400 Leute sind in ihren Städten, Ortsteilen und Straßen verwurzelt, anerkannt, respektiert? Sie dürfen also gerne noch ein bisschen lauter zu hören sein als in den Herbstwochen 2019. Gerade dann, wenn die Vorfälle in ihrer Ebersberger, Steinhöringer oder Grafinger Nachbarschaft stattfinden. Sonst nämlich droht der Eindruck eines stillschweigenden Hinnehmens solcher brauner Umtriebe.

© SZ vom 17.10.2020
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