MeinungGeraubte KinderDas Gedenken darf nicht am Streit scheitern

Kommentar von Barbara Mooser

Lesezeit: 1 Min.

Einige der Plakate mit geraubten Kindern, die bei der Gedenkaktion angebracht wurden.
Einige der Plakate mit geraubten Kindern, die bei der Gedenkaktion angebracht wurden.
Barbara Mooser

Vor der Gedenkaktion für die geraubten Kinder gab es unnötige Misstöne. Nun sollten beide Seiten wieder aufeinander zugehen.

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Sie gehören zu den lange übersehenen Opfern der NS-Zeit, für die sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht sehr viele Menschen interessiert haben: die geraubten Kinder. Kinder also, die ihren Eltern weggenommen wurden, die an „arische“ Familien weitervermittelt wurden und oft nie erfuhren, woher sie kamen und was mit ihren Familien passiert ist. Die Adoptionen dieser Kinder wurden in den Lebensborn-Heimen organisiert, auch das Steinhöringer Heim „Hochland“ war da keine Ausnahme.

Insofern ist es gut, dass diese Kinder von einst, die heute längst hochbetagt sind und selbst gar nicht mehr die Kraft hätten, für etwas Gerechtigkeit zu kämpfen, in Christoph Schwarz vom Freiburger Verein „Geraubte Kinder“ einen lauten Fürsprecher gefunden haben. Dass er kein Problem damit hat, sich mit seinem Engagement notfalls unbeliebt zu machen, beweist er immer wieder. Beispielsweise wenn er auf die Rolle des Juristen Josef Wintrich als Vormundschaftsrichter beim Steinhöringer Lebensborn-Heim aufmerksam macht – etwas, das man in Ebersberg lieber ignorieren würde, nicht zuletzt, weil eine Straßen- und Schulumbenennung als mögliche Konsequenz ja ziemlich lästig wäre. Auch die Tatsache, dass eine Entschädigung für die geraubten Kinder in Berlin immerhin geprüft wird, ist der Hartnäckigkeit des Freiburgers zuzuschreiben.

Manchmal freilich schießt Schwarz übers Ziel hinaus und nimmt jene ins Visier, von denen ihn ja gar nicht so viel trennt. Dass es vor der Gedenkaktion zwischen ihm und den Verantwortlichen des Einrichtungsverbundes Steinhöring zum Konflikt gekommen ist, weil die Veranstaltung ohne vorherige Rücksprache zu einem ungünstigen Termin geplant wurde, war unnötig und dient der Sache nicht. Das sollte beide Seiten aber nicht daran hindern, jetzt wieder aufeinander zuzugehen. Gerade jetzt, wo in Steinhöring ein Erinnerungsweg zur Historie des Geländes geplant wird, ist der richtige Zeitpunkt, sehr schnell ins Gespräch zu kommen – und gemeinsam daran zu arbeiten, dass die Geschichte der geraubten Kinder nicht vergessen wird.

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