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Kommentar:Riskante Verzögerungen

In Vaterstetten kommen viele geplante Prrojekte nicht so richtig in Schwung

Es gibt viel zu tun - warten wir's ab. Falls Vaterstetten noch ein Gemeindemotto sucht, wäre dieses höchst passend. Viele Projekte sind geplant, so richtig in Schwung kommen sie nicht. Erst kürzlich wurde bekannt, dass die eigentlich für 2017 vorgesehene Eröffnung der neuen Grund- und Mittelschule um ein Jahr nach hinten verschoben werden muss - mindestens. Nun zeigt sich, dass dies vielleicht sogar ein Glücksfall ist, denn auch das Projekt, das den neuen Schulbau gegenfinanzieren soll, stockt.

Eigentlich will Vaterstetten das Geld für die Schule im geplanten Wohngebiet Nordwest erzielen. Mehr als 30 Millionen sollen es sein, doch wann diese verfügbar sind, steht in den Sternen. Im April wurde immerhin der Bebauungsplan auf den Weg gebracht - gültig ist er bis heute nicht. Es existiert bislang nur ein mehr oder weniger aussagekräftiges Konzept, wie die neue Siedlung vielleicht einmal aussehen könnte - wo immerhin, so verkündete es der Bürgermeister Anfang des Jahres, im kommenden Herbst Baubeginn sein soll. Nun wurde im Gemeinderat über einen kleinen Teil der geplanten Siedlung, das Einheimischengebiet beraten - und gleich stand die nächste Verzögerung an. Nach langem Hin und Her hatte man zwar endlich ein grundsätzliches Vorgehen beschlossen, aber weil die Verwaltung die Fragen der Gemeinderäte zum Kriterienkatalog nicht beantworten konnte, wurde das Thema vertagt. Mit vertagt wurde damit auch der Beginn des Verkaufs im neuen Einheimischengebiet - trotz aller Rabatte werden das immerhin Einnahmen von etwa drei Millionen Euro sein.

Für eine Gemeinde sind solche Verzögerungen immer ärgerlich, im Falle Vaterstettens steht aber deutlich mehr auf dem Spiel. Denn mit Vaterstetten Nordwest ist die gesamte Zukunftsplanung der Großgemeinde verknüpft. Jede Verzögerung hier zieht weitere Verzögerungen nach sich, die sich Vaterstetten eigentlich nicht leisten kann. Denn die Uhr tickt. Wenn die Grundstücke nicht verkauft werden, kann die neue Schule nicht gebaut werden, die alte fällt aber langsam auseinander, im ungünstigsten Fall ist eine ebenso teure wie nutzlose Zwischensanierung nötig. Und auch für die Schule in der Wendelsteinstraße wird die Zeit knapp. Deren Sanierung oder Neubau ist mindestens so dringend, wie in der Gluckstraße, wird aber nur möglich, wenn zunächst die andere Schule umziehen und das alte Grundstück verkauft werden kann. In der Wendelsteinstraße wiederum sollen Grundstücke verkauft werden, die das neue Rathaus gegenfinanzieren, wo man vielleicht erneut Grundstücke abzwacken kann, deren Erlöse dann den Bürgersaal finanzieren.

Manche Verzögerung lässt sich vielleicht nicht verhindern. Dass aber, wie beim Einheimischenbauland, eine Verspätung zustande kommt, weil sich Bürgermeister und Bauamtsleitung nicht ausreichend auf die Sitzung vorbereiten und nicht in der Lage sind, erwartbare Fragen der Gemeinderäte zu beantworten, wirft die Frage auf, ob man im Rathaus der Zukunftsplanung der Gemeinde genügend Aufmerksamkeit schenkt.

© SZ vom 10.10.2015
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