Kommentar Nicht nachlassen

Der Kreisjugendring übernimmt mit dem Demokratieprojekt eine wichtige Aufgabe - und eine nicht unbedingt einfache

Von Barbara Mooser

Braucht es Präventionsprojekte gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit? Für viele Menschen ist im Jahr 2018 die Diskussion über dieses Thema schnell abgeschlossen - mit einem klaren Ja. In Chemnitz demonstrieren Nazis ganz offen ihre Gesinnung, die Zahl antisemitischer Straftaten steigt, im ersten Halbjahr 2018 wurden 704 Angriffe auf Geflüchtete und Unterkünfte gezählt, etwa vier pro Tag. Wann, wenn nicht in solchen Zeiten, sollte man denn Prävention betreiben?

Insofern ist es die richtige Entscheidung des Landkreises, die vom Aktionsbündnis "Grass 21" begonnene Arbeit nicht sang- und klanglos auslaufen zu lassen. Denn dass in letzter Zeit nichts über neue rechte Umtriebe in der Jugendszene im Landkreis bekannt geworden ist, hat wenig bis nichts zu bedeuten. Jugendliche demonstrieren ihre Gesinnung nicht notwendigerweise dadurch, dass sie ein Hakenkreuz in ein Maisfeld trampeln, wie das 2010 in Aßling geschehen ist. Sie finden Gleichgesinnte und die Bestätigung ihrer Ideen in Internetforen, heimlicher und unheimlicher zugleich.

Der Zugriff auf sie ist schwieriger geworden, dennoch ist es den Versuch wert. Wichtig ist, dass die Akteure den jungen Leuten in der realen Welt auf Augenhöhe begegnen, sie durch Projekte nahe an ihrer Lebenswelt für den Wert von Weltoffenheit und Toleranz überzeugen können. Tatsächlich hat der Kreisjugendring noch nicht deutlich gemacht, wie er dieses Kunststück schaffen will - da liegt Kreisrat Alexander Müller (FDP) mit seiner Kritik nicht ganz daneben. Andererseits wusste der Kreisjugendring bis vor ein paar Tagen auch nicht definitiv, dass er die Projektträgerschaft übernehmen darf. Ein bisschen Zeit muss man ihm schon geben, um Ideen zu formulieren und Zielgruppen zu identifizieren.