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Kommentar:Nicht nachgeben

Rechtsradikale Umtriebe sind so deutlich spürbar wie lange nicht - doch die Gegenbewegung wird ebenfalls stärker

Es sind schwierige Zeiten für all jene, die sich für Weltoffenheit, Freiheit und Demokratie einsetzen. Zeiten, in denen sich in einem Zornedinger Wirtshaus Menschen treffen, die genau für das Gegenteil stehen. In denen AfD-Vertreter und führende Pegida-Leute im Landkreis Ebersberg einen Verein gründen. Oder in denen die jungen Rechtsextremen der Identitären Bewegung Bayern eine Kindertagesstätte in Markt Schwaben für ein politisches Statement missbrauchen. So feige und feindselig das alles rüberkommt - so sehr lässt es sich aber auch entkräften.

Klar ist der Druck von rechts so deutlich spürbar wie lange nicht. Gleiches gilt aber mindestens genauso für all jene, die dagegenhalten. Einerseits die Menschen, die dort wohnen: Dass der Rapper Chris Ares aus dem Landkreis Ebersberg weggezogen ist, passierte womöglich auf öffentlichen Druck. Nun bekommt er erstmals auch Druck vom Rechtsstaat: Er, der rechte Hetzer im legeren Hipstergewand, der Tausenden jungen Leuten nationalistisches Gedankengut nahegebracht hat, hat einen Strafbefehl erhalten. Das zeigt, dass es schwierig wird, für jemanden, der gegen die Werte dieser Gesellschaft hetzt. Genau wie für die "Reichsbürger"-WG in Pliening, die in den vergangenen zwei Jahren eine Razzia nach der anderen über sich ergehen lassen musste.

Solche Beispiele machen Hoffnung, dass die bayerische Polizei sich nicht nur mit denen beschäftigt, die sich durch das neue Söder'sche Polizeiaufgabengesetz unterdrückt fühlen. Sondern auch mit Nachdruck mit jenen, die sich in einem Rechtsstaat wirklich danebenbenehmen: In dem Fall viel zu weit rechts daneben. Die schöne Nachricht der Demokratie: Dort zählen Mehrheiten, und die haben im Landkreis Ebersberg und sonst in Bayern nicht die Rechtspopulisten, bei Weitem nicht. Das zeigt ein kürzliche gedrehtes Video des Steinhöringer Filmemachers Christian Lerch mit dem Titel "Mia ned" - für Freiheit, gegen Ausgrenzung. Allein der Facebook-Clip wurde in den ersten drei Tagen nach dem Erscheinen 1,2 Millionen Mal geklickt - auf solche Zahlen können Chris Ares und seine braunen Gefolgsleute warten, bis sie schwarz sind.