bedeckt München 18°
vgwortpixel

Kommentar:Neu, aber nicht unbekannt

Uli Proske war zwar bisher nicht in der Stadtpolitik aktiv, das hat dem Ebersberger SPD-Bewerber aber nicht geschadet - im Gegenteil

Neuem Kehrgerät schreibt die Redensart bekanntlich eine vertiefte Reinigungswirkung zu, neuen Köpfen trauen die Ebersberger offenbar eine verbesserte Regierungswirkung zu. In der Stichwahl hat sich fortgesetzt, was sich vor zwei Wochen angedeutet hatte: Uli Proske, der von der SPD nominierte parteilose Kandidat ohne Stadtratssitz, überzeugte die meisten Ebersberger.

Zwar ist Proske als Kreisrat kein Neuling in der Politik, wohl aber in jener der Kreisstadt. Was nicht heißt, dass er keine Ahnung von Stadtpolitik habe, ein - zumindest indirekter - Vorwurf, der in der letzten Wahlkampfwoche den ansonsten fairen Wettbewerb etwas überschattete. Richtig ist aber, dass Proske bislang keine politischen Entscheidungen für die Kreisstadt getroffen hat. Falls es mit dem Wechsel des Chefs auch in manchen Dingen einen des Kurses geben sollte, fiele das Proske leichter. Im Gegensatz zu Alexander Gressierer, seinem Gegenkandidaten in der Stichwahl, und zwei im ersten Wahlgang ausgeschiedenen Bewerbern, Toni Ried und Bernhard Spötzl. Alle drei wurden übrigens wieder in den Stadtrat gewählt, mit deren Arbeit im Gremium sind die Wähler also offenbar zufrieden, nur als Bürgermeister konnte sie sich eine Mehrheit der Ebersberger eben nicht vorstellen. Dasselbe gilt auch für den anderen Bewerber von außen, Josef Peis fiel bei der Bürgermeisterwahl durch, wird aber im neuen Stadtrat vertreten sein.

Auch ohne Stadtratserfahrung ist Feuerwehrkommandant und Wassermeister Proske natürlich bekannt in der Kreisstadt. Diesen Bonus haben er und die SPD gut als Basis genutzt, einen ebenso sympathischen wie kompetenten Kandidaten zu präsentieren, der gleichzeitig den berühmten "unverstellten Blick von Außen" mitbringt, ohne ein kompletter Neuling zu sein: Die Ebersberger, so kann man das Ergebnis der Stichwahl getrost interpretieren, wünschen sich einen neuen Besen im Rathaus - zu neu sollte er aber auch nicht sein.

© SZ vom 30.03.2020
Zur SZ-Startseite