KommentarKein Grund zur Häme

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Dass die Gemeinde Vaterstetten ihr Geld bei einer Bank angelegt hat, gegen die nun der Staatsanwalt ermittelt, kann man der örtlichen Kämmerei beim schlechtesten Willen nicht anlasten

Von Wieland Bögel

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Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, so die bekannte Redewendung. Auf die Gemeinde Vaterstetten, die nun vielleicht 5,5 Millionen Euro in den Kamin schreiben muss, trifft das indes nicht zu. Denn Grund für Spott besteht in diesem Falle nicht, eher Grund zur Sorge - aber nicht über die Arbeit der Gemeinde.

Es ist natürlich schon besonders ärgerlich, wenn ausgerechnet eine Gemeinde, die so chronisch unterfinanziert ist wie Vaterstetten, auf einen Schlag 5,5 Millionen Euro verliert. Das sind etwa sechseinhalb Prozent des Haushaltsvolumens des vergangenen Jahres. Auf den ersten Blick werden da Erinnerungen wach an andere Gelegenheiten, bei denen die Gemeinde hohe Summen versenkt hatte: Etwa die Planungen für die nie umgesetzte Geothermie oder gleich mehrmals für das ebenfalls bis heute nicht verwirklichte Ortszentrum. Allerdings liegen die Dinge hier deutlich anders. Denn im Gegensatz zu gescheiterten Gemeindeprojekten trifft weder Politik noch Verwaltung hier eine Schuld, sollte das Geld tatsächlich weg sein. Dieses wurde auch nicht - wie nun sicher wieder ein paar besonders schlaue selbsternannte Finanzexperten bald wissen werden - verzockt, sondern nach den Empfehlungen des Bayerischen Kommunalen Prüfverbands bei einer Bank angelegt, die bis vergangene Woche als seriöses Geldhaus galt.

Dass gegen dieses nun der Staatsanwalt ermittelt und der Verdacht der falschen Bilanzierung besteht, kann man der Gemeinde beim schlechtesten Willen nicht anlasten. Es sei denn, man verlangt von einer Kommune Fähigkeiten, die es offenbar nicht einmal bei der Finanzaufsicht Bafin gibt. Denn diese ist zwar vergangene Woche aktiv geworden, allerdings könnte es bereits zu spät sein, um Schaden für die Anleger abzuwenden. Ein Zögern, das in diesem Fall besonders ungute Folgen hat, denn das Geld, um das es hier geht, ist Steuergeld, im besten Wissen und Gewissen bei einer inländischen Bank angelegt, wie es sogar der Bayerische Kommunale Prüfverband empfahl. Den Schaden hat nun eventuell Vaterstetten - zusammen mit vielen anderen Kommunen, denen es ähnlich geht. Wer aber in der Sache eine Adresse für die Abgabe von Spott sucht, möge sich vertrauensvoll nach Frankfurt und nach Bonn wenden, wo die Bafin sitzt.

© SZ vom 09.03.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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