Kommentar Karten auf den Tisch

Im Fall des geplanten Vaterstettener Gewerbegegiets sollten die Gemeinderäte die Verwaltung zu mehr Klarheit zwingen

Von Wieland Bögel

Wer erfolgreich Champignons anbauen will, muss zwei Regeln beachten: immer im Dunklen lassen und mit viel Mist füttern. Offenbar ist man im Vaterstettener Rathaus der Meinung, ein Gewerbegebiet sei auch so eine Art Schwammerl. Zumindest würde das erklären, warum die Planung für Parsdorf III so läuft, wie sie es eben tut.

Seit mehr als einem Jahr wird nun an der Fläche nördlich der Autobahn herumgedoktert. Begonnen hatte die Aktion Anfang 2017 mit der Ansage, die Händler der Münchner Großmarkthalle wollten sich in Parsdorf ansiedeln. Eine, wie sich bald herausstellte, gezielte Falschinformation, die aber beiden Seiten nutzen sollte. Die Fruchthändler konnten die Stadt München letztlich zum Bau der neuen Großmarkthalle zu ihren Konditionen überreden, die Gemeinde etwas Werbung für den Standort Parsdorf machen. Erfolgreich, wie es schien: Einige Monate nach dem offiziellen Ende der nie ernsthaft verfolgten Großmarktpläne kam der nächste Knaller aus dem Vaterstettener Rathaus: Nicht Obst und Gemüse sondern Autoteile sollten in Parsdorf umgeladen werden, in einem Logistikzentrum von BMW. Und es kam noch besser. Im Mai wurden Pläne für einen Industriestandort mit mehr als 1000 Mitarbeitern vorgestellt, und auch ein nötiger Grundstückstausch mit dem Freistaat schien in greifbarer Nähe.

Doch handfest ist mittlerweile lediglich die Unsicherheit rund um das Vorhaben. Dass vieles davon hinter verschlossenen Türen verhandelt wurde, ist per se weder ungewöhnlich noch verwerflich. Schließlich geht es um sensible Verhandlungen. Bedenklich sind aber zwei andere Dinge: Erstens die extrem lange Laufzeit. Seit mehr als einem Jahr will man angeblich mit BMW verhandelt haben, mit dem anderen Unternehmen vermutlich nicht viel kürzer. Trotzdem gibt es offenbar kein Ergebnis, das sich vorzeigen lässt. Noch besorgniserregender ist aber, dass die Verwaltung - aus welchem Grund auch immer - offenbar auch den Gemeinderat wie Champignons behandelt. Selbst die Befürworter des Projektes müssen zugeben, dass sie eigentlich nichts darüber wissen.

Sie sollten das dringend ändern und die Verwaltung zu mehr Klarheit zwingen. Wenn man schon nicht die Öffentlichkeit über jedes Detail informieren kann, dann müssen die Gemeinderäte wenigstens wissen, ob Vaterstetten durch ihren Beschluss zum Gewerbesteuer-Champion wird - oder ob nördlich der Autobahn Hallen entstehen, in denen man in ein paar Jahren bestenfalls Champignons züchten kann.