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Kommentar:Jugend von heute, Alte von gestern?

In Zeiten, in denen über Generationenkonflikte diskutiert wird, ist es gut, dass es Angebote gibt, bei denen alt und jung zusammenkommen - und gemeinsam an einem Strang ziehen

Seitdem junge Menschen zu Hunderttausenden auf die Straße ziehen - sei es für einen besseren Klimaschutz im Rahmen von "Fridays for Future" oder für ein freies Internet aus Protest gegen die EU-Urheberrechtsreform - wird viel darüber diskutiert: Befinden wir uns am Anfang eines neuen Generationenkonflikts? Auch die Ergebnisse der Europawahl lassen diesen Schluss zu. Es scheint in Zeiten wie diesen daher wichtiger denn je, dass es Projekte gibt, die Generationen wieder zusammenbringen - die Smartphone- und Tablet-Kurse der VHS Vaterstetten in Zorneding und Grasbrunn gehen da mit gutem Beispiel voran.

Die Jugend von heute schaut nur auf ihr Handy. Sätze wie diesen dürften auch die Schülerinnen und Schüler aus Vaterstetten und Zorneding schon einmal gehört haben, die älteren Menschen im Rahmen der VHS-Kurse sämtliche Fragen zum Umgang mit Handys, Laptops und Tablets beantworten. Es sind Sätze, die herabwürdigen, auch wenn sie ein Stück Wahrheit enthalten: Die Generation Z, geboren rund um das Jahr 2000, ist im Gegensatz zu der Generation ihrer Großeltern von klein an selbstverständlich mit Internet und Smartphone aufgewachsen. Kurse, die von dieser Expertise Gebrauch machen, eröffnen Seniorinnen und Senioren die Chance, sich durch neue technologische Veränderungen nicht automatisch abgehängt zu fühlen, sondern auch von ihren Vorteilen profitieren zu können - plakativ gesagt, nicht automatisch "Die Alten von gestern" zu werden, ohne eine Chance zu haben, "Die Alten von morgen" zu sein.

Dabei profitieren auch die jungen Menschen: Schlüpfen sie in die Rolle der Lehrer, so trainieren sie ihre Fähigkeit, zu erklären, und erhalten darüber hinaus auch die Chance, ihr Wissen vor einer sie oftmals belächelnden Generation zu demonstrieren. Dadurch wächst nicht zuletzt das Verständnis der Älteren für die Interessen der Jüngeren, denn häufig resultiert die Ablehnung neuer digitaler Technologien ja schlicht und einfach daraus, dass sie fremd und schwer zugänglich erscheint.

Will man also verhindern, dass sich die Gräben zwischen Jung und Alt bei zukunftsweisenden Themen wie Klima- und Digitalpolitik vertiefen, so ist der Kontakt und die Kommunikation zwischen beiden essenziell. Dass das funktioniert, zeigen etwa die "Grandparents for Future", die gemeinsam mit ihren Enkeln demonstrieren und nebenbei auch den Umgang mit Facebook und Twitter längst adaptiert haben.

© SZ vom 22.06.2019
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