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Kommentar:Heißes Eisen angepackt

Mit viel Schwung und Gottvertrauen hat der neue Pfarrer Anicet Mutonkole-Muyombi die umstrittene Kirchenrenovierung in Angriff genommen

Als Anicet Mutonkole-Muyombi erfuhr, dass die Grafinger Pfarrei seine nächste Station sein würde, informierte er sich gleich im Internet, was ihn denn da erwarte. Das Bild, das sich ihm dabei bot, war freilich kein schönes: Schlimmste Vorwürfe wurden seinem Vorgänger Hermann Schlicker im Streit um die Renovierung der Pfarrkirche von Gemeindemitgliedern gemacht. "Das war und ist ein heikles Thema", sagt der neue Pfarrer aus dem Kongo - und lacht. Schließlich scheint es nun, endlich, einem guten Ende zuzugehen.

Zu verdanken hat dies die Gemeinde vermutlich in erster Linie Mutonkole-Muyombi. Der Geistliche hat die Herausforderung einer entzweiten Pfarrei nicht gescheut, sondern angenommen, und sich mit frischem Elan in die Verhandlungen mit den Experten des Ordinariats geworfen. Dabei hat sich der neue Pfarrer für die kleine Lösung entschieden - ohne einen neuen, ebeneren Boden rund um den Altar. Sein Vorgänger hatte da noch eine andere Meinung, aus kunsthistorischen wie persönlichen Gründen: Schlicker klagte über den "Hürdenlauf", den er wegen der vielen Stufen in jedem Gottesdienst zu bewältigen habe. Mutonkole-Muyombi hingegen sagt: "Das stört mich nicht", und lacht schon wieder. Auch das unorthodox verlegte Muster ist ihm kein Dorn im Auge , vielmehr würde es ihn ärgern, so viel Geld auszugeben - "für einen Boden!?" Damit spricht Mutonkole-Muyombi sicher vielen Grafinger Gläubigen aus dem Herzen - und konnte mit diesem Vorschlag obendrein einen Kompromiss in den Verhandlungen mit dem Ordinariat erreichen.

Grafings neuer Pfarrer ist offenbar sehr pragmatisch, ansteckend optimistisch und mit einem unerschütterlichen Gottvertrauen gesegnet. Der Altarraum von Sankt Ägidius wird bald in neuem Glanz erstrahlen, ist er sich sicher, und dann wieder Frieden in der zerstrittenen Gemeinde einkehren. Dieser kann man zu ihrem neuen Oberhaupt wohl nur gratulieren. Halleluja!