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Kommentar:Für mehr Tonnen-Sharing

Bei der Abfallentsorgung haben die Poinger viele gute Ideen, wie man die Müllmenge verringern kann. Die beste könnte am Ende die am wenigsten aufwendige sein

Von Johanna Feckl

Es ist gut, dass auf Initiative der Grünen- und SPD-Fraktionen hin die Poinger Verwaltung verschiedene Möglichkeiten unter die Lupe genommen hat, wie man die Abfallwirtschaft verbessern kann. Allein die Selbstverpflichtung, welche die Gemeinde mit dem Ende 2019 einstimmig ausgerufenen Klimanotstand eingegangen ist, verlangt es, laufend einzelne Bereiche auf ihre Umweltbilanz hin zu prüfen und gegebenenfalls bisherige Lösungen anzupassen. Obwohl sich Poing hier also eigentlich vorbildlich verhält und auch durch diverse andere Vorhaben regelmäßig die Bedeutung von Umwelt- und Klimaschutz hervorkehrt - wie etwa den für Sommer geplanten Klimaschutz-Aktionstag, der fortan jährlich stattfinden soll -, gibt es trotzdem Grund zur Kritik: Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht?

Gemeinderat Michael Lanzl (CSU) sprach es an: das "Tonnen-Sharing", also wenn Nachbarn eine gemeinsame Restmüll-Tonne anmelden und nutzen. Das bietet gleich mehrere Vorteile im Vergleich zu einem neuen System, ganz gleich, ob nun Wertmarken oder 40-Liter-Tonnen: Es muss nichts umgestellt oder eingeführt werden, was finanzielle und personelle Ressourcen erfordern würde. Einmal beantragt und im System hinterlegt verursacht das Tonnen-Sharing sogar weniger Verwaltungsaufwand, denn wie in der Sitzung gesagt wurde, rechnet die Gemeinde die kompletten Gebühren mit einem der Nachbarn ab - ob und wie die zwei Haushalte die Kosten dann unter sich aufteilen, bleibt deren private Angelegenheit. Also: Nur noch einen Gebührenbescheid erstellen und versenden, nur noch eine Rechnung verwalten und buchen. Und zu guter Letzt: Die soziale Kontrolle einer kleinen Tonnen-Gemeinschaft, bei der sich die Beteiligten persönlich kennen, kann besser dafür sorgen, beim eigenen Müll-Verhalten weniger zu schludern, wovon Klima und Umwelt profitieren. Denn: Bei Allgemeingütern und fehlender Zuschreibungsfähigkeit sinkt das persönliche Verantwortungsbewusstsein - was allen gehört, schützt niemand.

In Anbetracht all dieser positiven Effekte eines Tonnen-Sharings ist es nicht nachvollziehbar, weshalb Poing diese Option bislang so unter den Tisch fallen lässt. Wer sich auf der Gemeinde-Webseite über die Abfallwirtschaft informieren will, erfährt von dieser Möglichkeit unter dem Reiter "Formulare" und nicht etwa unter "Mülltonnen - Erste Infos". Transparent - und sinnvoll - ist das nicht unbedingt. Die Gemeinde täte gut daran, den Vorschlag von Michael Lanzl umzusetzen: Ordentlich Werbung machen fürs Tonnen-Sharing.

© SZ vom 03.03.2021
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