Kommentar Einfach machen

Ein ehrenamtlicher Fahrdienst für Senioren, der ohne viel Bürokratie auskommt, könnte tatsächlich funktionieren

Von Wieland Bögel

Es gibt etwas, das mehr nervt, als Autofahren in Vaterstetten: kein Auto zur Verfügung zu haben. Was gerade für Senioren, deren Bevölkerungsanteil in der stark zersiedelten Flächengemeinde stetig wächst, ein echtes Dilemma ist. Wer aus Altersgründen nicht mehr fahren will oder kann, hat auch Probleme, Besorgungen zu Fuß zu erledigen. Ein ehrenamtlicher Fahrdienst, wie ihn nun einige Engagierte auf den Weg gebracht haben, könnte Abhilfe schaffen.

Die Idee ist nicht ganz neu, das erste Mal kam sie vor knapp drei Jahren auf, als aus Kostengründen das Angebot des Gemeindebusses zusammengestrichen wurde. Damals war der Ärger, nicht nur unter den Senioren, groß - aber auch die Hilfsbereitschaft. Bürger boten an, für die Gemeinde mit ihren Privatautos unentgeltlich Fahrten zwischen den Altenheimen und den Bahnhöfen zu unternehmen. So richtig in Schwung kam das Vorhaben aber lange nicht, besonders wegen rechtlicher Bedenken, wie der Frage, wer bei einem Unfall haftet. Auch die organisatorische Vorbereitung verlief zunächst eher holprig: bei einem ersten geplanten Gründungstreffen für einen Fahrdienst im vergangenen Sommer war die Resonanz - höflich gesagt - enttäuschend. Dass es jetzt trotzdem klappen könnte, ist vor allem der Ausdauer des Seniorenbeirats und einiger Gemeinderäte zu verdanken. Diese haben eine Möglichkeit gefunden, die tatsächlich funktionieren könnte, nicht nur rechtlich, sondern auch ganz praktisch.

Der Trick dabei heißt "einfach machen", nur so viel Organisation und Administration wie nötig. Statt eines Rundum-Sorglos-Mobilitätspakets - wie es in der Vergangenheit auch schon einige gefordert hatten - bietet der Fahrdienst gewissermaßen nur "basics", in diesem Fall die Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten an und übernimmt die Versicherung. Damit hält man sowohl die Kosten für die Passagiere niedrig, wie auch die Schwelle, sich als Fahrer zu engagieren. Wie sich am Donnerstag gezeigt hat, könnte das Konzept aufgehen: Zehn Fahrer konnte der Verein gewinnen, bevor er überhaupt gegründet wurde.