Kommentar:Die Mischung macht's

Dass die nun im Verkehrsausschuss des Kreistages beschlossenen Verbesserungen für Radler in der S-Bahn bald kommen werden, ist unwahrscheinlich. Dass man die Forderungen gestellt hat, war trotzdem richtig.

Von Wieland Bögel

Nur wer mitspielt, kann gewinnen. Dieser zugegeben schon etwas abgegriffene Werbespruch für ein beliebtes Glücksspiel passt gut zu dem Beschluss, den der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages nun gefasst hat. Gefordert werden darin drei Maßnahmen, die das Zusammenspiel zwischen Bahn und Fahrrad verbessern sollen. Davon, dass die Erfolgsaussichten - vorsichtig ausgedrückt - eher überschaubar sind, haben sich die Ausschussmitglieder nicht abhalten lassen und das ist auch richtig. Damit hat man zumindest das Spiel eröffnet, ob es am Ende einen Preis gibt und welchen, wird sich zeigen.

Dass die anderen Mitspieler es den Ebersbergern besonders einfach machen werden, davon ist nicht auszugehen. Alle drei Forderungen dürften bei der einen oder anderen Seite auf erheblichen Widerstand stoßen. Etwa, dass man die neuen S-Bahnen fahrradfreundlicher ausrüstet durch mehr und bessere Abstellmöglichkeiten. Damit ist in den nächsten Jahren wenn nicht Jahrzehnten kaum zu rechnen. Die Ausschreibung für die neuen Züge läuft bereits, kurzfristig lassen sich wohl kaum noch Änderungen durchsetzen. Für künftige Bestellungen könnte der Radlständer im Zuggang aber möglich sein, wenn sich genügend andere Akteure anschließen. Die braucht es auch für die zwei weiteren Forderungen: Das Fahrrad günstiger oder gar umsonst mitnehmen zu dürfen und das auch innerhalb des Berufsverkehrs, zumindest auf den Außenästen. Der Preisnachlass für Räder wäre theoretisch eigentlich ganz einfach umzusetzen - praktisch allerdings, das haben die zähen Verhandlungen zur Tarifreform von zwei Jahren gezeigt, dürften dazu lange Abstimmungen mit den anderen Partnern im MVV nötig werden. Schließlich müsste aus deren Haushalten das Defizit ausgeglichen werden, das die Bahn durch Mindereinnahmen bei den Fahrrädern einfährt. Auch beim Fahrradverbot zu Stoßzeiten dürfte es zwischen den Beteiligten wohl sehr viel Beratungsbedarf geben. Vermutlich wären die Umlandkreise eher dafür, die Stadt München eher dagegen und am Ende ist es nicht ausgeschlossen, dass ohnehin ein aufwendiges Gutachten entscheiden muss, ob und wie Fahrräder im Berufsverkehr in die S-Bahn dürfen.

Diese Diskussion aber anzustoßen, wie es der Ausschuss nun getan hat, war richtig und wichtig. Denn eigentlich ist Fahrrad und öffentlicher Nahverkehr eine gute Mischung: Mit dem Radl zum Bahnhof, mit dem Zug nach München und dort die letzten Meter wieder mit dem Rad. Dies könnte nicht nur manchen Pendlern viel Zeit sparen, auch für Umwelt und Anwohner wäre es eine Entlastung. Dass man dazu einen Bahnhof in Fahrradreichweite braucht, wie es der Glonner Bürgermeister Josef Oswald in der Sitzung angemerkt hat, ist ebenfalls richtig. Sein Einwand, dann könne man ja gleich Fahrradträger an den Bussen fordern, ist daher gar nicht so weit hergeholt. Vielleicht sollte jemand für eine kommende Sitzung genau dies beantragen. Die Aussichten könnten überraschend gut sein, schließlich ist der Landkreis für den Busbetrieb verantwortlich und hat mehr Möglichkeiten die Spielregeln zu bestimmen.

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