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Kommentar:Die Krise kennt nur Verlierer

Das Einzige, das in dieser Ausnahmesituation an den Schulen vermutlich helfen kann, ist Verständnis füreinander

Von Anja Blum

Auf dem Bildungssektor gibt es angesichts der Pandemie nur Verlierer. Die Schülerinnen und Schüler müssen über lange Strecken alleine lernen und leiden darunter - je jünger, desto mehr. Die Eltern, gerade die berufstätigen, sind aufgrund der Doppelbelastung oftmals am Ende ihrer Kräfte. Und auch die Lehrerinnen und Lehrer können einem leid tun. Denn all das, weswegen sie ihren Beruf vermutlich einmal gewählt haben, ist aufgrund von Corona nicht mehr ihr Tagesgeschäft. Die Schulpflicht wird immer wieder ausgesetzt - wer hätte das für möglich gehalten!?!

Das Einzige, das in dieser Ausnahmesituation vermutlich helfen kann, ist Verständnis füreinander. Für Kinder, denen es schwerfällt, sich Schulstoff selbständig zu erarbeiten. Für Jugendliche, denen die Motivation zum Lernen vor dem Bildschirm abhanden kommt. Für Eltern, die nicht in der Lage sind, stundenlang Hausaufgaben zu betreuen. Und für Pädagogen, die nicht immer sofort allen Anforderungen gerecht werden können. Mehr denn je werden sie in der Pandemie aufgerieben zwischen politischen Ansagen, elterlichen Bedürfnissen und Schülern, die ihre Aufmerksamkeit brauchen.

Zunächst einmal macht der digitale Dornröschenschlaf, in dem viele Schulen sich vor Corona befanden, die Sache sehr schwierig: Eine Schulstunde in Präsenz sinnvoll in digitale Formate zu gießen, das stellt viele Pädagogen vor große Herausforderungen. Vielleicht haben sie im vergangenen Jahr sogar mehr dazugelernt als ihr Schützlinge? Durch den Wechsel- und Distanzunterricht findet die Kommunikation außerdem oftmals in einer Eins-zu-Eins-Situation statt - per Mail, Telefon oder sonst irgendeinem Medium - was für die Lehrer einen unglaublichen Zeitaufwand bedeutet. Von den vielen neuen organisatorischen Aufgaben - vom Videounterricht über Selbsttests und Notbetreuung bis hin zu völlig ungewissen Probenplänen - ganz zu schweigen. Und wer sich dann noch Sorgen machen muss um all jene, die er aus der Distanz nicht zu erreichen vermag, die dem Schulsystem möglicherweise gerade entgleiten, der ist wahrlich nicht zu beneiden.

Ja, die Lehrerinnen und Lehrer sind teils sehr wenig an der Schule - frei haben sie trotzdem nicht. Ganz im Gegenteil. Sie haben alle Hände voll zu tun und geben in den allermeisten Fällen ihr Bestes.

© SZ vom 05.05.2021
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