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Kommentar:Auf dem kurzen Dienstweg

Jobs vor Ort haben unschätzbare Vorteile - weswegen die Gemeinden gut daran tun, beim Gewerbe ein moderates Wachstum zu forcieren

Im Landkreis Ebersberg gibt es immer mehr zu tun, sprich, die Zahl der Jobs steigt seit langem kontinuierlich und die Quote liegt fast bei Vollbeschäftigung. Das sind ohne Zweifel gute Nachrichten. Doch wenn man genauer hinsieht, zeigt die Realität noch ein anderes Gesicht, denn aufgrund des großen Zuzugs steigt die Zahl der Einwohner ebenfalls. Das bedeutet: Nur 68 von 100 erwerbstätigen Menschen, die im Landkreis leben, arbeiten auch hier. Sprich: Viele Ebersberger müssen pendeln und für ihren Broterwerb wohl oftmals weite Strecken in Kauf nehmen.

Insofern tun die Gemeinden gut daran, immer wieder neue Gewerbeflächen auszuweisen, gerade solche, deren Betriebe wenig Platz, aber viele qualifizierte Mitarbeiter benötigen. Die Ansiedlung von Unternehmen nämlich spült nicht nur zusätzliche Gewerbesteuer in die teils klammen Kassen der Kommunen, sondern bringt auch deren Bürgern enorme Vorteile. Selbst wenn zugunsten der neuen Firmengebäude die ein oder andere Wiese weichen muss, was aus Sicht des Umweltschutzes freilich zu verteufeln ist: Arbeit vor Ort birgt höchst positive Nebenwirkungen.

Zum einen wäre da - relativ profan - generell die Verbesserung der Lebensqualität: Es geht nicht so unendlich viel Zeit verloren für den Weg zur Arbeit, es bleibt mehr Raum für Sport, Kultur und sonstige Freizeit. Das nächste Argument hängt eng mit diesem zusammen: Alle jene jungen Paare, die den Landkreis aufgrund seiner noch etwas moderateren Immobilienpreise - im Vergleich zur Landeshauptstadt etwa - als Lebensmittelpunkt gewählt haben, wird die viel beschworene Vereinbarkeit von Beruf und Familie nämlich umso besser gelingen, je weniger weit Arbeitsstelle, Kita und Zuhause voneinander entfernt liegen. Jeder Kilometer weniger spart nicht nur Zeit, sondern vor allem anderweitig dringend benötigte Nerven.

Und der letzte Punkt hebelt, ein wenig zumindest, die Versiegelungsphobie aus, denn: Jeder nahe gelegene Job schont die Umwelt. Zumal in einem Landkreis wie dem Ebersberger, in dem viele Ortschaften mit ihrer Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr nicht gerade punkten können. Kolonnen von Autos, die sich lediglich mit ihrem Fahrer besetzt durch den Berufsverkehr auf der B 304 schieben, zeugen jeden Tag davon. Wer hingegen auf dem kurzen Dienstweg zur Arbeit kommt, verpestet weniger die Luft und macht auch keine neuen Umfahrungen notwendig. Von einem, der mit dem Fahrrad sein Ziel erreicht, ganz zu schweigen. Sich in Sachen Wirtschaftspolitik ein moderates Wachstum zu gönnen, dafür sind die Kommunen also durchaus einmal zu loben.