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Kommentar:Absoluter Luxus

Überall in der Region fehlt erschwinglicher Wohnraum. Markt Schwaben will nun ausgerechnet ein Angebot für Reiche ermöglichen

Was sich Markt Schwaben mit dem noch freien Grundstück gegenüber dem Parkhaus am Bahnhof leistet, ist absoluter Luxus: Auf 3500 Quadratmetern werden in einem fünf- bis sechsstöckigen Gebäude nicht etwa Eigentums- oder Mietwohnungen entstehen, nein, hier soll eine Art Boardinghouse gebaut werden, ein Wohnen auf Zeit also, das sich an Kurzzeitmieter - Geschäftsreisende etwa oder Studenten - wendet. Vor Jahren bereits hat der Gemeinderat beschlossen, dass an dieser Stelle kein reines Wohngebiet entstehen soll - weil das wiederum den Ausbau von Krippen, Kindergärten und Schulen nach sich ziehe, so die Begründung damals.

Diese Aussage klingt wie Hohn in einer Zeit, in der akute Wohnungsnot im Großraum München herrscht und vor allem bezahlbarer Wohnraum für Sozialfälle, Geringverdiener und anerkannte Flüchtlinge an allen Ecken und Enden fehlt. Seit Jahren liegt das "Spitz" genannte Grundstück in relativ zentraler Lage nun brach, weil der Gemeinderat gemeint hat, kraft seiner Planungshoheit ein Sondergebiet Hotel ausweisen zu müssen, an dem offensichtlich kein großes Interesse bestand.

Sicher, die Gemeinde hat keine Pflicht, Zuzug zu ermöglichen. Will sie keine Baugebiete ausweisen, muss sie das nicht; tut sie es aber, sollte sie stark hinterfragen, ob ausgerechnet ein Wohnen auf Zeit wirklich das Richtige ist. Die halbluxuriösen Apartments, die der Investor einrichten will, sollen voll möbliert für maximal drei Jahre vermietet werden und eher im oberen Preissegment angesiedelt sein. Menschen mit geringerem Budget bleiben also von Anfang an außen vor. Und für die Gemeinde selbst ist das Wohnen-auf-Zeit-Konzept keine Garantie, dass nicht doch Folgekosten auf sie zukommen: Denn Mieter können auch Kinder bekommen und einen Krippenplatz einfordern, wenn sie nicht dauerhaft in Markt Schwaben leben.