Kolumne:Wenn die Post für einen Tesafilmstreifen fünf Cent verlangt

Bilanz-Pk tesa AG

Kein Witz: Für ein fingerlanges Stück Tesafilm wurden bei der Post in Vaterstetten fünf Cent fällig.

(Foto: dpa/dpaweb)

Das Zukleben eines Pakets ist nicht im Porto enthalten. In Vaterstetten bekommt man das in diesen heißen Tagen auch zu spüren.

Glosse von Barbara Mooser

Die kleinen Dinge seien es oft, die das Leben lebenswert machten, verrät ein Spruch, der gern in Glückskeksen oder in üppig mit Marienkäferchen und Sonnenblumen verzierten Geschenkbüchlein zu finden ist. Doch so hoch muss man es gar nicht aufhängen; manchmal sind die kleinen Dinge auch nur notwendig, um Lästigkeiten des Alltags zu vermeiden.

Das dachte sich auch Heide Fleissner von Zastrow, die ein Paket verschicken musste und zu diesem Zweck eine Post-Partnerfiliale in Vaterstetten aufsuchte. Dabei stellte sie fest, dass sich der Adressaufkleber zu lösen drohte. Nichts einfacher als das, dachte sie, und bat die Dame hinter dem Schalter, ihr doch mit einem Stückchen Tesafilm auszuhelfen. Die jedoch zeigte sich wenig willig, statt des Tesafilms gab es für die Kundin erst einmal erzürnte Belehrungen: Da könne ja jeder kommen, sie habe nichts zu verschenken, die Rolle Tesafilm sei ihr Eigentum und ganz sicher nicht für die Kunden gedacht, wetterte die Herrin des Postschalters. Dann allerdings verzichtete sie doch darauf, ihre Kundin wieder nach Hause zum eigenen Tesafilm zu schicken - wohl, um mit der Paketabgabe nicht ein zweites Mal belästigt zu werden - und rückte ein fingerlanges Stück des kostbaren Streifens heraus. Nicht ohne freilich gleichzeitig die Hand aufzuhalten, in welche die Baronin fünf Cent legen musste.

Auch wenn die kleine Episode wahrscheinlich nicht ins Lehrbuch für vorbildliche Kundenbetreuung Eingang findet, muss man doch die Geschäftstüchtigkeit der Post-Dame bestaunen. Träte so ein Fall öfter auf, könnte man schließlich bei einer handelsüblichen Tesarolle ordentlich Gewinn herausschlagen. Die kleinen Dinge können also im wahrsten Sinne des Wortes bisweilen ganz schön wertvoll sein.

© SZ vom 23.06.2017/koei
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB