Klinikchef Stefan Huber Zeit zum Durchatmen

Nach 27 Jahren ist die knapp 200 Millionen Euro teure Generalsanierung der Ebersberger Kreisklinik abgeschlossen. Laut dem Geschäftsführer gibt es aber schon wieder neue Pläne

Interview von Barbara Mooser

Am Donnerstagvormittag herrschte auf den Fluren des Bettenhauses noch Hektik: Betten wurden angeliefert, Vorhänge aufgehängt, Handwerker legten hier und da noch Hand an. An diesem Freitag muss schließlich alles tipptopp sein: In der Kreisklinik wird nicht nur das neu sanierte Bettenhaus eingeweiht, sondern auch der Abschluss der Generalsanierung gefeiert - nach 27 Jahren. Auch Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) gibt sich aus diesem Anlass die Ehre. Am Samstag kann dann jeder, der mag, sich beim Tag der offenen Tür von der Runderneuerung des seit 1878 bestehenden Krankenhauses überzeugen. Geschäftsführer Stefan Huber sprach mit der SZ über Herausforderungen und Perspektiven.

Seit Februar 2009 ist Stefan Huber, 44, Geschäftsführer der Kreisklinik Ebersberg. Zuvor war der Verwaltungsfachwirt und Diplombetriebswirt aus Vaterstetten Verwaltungsleiter einer Privatklinik am Starnberger See.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

SZ: Wie geht es Ihnen und Ihren Mitarbeitern denn nach dem Ende einer so langen Bauphase?

Stefan Huber: Ich bin ja jetzt zehn Jahre dabei, und natürlich ist es ein historischer Moment, eine so lange Sanierungsphase jetzt Gott sei Dank abschließen zu können. Der letzte Bauabschnitt, die Sanierung des Bettenbaus, war vom Volumen und den Kosten her auch der größte und mit der intensivste. Glücklicherweise konnten wir ihn ohne Behelligung der Patienten durchführen aufgrund unseres Pfarrer-Guggetzer-Hauses, das als Interims-Bettenhaus errichtet wurde. Das war ganz, ganz wertvoll für die Mitarbeiter und die Patienten. Die Mitarbeiter sind natürlich mega-glücklich, jetzt auch mal eine kurze Baupause zu haben und so einen Abschnitt abzuschließen.

Sie haben gerade erwähnt, wie schwierig es ist, im Bestand zu sanieren. Es gab in den vergangenen Jahren immer wieder kritische Stimmen, die gesagt haben, man hätte doch lieber gleich neu bauen sollen. Wie sehen Sie das rückblickend?

Wenn man vor 30 Jahren die Klinik auf der grünen Wiese neu gebaut hätte, hätte man heute einen 100-Prozent-Sanierungsfall. Denn die durchschnittliche Haltbarkeit einer Klinik beträgt 20, 25 Jahre, 30 sind schon das absolute Maximum - dann müsste man eigentlich schon wieder komplett sanieren. Im Grunde müsste man alle 30 Jahre eine Klinik komplett neu bauen, sie umziehen lassen - und dann 30 Jahre später das gleiche wieder. Allerdings zeigt sich auch immer wieder, dass in der medizinischen Entwicklung 30 Jahre im Prinzip nichts Bestand hat. Wer hätte vor 30 Jahren gedacht, dass wir heute zwei Linksherzkatheter oder eine Geriatrie in Ebersberg betreiben? Das Gesundheitswesen ist inzwischen so kurzweilig, dass man heute schon Schwierigkeiten hat, fünf Jahre vorauszuplanen. Deswegen ist es auch rückwirkend betrachtet richtig gewesen zu sanieren, auch wenn ein Neubau auf der grünen Wiese einfacher gewesen wäre. Denn dann hätten wir es nicht geschafft, uns stets den Anforderungen so anzupassen, wie es uns möglich war.

Vor der Sanierung gab es sogar noch Etagenbäder, jetzt sind die neuen Patientenzimmer modern und großzügig.

(Foto: Christian Endt)

Muss die Gynäkologie, mit der Sie 1992 angefangen haben, denn dann eigentlich nicht auch schon wieder saniert werden?

In der Tat, die wäre eigentlich schon wieder sanierungsbedürftig. Das heißt, es wird mit Sicherheit weitergehen mit der Sanierung. Wir haben jetzt allerdings die Möglichkeit, die kompletten Patientenbedürfnisse in den neuen Gebäuden zu befriedigen, und werden in den Altbaubereichen - die nach 25 Jahren nun eben wieder Altbau sind - insbesondere Mitarbeiterbereiche integrieren, wo kein Patientenkontakt stattfindet, Bereitschaftszimmer zum Beispiel, oder Aufenthaltsräume für Mitarbeiter etc. Durch den neunten Bauabschnitt sind wir jetzt tatsächlich in der Lage, einmal durchschnaufen zu können. Wobei ja schon bekannt ist, dass das nächste Projekt, die neue zentrale Notaufnahme, bereits in Planung ist.

Wie lange bleiben die Bauarbeiter denn dann überhaupt weg?

Realistisch betrachtet vermutlich zwei Jahre. Wobei auch positiv ist, dass der Neubau dort entstehen soll, wo sich das alte Krankenhausgebäude befindet. Also entfernt von den Patienten, gewissermaßen auf der grünen Wiese.

Wie viel hat die Sanierung gekostet? Es war einmal von 200 Millionen die Rede?

Ja, knapp. 200 Millionen sind es in etwa, wenn man die Finanzierungskosten mitrechnet. Die reinen Baukosten betrugen genau 167 832 032 Euro. Davon hat der Freistaat Bayern 103,2 Millionen Euro übernommen, der Landkreis gut 41 Millionen Euro und die Kreisklinik GmbH etwa 23 Millionen.

Jeder private Bauherr, der auf eine Baumaßnahme zurückblickt, hat in der Regel einige Katastrophenberichte im Repertoire - gab es so etwas bei Ihnen auch?

Wenn ich jetzt die letzten zehn Jahre zurückdenke - eine Katastrophe wäre mit Sicherheit die Planung gewesen, den Bettenbau im Bestand zu sanieren. Das hat mir wochenlang Kopfzerbrechen bereitet, denn so ein Vorgehen wäre eigentlich existenziell gewesen für die Klinik. Es gab Planungen mit Außenbalkonen und Außengerüsten, wo die Patienten und die Mitarbeiter sich hätten bewegen müssen, schon verkleidet und im Trockenen natürlich. Ich glaube aber nicht, dass wir es so hätten umsetzen können und dass die Klinik noch den Bestand hätte, den sie heute hat. Das Famose ist ja, dass wir jedes Jahr steigende Patientenzahlen haben. Es gab trotz der Baumaßnahmen keine Einbrüche. Auch 2019 erwarten wir zwischen fünf und sechs Prozent Steigerung am Jahresende. Aber zurück zu den Katastrophen: Ansonsten sind wir bei den Bauarbeiten glücklicherweise von größeren Unfällen und von gravierenden Bauzeitverzögerungen verschont geblieben. Ich kann mich allerdings an den siebten Bauabschnitt erinnern, der gerade lief, als ich vor zehn Jahren angefangen habe. Dort hatte man massive Probleme im Untergrund, da mussten zur Schaffung der Standfestigkeit der Gebäude unzählige Bohrpfähle gesetzt werden. Das war sicher etwas, das so nicht geplant und nicht vorhersehbar war.

Unter der Hand ist immer wieder massiv Kritik geäußert worden, weil man sich gleich am Anfang an einen Architekten gebunden hat, der die ganze Generalsanierung betreut hat.

Ja, das war so, das ist richtig. Man hat Ende der 80er einen Architektenwettbewerb für die Gesamtsanierung der Kreisklinik Ebersberg durchgeführt. Damals waren aber wesentlich weniger Bauabschnitte geplant, und man dachte eigentlich, in einer zehnjährigen Sanierungsphase wäre man durch. Allerdings war der Vertrag so gestaltet, dass der Architekt tatsächlich den Anspruch hatte, die Gesamtsanierung durchzuführen. Ich weiß nicht, warum aus den zehn Jahren schließlich 27 Jahre geworden sind, in denen der Architekt das Geschehen bautechnisch geleitet hat. Ungewöhnlich, würde ich mal sagen.

Neu ist die Geriatrie, die Wolfgang A. Lenhardt leiten wird.

(Foto: Christian Endt)

Andere sagen unglaublich.

Ja - ungewöhnlich bis unglaublich. Aber auch da tritt jetzt eine Zäsur ein, der Vertrag ist erfüllt, der Auftrag endet mit dem neunten Bauabschnitt und jetzt schauen wir alle zuversichtlich nach vorne.

Sie haben vorher bereits das Pfarrer-Guggetzer-Haus erwähnt - gibt es denn inzwischen eine Entscheidung, ob es stehen bleiben darf?

Nein, da ist noch nichts entschieden. Als wir es damals erbaut haben, haben wir es als Provisorium definiert. Natürlich ist es richtig, dass eine Klinik in dem Wachstum, dem wir unterliegen, immer wieder Bedarf hat. Also wenn Sie mich fragen: Brauchen Sie das Pfarrer-Guggetzer-Haus?, dann muss ich klar mit Ja antworten. Zum einen bräuchten wir es dringend für Isolationszimmer, das heißt, für infektiöse Patienten, die alleine liegen müssen. Zum anderen würden wir dort Bereitschaftszimmer für Mitarbeiter und Funktionsbereiche vorsehen, die im Bestand erheblich beengt untergebracht werden müssten. Deswegen wäre ich natürlich sehr froh, wenn wir es weiter nutzen dürften. Aber ich habe damals der Stadt Ebersberg versprochen, dass wir es entfernen, wenn sie das Gebäude nicht mehr haben will. Ich denke, das ist ein Thema, über das sich sicher der Landkreis und die Stadt Ebersberg unterhalten müssten. Ich höre allerdings immer wieder von vielen, dass eigentlich das Ensemble der Kreisklinik durch das Pfarrer-Guggetzer-Haus sogar gewonnen hat.

Was ist denn nun Ihr Lieblingsplatz in der komplett neu sanierten Klinik?

Ich habe zwei. Zum einen unser neuer Kiosk, wobei ich das Wort Kiosk vermeide, weil der Raum diesen Namen eigentlich nicht verdient hat. Wir nennen ihn Jakobsstüberl in ehrenvoller Erinnerung an Frau Ehrentraud Jakob. (Eine großzügige Unterstützerin der Klinik, die dem Kreis für diesen Zweck auch ihr ganzes Vermögen in Höhe von zehn Millionen Euro vermacht hat, Anm. d. Red) Das ist ein Mosaikstein, den wir Frau Jakob gewidmet haben, und dem noch viele folgen werden. Mein zweiter neuer Lieblingsplatz ist die Palliativstation ganz oben. Die Räumlichkeiten strahlen eine innere Ruhe aus sind mit dem Blick auf die Alpenkette eine wunderbar erholsame Augenweide. Da verweile ich wirklich gern.

Was wird am Samstag besonders toll?

Dass wir den Neubau jetzt in dieser Qualität zeigen können, inklusive der geriatrischen Station, die am 1. Juli in Betrieb gehen soll. Das ist neu in der Kreisklinik, dass wir jetzt eine spezielle Abteilung haben für ältere, internistisch und unfallchirurgisch erkrankte Patienten. Neben dem Neubau bieten wir natürlich ein vielseitiges und vielfältiges Programm und hoffen, dass die Besucher es annehmen.

Einblicke beim Tag der offenen Tür

Anlässlich der Fertigstellung des neunten Bauabschnitts öffnet die Kreisklinik Ebersberg am Samstag, 6. April, in der Zeit von 11 bis 15 Uhr ihre Türen für die Bevölkerung und lädt zum gemeinsamen Feiern ein. Bei diesem Tag der offenen Tür besteht die einmalige Möglichkeit, die neuen Räumlichkeiten zu besichtigen und darüber hinaus Bereiche der Klinik, die ansonsten ausschließlich dem klinischen Betrieb zugänglich sind, wie die Anästhesie und den OP, das Herzkatheterlabor, das Labor und die Geburtshilfe. Spannend werden auch die chirurgischen Demonstrationen. Im Programm für die ganze Familie sind unter dem Motto "Was ein Rettungswagen alles braucht" auch Rettungssanitäter des BRK dabei. Es gibt ein Vortragsprogramm im Speisesaal und die Klinik stellt die neue Akutgeriatrie und ihren Leiter, Wolfgang A. Lenhardt vor. Nicht zuletzt wird es Gelegenheit zu einem Kennenlern-Gespräch mit Helen Budiman, der neuen Chefärztin in der Gynäkologie und Geburtshilfe, geben.

Dafür, dass die Bewegung nicht zu kurz kommt, sorgen unter anderem Übungsleiter des Reha Sport Vereins Grafing, Physiotherapeuten der Klinik und Anita Gessulat, die Yoga-Schnupper-Einheiten für Schwangere, Mütter und ihre Partner anbietet. Wer beim Yoga mitmachen möchte, sollte sich an diesem Tag bequem kleiden. Der Eintritt ist frei und auch das Parken ist während der Veranstaltungszeit kostenlos. Weitere Informationen unter www.klinik-ebe.de. SZ