Fridays for Future Den Jugendlichen reicht's

Auch in München treffen sich die Jugendlichen inzwischen freitags zum Demonstrieren für den Klimaschutz.

(Foto: Florian Peljak)

Auch Schüler aus dem Landkreis Ebersberg demonstrieren am "Friday-For-Future" für den Klimaschutz - und fehlen im Unterricht. Der Markt Schwabener Schulleiter Peter Popp will deswegen keine Verweise erteilen. In Kirchseeon sieht man das anders.

Von Jonas Wengert, Ebersberg

"Zieht euch am Freitag unbedingt warm an", schreibt einer in die WhatsApp-Gruppe F4F München, "und nehmt was Warmes zu trinken mit." F4F steht für "Fridays for future" - unter diesem Leitspruch gehen derzeit Schüler und Studenten freitags auf die Straße. Sie demonstrieren für den Klimaschutz, ergo für die Zukunft, und das während der Schulzeit. An der Bewegung beteiligen sich auch immer mehr Jugendliche aus dem städtischen Umland. Schulen aus dem Landkreis Ebersberg gehen auf verschiedene Art und Weise mit der Situation um.

"Bei uns wurden Verweise erstellt", sagt Simone Voit, Schulleiterin am Gymnasium Kirchseeon. Das sei vielleicht eine "unkreative Maßnahme", allerdings habe man das bereits vor den Demonstrationen ganz klar kommuniziert. Auch Eltern können ihre Kinder hierfür nicht entschuldigen. Ungefähr zehn Schülerinnen und Schüler waren dem Unterricht vergangenen Freitag ferngeblieben.

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Das betreffe die Aufsichtspflicht der Schule, erklärt Voit und fügt an: "Die Jugendlichen haben ein absolut wichtiges Anliegen." Daher könne man die Demos grundsätzlich nur unterstützen - nur eben außerhalb der Unterrichtszeit. Voit möchte "vom Demonstrieren ins Handeln kommen". Man denke in Kirchseeon deshalb über einen Projekttag zum Thema Klimaschutz und Aktionen der SMV nach.

Vom Grafinger Gymnasium sei seines Wissens bisher niemand aktiv an den Protesten beteiligt gewesen, so Direktor Paul Schötz. Erkundigt hätten sich einige Schüler bei ihm aber diesbezüglich. "Ich kann den Ausfall von Pflichtunterrichtszeit von Amts wegen nicht erlauben", sagt Schötz. Dem Engagement gegenüber sei er aber sehr positiv gestimmt und verstehe die Haltung der Jugendlichen. "Es geht um unser aller Zukunft, aber eure ist länger", habe er seinen Schülern geantwortet.

Schötz meint, wie er sagt, dass der Ruf der jungen Leute auch in der Politik gehört werden sollte. "Ich würde mir einen Umweltbeauftragten von Staats wegen wünschen", so der Rektor, "inklusive einer festen Budgetstunde, also weder auf freiwilliger Basis noch abgezogen vom Wahlunterricht."

"Es geht um Aufmerksamkeit"

Ähnlich wie in Grafing fragten auch Schülerinnen der Dominik-Brunner-Realschule in Poing ihre Schulleitung bezüglich einer Teilnahme an "Fridays for future". Zwar begrüßt Rektor Matthias Wabner nach eigenen Angaben den Einsatz der Jugendlichen, allerdings sollten sich besonders die Schüler der zehnten Jahrgangsstufe besser auf ihre Abschlussprüfungen vorbereiten.

"Rein rechtlich gilt die Schulpflicht", stellt Wabner fest. Nur in begründeten Einzelfällen könne man davon befreit werden. Da bisher kein Schüler den Unterricht unentschuldigt geschwänzt hätte, stelle sich die Verweisfrage aktuell nicht. Wabner findet, dass bei all der Aufregung das eigentliche Thema Klimaschutz in den Hintergrund rückt. "Es geht ganz viel um Aufmerksamkeit. Nur deshalb wird zur Unterrichtszeit demonstriert", so der Rektor. Der Energieaufwand um nach München zu fahren, könne seiner Meinung nach auch anders investiert werden. Schüler könnten jederzeit ihre Lehrer ansprechen und gemeinsam Klimaschutzprojekte auf die Beine stellen.

"Klar geht es um Aufmerksamkeit", sagt Benjamin Hahn von der Energieagentur Ebersberg-München, die über Twitter den Schülerinnen und Schülern pädagogische Projekte zur Nachbereitung anbietet. Durch den Entzug der Aufsichtspflicht wollen die Jugendlichen politischen und gesellschaftlichen Druck erzeugen.

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Ideologisch und moralisch stehe die Agentur hinter den Demonstrationen, sehe jedoch auch die schulrechtlichen Probleme. Aufgabe der Institution ist es, die Energiewende in den Landkreisen Ebersberg und München voranzutreiben. Sie berät Bürger, Unternehmen und Kommunen in Sachen Klimaschutz und entwickelt Unterrichtsangebote zum Thema.

Hahn ist skeptisch, dass der Frust der Schüler allein durch lokale Maßnahmen abgebaut werden könne: "Die Jugendlichen haben die Diskussionen satt. Sie sehen, dass getroffene Absprachen und Abkommen letztendlich nicht eingehalten werden." Ein paar mehr Schulprojekte werden die Schüler nicht zufriedenstellen, betont Hahn, das müsse in dieser Deutlichkeit gesagt werden. "Die Arbeit vor Ort wird nur dann funktionieren, wenn sich auch auf politischer Ebene, und zwar landesweit, bundesweit und weltweit, etwas tut."

Zweifelsohne nimmt der Druck auf den Straßen zu. Versammelten sich vor zwei Wochen in München noch 750 Schülerin-nen und Schüler, waren es laut Polizei vergangenen Freitag bereits 3500. Die verschiedenen Demonstrationen in den jeweiligen Städten werden über die sozialen Netzwerke koordiniert und beworben.

In Markt Schwaben waren 50 Schüler bei der Klimaschutzdemo

Der Protestzug habe das Bild einer politisch vermeintlich desinteressierten Jugend revidiert, sagt Schulleiter Peter Popp vom Franz-Marc-Gymnasium in Markt Schwaben. Anstatt zum Unterricht gingen vergangene Woche etwa 50 seiner Schülerinnen und Schüler aus der zehnten bis zwölften Jahrgangsstufen zur Münchner "Fridays for future"-Demonstration.

Wie seine Kollegen bewertet auch Popp den Eifer für die Sache positiv, die Form sei jedoch nicht in Ordnung. "Der verpasste Unterricht wird symbolisch nachgearbeitet", so Popp, mit Stoff, der sich auf das Thema Umweltschutz bezieht. Da ihn auch Sechstklässler auf die Demonstrationen angesprochen hätten, schwebt Popp eine Zusammenarbeit von älteren und jüngeren Schülern vor. Verweise werde es in Markt Schwaben nicht geben.

"Das halte ich nicht für angemessen", sagt Popp, es handle sich um verantwortungsvolle Schüler. Der Rektor begrüßt, dass die Schulen keine Maßnahmen aus dem Kultusministerium diktiert bekommen hätten. "Wir kennen unsere Schüler", so Popp. Nur wenn der Unterrichtsausfall zum Regelfall würde, müsse man über andere Lösungen nachdenken.

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