Kirchseeon:Warten auf den Strom

Der Bau von zwei E-Ladesäulen in Kirchseeon verzögert sich

Von ANdreas Junkmann, Kirchseeon

Einer der Hauptkritikpunkte in Sachen Elektromobilität ist die derzeit noch recht lange Dauer des Ladevorgangs. Diese allerdings erscheint geradezu wie ein Wimpernschlag im Vergleich zu dem Zeitraum, den der Markt Kirchseeon benötigt, um die entsprechende Infrastruktur zu schaffen. Am Ort wäre so mancher E-Autofahrer froh, überhaupt eine Möglichkeit zu haben, sein Fahrzeug an die Stromversorgung anzustöpseln. Doch der Bau von zwei geplanten Ladesäulen im Gemeindegebiet wird sich weiter verzögern. Wie in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates bekannt wurde, sollen die elektrischen Tankstellen nun erst Mitte Januar nächsten Jahres fertiggestellt werden.

Eigentlich sollten diese bereits in wenigen Tagen in Betrieb gehen, doch daraus wird nichts, wie Melanie Fuchs sagte. "Wegen der schwierigen Standortsuche dauert es länger", so die Klimaschutzmanagerin. Ursprünglich war geplant, beide Zapfsäulen am Kirchseeoner Bahnhof zu bauen. Von diesem Vorhaben hat man im Rathaus inzwischen aber wieder Abstand genommen, denn man wolle die ohnehin angespannte Parksituation dort nicht durch Parkzeitbegrenzungen verstärken. Außerdem wolle man verhindern, dass die Ladepunkte von Dauerparkern in Beschlag genommen werden, heißt es von der Verwaltung.

Auf der Suche nach einem neuen Standort, fiel die Wahl auf die Parkbucht vor dem Autohaus Schlöffel in Eglharting, die zweite Säule soll weiterhin am Kirchseeoner Bahnhof entstehen. Diese Korrektur verzögert zwar den Bau der Ladepunkte, in der Gemeinde verspricht man sich aber auch Vorteile. "Durch die Entkopplung der beiden Säulen können diese einem größeren Bürgerkreis zugänglich gemacht werden", heißt dazu in einer Stellungnahme. Betrieben werden sollen die elektrischen Tankstellen vom kommunalen Energieversorger Eberwerk, der die erwirtschafteten Erlöse wieder an den Markt zurückerstattet.

Dass diese wohl nicht übermäßig hoch ausfallen werden, musste auch Bürgermeister Jan Paeplow (CSU) einräumen. Angesichts der Anschaffungskosten nach Abzug der Förderung von rund 25 000 Euro und jährlichen Betriebsaufwendungen von 1000 bis 2000 Euro pro Säule, sagte der Rathauschef: "Den Betrag werden wir nie wieder einnehmen." Allerdings müsse man eben auch Geld ausgeben, wenn man das Thema E-Mobilität vorantreiben wolle. "Irgendjemand muss ja mal anfangen", so Paeplow.

Der sich aber mit seinem Gemeinderatskollegen Rüdiger Za (Grüne Liste) einig war, dass der Aufbau einer Infrastruktur nicht in erster Linie Aufgabe der öffentlichen Hand sei, sondern vor allem im privaten Bereich und bei Gewerbetreibenden vorangebracht werden müsse. Der Kirchseeoner Bürgermeister rief deshalb alle Ladenbesitzer, die in der Gemeinde nach Flächen für E-Ladesäulen suchen, dazu auf, in Kontakt mit dem Rathaus zu treten. "Wir sind da offen für Gespräche", so Paeplow. Gleiches gelte für Bürger, die sich zu Hause eine entsprechend Infrastruktur anschaffen wollen. Hier stehe Klimaschutzmanagerin Melanie Fuchs für Fragen zur Verfügung. Dann dürfte der Prozess hoffentlich auch etwas schneller vonstatten gehen als nun im Fall der beiden öffentlichen Säulen.

© SZ vom 17.09.2021
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