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Kirchseeon:Viel Lärm um mehr Schutz

Kirchseeons Gemeinderäte fühlen sich von Bürgergruppe beleidigt

Von Christoph Hollender, Kirchseeon

Der Ton macht die Musik: Dieses Sprichwort haben die Kirchseeoner Gemeinderäte während ihrer Sitzung am Montagabend beherzigt. Die "Bürgergruppe für Sicherheit und Lärmschutz an der Bahn, Kirchseeon" hatte das Gremium aufgefordert, sich für den Lärmschutz an der Bahnstrecke einzusetzen und etwas zum Schutz der Menschen zu unternehmen. Der Sprecher der Gruppe, Ludwig Steininger, verfasste unter anderem ein Schreiben an den Gemeinderat, in dem er die Forderungen aufführt. Dabei unterstellte er den Gemeinderäten und der Verwaltung auch, dass diese nur zu deren persönlichen Zwecken und Wohlwollen entscheiden würden. Dafür erntete Steininger naturgemäß wenig Verständnis. Siegfried Seidinger (CSU) etwa sagte, dass dieser Stil inakzeptabel sei. Der CSU-Fraktionssprecher bezweifelte, dass die Bürger, die hinter Steininger stünden, wüssten, mit welchem Stil dieser auftrete. Rüdiger Za (Grüne) sagte, der Brief sei "unter der Gürtellinie". Bürgermeister Udo Ockel (CSU) betonte, dass der Brief Steiningers "hart an der Grenze der Verleumdung" sei. Wer überhaupt hinter der Gruppe stecke, sei äußerst fraglich. Heinz Leusmann aus Kirchseeon ist einer, der sich in der Gruppe engagiert. Dass deren Sprecher Steininger die Gemeinderäte in dem Schreiben beleidige und ihnen Opportunismus unterstelle, sei nicht in seinem Sinne. Steininger maße sich etwas an, das Leusmann nicht unterstütze. Dennoch habe Steininger in vielen Bereichen recht. "Er spricht fachlich aus Sicht der Bürger, die eine Verbesserung des Lärmschutzes wollen", sagte Leusmann.

Unabhängig von der Debatte über den Ton Steiningers behandelte der Gemeinderat das Thema kurz und sachlich. Vonseiten der Verwaltung gebe es keine Möglichkeit, auf den Lärmschutz einzuwirken, sagte Ockel. Auch die Gemeinderäte sahen keine Option, den Lärmschutz weiter auszubauen; diese Pflicht liege bei der Bahn. Ein Kosten-Nutzen-Wert, der für Kirchseeon ermittelt worden sei, lasse den Ausbau nicht zu.

© SZ vom 12.10.2016

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