bedeckt München 28°

Kirchseeon:Überraschend teuer

Das geplante Kirchseeoner Kinderhaus kostet mit 6,3 Millionen Euro gut zwei Millionen mehr als vorgesehen. Der Gemeinderat hat die Architekten nun aufgefordert, Sparvorschläge zu präsentieren

Von Christoph Hollender, Kirchseeon

Die alte Weisheit, dass Kinder ein teures Vergnügen sind, hat sich nun im Kirchseeoner Gemeinderat bewahrheitet. Nach einer ersten Schätzung der Planer wird das neue Kinderhaus rund 6,3 Millionen Euro kosten - gut zwei Millionen mehr, als ursprünglich für das Projekt vorgesehen waren. In einem früheren Beschluss des Marktgemeinderates zum Kinderhaus an der Münchner Straße 38 ist noch von lediglich 4,5 Millionen Euro die Rede. Wie teuer das Vorhaben am Ende ausfallen wird, steht zwar noch nicht fest. Aber alle Fraktionen waren sich einig, dass die nun von Architekt Axel Frühauf im Gremium vorgestellte Summe von 6,3 Millionen Euro deutlich reduziert werden muss, wenn man das Kinderhaus verwirklichen will.

Bürgermeister Udo Ockel (CSU) sagte bei der Sitzung am Montag, dass bei der früheren Planung, die sich auf eben rund 4,5 Millionen Euro beziffert hätte, vieles nicht berücksichtigt worden wäre, zum Beispiel der ausgiebige Lärmschutz. Das Kinderhaus bauen soll das Büro Meck Architekten aus München - dafür entschied sich ein Preisgericht der Gemeinde im Dezember. Damals seien zwei Summen genannt worden, sagte Ockel. Diese hätten bereits vermuten lassen, dass das Projekt teurer werde. Mit 6,3 Millionen habe aber keiner gerechnet. "Das ist wahnsinnig viel Geld", mahnte der Bürgermeister. Die Vorplanung und die Preisschätzung präsentierte Axel Frühauf, der Geschäftsführer des Büros Meck Architekten im Gemeinderat. Dieser betonte, dass die Zahl nur eine erste Schätzung sei und keine genaue Kostenberechnung, und sich damit noch verändern könne; sowohl nach unten, als auch nach oben. In welche Richtung man gehen möchte, sei jetzt vom Marktgemeinderat festzusetzen. Barbara Burgmayr-Weigt (CSU) sagte, 6,3 Millionen sei eine hohe Summe und fragte, ob die Kosten tatsächlich noch weiter in die Höhe steigen könnten?

Frühauf betonte, dass es noch einige Veränderungen geben könne, man aber einen gewissen Rahmen brauche, an dem es sich zu orientieren gelte. Prinzipiell könnte der Preis auch noch weiter nach oben gehen, gestand er ein. Im Gremium sorgte die Aussage, dass es noch teurer werden könnte, für Raunen. Natürlich solle das Gebäude billiger werden; alles andere sei aus Sicht des Gremiums keine Alternative. "Wir hoffen, dass wir noch etwas einsparen können", sagte Frühauf zögerlich. Das könne aber nur passieren, wenn frühzeitig entschieden wird. Mit den jetzigen Anforderungen des Kinderhauses komme eben ein solcher Preis heraus. Der Fraktionsvorsitzende der CSU, Siegfried Seidinger, ist überzeugt, dass man mit 6,3 Millionen Euro - oder mehr - an die Grenze der Leistungsfähigkeit der Gemeinde stoße.

Wo letztendlich eingespart werden kann, konnte Frühauf dem Gremium nicht sagen. Er betonte, dass dies erst in weiteren detaillierten Planungsschritten möglich sei. Dann könne berechnet werden, was beispielsweise die geplante Holzbauweise des Gebäudes kostet und wie viel günstiger ein Betonbau sei. Das gesamte Gebäude zu verkleinern, um Geld zu sparen, ist für den Marktgemeinderat keine Option, da sonst der Sinn des gesamten Vorhabens verloren gehe, wie Bürgermeister Ockel sagte.

Die aktuelle Planung sieht ein Kinderhaus für drei Kindergarten- und drei Krippengruppen vor. Das Gebäude ist auf dem Grundstück zwischen Münchner Straße und Gartenweg geplant. Ein großes Foyer mit Treppe soll das zentrale Element des Gebäudes werden und den Bereich der Krippe und des Kindergartens verbinden. Ein großer Vorteil sei, sagte Architekt Frühauf, dass das Foyer von drei Seiten begehbar wäre; der Hauptzugang sei aber über die Münchner Straße vorgesehen. Insbesondere die Höhenunterschiede des Grundstücks stellte die Planer vor große Probleme. Es galt die Hanglage und den ungewöhnlichen Schnitt des Grundstücks im Gebäude und den Außenanlagen zu verarbeiten. In das Areal ragen teilweise Häuser und bebaute Flächen hinein, um die herumgeplant werden mussten. Krippe und Kindergarten sollen über zwei Geschosse organisiert sein und der Dachraum soll mit Spielgalerien genutzt werden. Nach derzeitiger Planung soll Holz als tragender Baustoff eingesetzt werden, der jedoch, betont Frühauf, das Gebäude komplexer macht, da der Lärm- und Brandschutz schwieriger umzusetzen sei. Dies wiederum sei auch einer der Gründe für die hohen Kosten. Im Außenbereich sollen zwei gesonderte Spielhöfe entstehen, die sich der Hanglage anpassen. Der Kindergarten erhält einen zusätzlichen Freispielbereich.

Am Ende der Debatte im Marktgemeinderat stand fest: Das Kinderhaus müsse für weniger als 6,3 Millionen Euro verwirklicht werden - oder, und das sei aus Sicht des Rathauschefs der schlimmste Fall, es könne nicht gebaut werden. Das wolle aber keiner, sagte Ockel. Deshalb müsse jetzt das Planungsbüro günstigere Alternativen aufzeigen und im Gemeinderat vorlegen. Für die weitere Vorplanung, und der Suche nach günstigeren Alternativen, stimmte das Gremium mit einer Gegenstimme von Rüdiger Za (Grüne Liste). Das ganze Projekt jetzt zu stoppen sei eigentlich nicht das Interesse des Gremiums, sagte Thomas Kroll (SPD). Ein Kinderhaus sei schließlich beschlossen worden - jetzt soll es auch gebaut werden; irgendwie.

© SZ vom 23.09.2015

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite