AbschiedsporträtKirchseeon: Udo Ockel blickt auf 18 Jahre als Bürgermeister zurück

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Bürgermeister Udo Ockel wird sich nicht mehr zur Wahl stellen. In seiner Amtszeit hat er viele schöne aber auch weniger schöne Dinge erlebt.

Von Andreas Junkmann, Kirchseeon

Wer in diesen Tagen das Rathaus der Marktgemeinde besucht, wähnt sich im ersten Moment nicht in einer Amtsstube, sondern eher auf einer Baustelle. Dort, wo eigentlich der Eingang zum Sitzungssaal ist, hängt eine große Plastikplane, es wird gehämmert und gesägt - fast möchte man meinen, die Arbeiter haben es besonders eilig. Und vielleicht stimmt das sogar, denn wenn das Herzstück der Rathausverwaltung wie geplant fertig wird, würde sich ein Mann vor allem darüber freuen: Bürgermeister Udo Ockel, der dann seine allerletzte Sitzung als Kirchseeoner Gemeindeoberhaupt noch in dem frisch sanierten Saal abhalten könnte.

Dann, im April, wird Ockel endgültig von der lokalpolitischen Bühne abtreten - nach 18 Jahren im Amt und damit länger als je ein anderer Bürgermeister in der Marktgemeinde vor ihm. Dass er eine solche Ära prägen würde, hatte sich der heute 60-Jährige bei Amtsantritt selbst nicht träumen lassen, wenngleich er sagt: "Gehofft hab' ich es natürlich schon." Dabei verlief Ockels Start in die Kommunalpolitik nicht so wirklich glatt. Nachdem er einige Jahre in der Gemeindeaufsicht am Landratsamt gearbeitet hatte, gab es erste Überlegungen, ob er nicht in seiner Heimatgemeinde Aßling als Bürgermeister kandidieren soll. Das nötige Vorwissen brachte Ockel durch seinen bisherigen Job zwar mit, nachdem sich die CSU damals aber auf einen anderen Kandidaten festlegte, war für ihn das Thema vorerst abgehakt.

Im zweiten Versuch klappt es mit der Wahl zum Bürgermeister

Zumindest so lange, bis einige Zeit später die Christsozialen in Glonn auf der Suche nach einem Kandidaten waren. Dort fiel dann tatsächlich die Wahl auf Ockel, der dann aber beim Urnengang Martin Esterl von der SPD unterlag. Entsprechend winkte er zunächst ab, als sechs Jahre später auch die Kirchseeoner CSU an ihn herantrat. "Damals hab' ich wirklich lange überlegt. Ich wollte ja nicht, dass mich die Leute für einen karrieregeilen Landratsamtsmitarbeiter halten, der es jetzt schon zum zweiten Mal probiert", sagt Ockel heute. Schlussendlich hat er sich aber doch überzeugen lassen, und die Wahl auch gewonnen.

Damals sei es ein Riesenthema gewesen, dass "ein Auswärtiger" nun Bürgermeister von Kirchseeon ist, sagt Ockel, der in Aßling aufgewachsen ist und immer noch dort wohnt. Heute, 18 Jahre später, könne er es aber nicht mehr nachvollziehen, wenn jemand sagt, er sei ja nicht von hier. Das ärgere ihn richtig, so der scheidende Bürgermeister, "und das ist auch einer der Gründe, warum ich sage, ich mag nicht mehr".

Dass er sich mit solchen Aussagen konfrontiert sieht, liegt daran, dass sich der 60-Jährige in den knapp zwei Jahrzehnten auf dem Chefsessel nicht nur Freunde gemacht hat. "Der ein oder andere kommt einem schon mal blöd", sagt Ockel rückblickend. Das seien aber Einzelfälle gewesen, richtigen Anfeindungen sei er in seiner Amtszeit nie ausgesetzt gewesen. Ohnehin spricht der Bürgermeister aber lieber über die positiven Seiten seiner insgesamt drei Legislaturperioden - und davon gibt es schließlich einige.

Für Ockel selbst ist der Bau des Gymnasiums der größte Meilenstein in seiner Schaffenszeit. "Das wird den Ort auf Dauer am meisten prägen", so der Bürgermeister, der sich an den dafür nötigen Kraftakt erinnert: "Wir sind da ja gegen Zorneding als absoluter Underdog ins Rennen gegangen." Umso mehr freut es ihn, dass es gelungen ist, die Schule schlussendlich in die Marktgemeinde zu holen. Aber auch sonst blickt Ockel recht zufrieden auf die vergangenen Jahre zurück. So habe Kirchseeon unter seiner Regie viele Grundstücke angekauft und durch die Wertsteigerungen gleichzeitig Schulden getilgt. "Am Anfang mussten wir richtig knausern, das hat sich inzwischen deutlich entspannt." Aber selbst mit einem kleinen Budget habe man viele Dinge bewegen können, so Ockel.

Der Kontakt mit den Bürgern war Ockel immer sehr wichtig

Neben politischen Weichenstellungen für den Ort, hat der 60-Jährige aber auch den vertrauten Kontakt mit den Bewohnern sehr geschätzt. "Ich will nicht nur der Herr Bürgermeister sein. Mir ist wichtig, dass die Leute wissen, wie ich heiße", sagt Ockel. Über die Jahre hätten sich dadurch viele gute Freundschaften entwickelt. Ein sehr enges Verhältnis pflegt der scheidende Gemeindechef auch zu seinen Mitarbeitern im Rathaus, denn Ockel ist der Überzeugung: "Ein Bürgermeister ohne gute Mannschaft ist eine leere Hose." Quasi als Abschiedsgeschenk hat er deshalb noch die Sanierung des Rathauses auf den Weg gebracht, schließlich sollen sich die Mitarbeiter bei ihrer Arbeit wohlfühlen.

Wohlfühlen wird sich auch Ockel selbst, wenn er von Mai an in den Ruhestand geht. Dass ihm die Umstellung nach jahrelanger Berufstätigkeit gelingen wird, davon ist er überzeugt: "Ich kann den Schalter gut umlegen." Pläne jedenfalls hat der scheidende Bürgermeister schon einige. So will er seine sportlichen Aktivitäten wieder intensivieren - unter anderem ist eine E-Bike-Tour nach Sizilien geplant -, die einjährige Enkeltochter will versorgt werden, und auch an Haus und Garten gibt es viel zu tun. "Obwohl man von einem Beamten ja immer behauptet, dass er zwei linke Hände hat, bin ich ein ganz geschickter Handwerker."

Daheim verstecken will sich Ockel aber nicht. So wird er sich auch in Kirchseeon weiterhin blicken lassen, bei öffentlichen Veranstaltungen oder möglicherweise auch in ehrenamtlicher Tätigkeit. Er könne sich etwa vorstellen, in der Marktgemeinde einen Verein zur Städtepartnerschaft mit dem irischen Carrigaline ins Leben zu rufen, so der Noch-Bürgermeister.

Der scheidende Bürgermeister erwartet eine spannende Wahl

Das politische Geschehen in Kirchseeon wird Ockel künftig aber nur noch als Zuschauer verfolgen. Für seine Nachfolge gehen in Jan Paeplow (CSU), Klaus Seidinger (UWG), Andrea Oberhauser-Hainer (Grüne) und Domenico Ciccia (SPD) vier recht unterschiedliche Kandidaten ins Rennen. "Hoher Respekt vor jedem, der sich aufstellen lässt", sagt Ockel, der froh ist, dass die Kirchseeoner Bürger am 15. März eine echte Wahl haben. Diese, so seine Vermutung, werde wahrscheinlich recht eng ausfallen und wohl erst in einer Stichwahl entschieden werden.

Wer auch immer neuer Chef am Ort wird, er oder sie muss in große Fußstapfen treten. "Ob es dann schlechter oder besser wird, kann ich nicht sagen. In jedem Fall wird es anders werden", sagt Ockel. Immerhin sollte dem neuen Bürgermeister der Einstieg nicht allzu schwer fallen, schließlich steht die Marktgemeinde kommunalpolitisch auf soliden Beinen. "Die laufenden großen Themen, die mir besonders wichtig waren, habe ich alle abgeräumt", zieht Ockel Bilanz. Und auch die einzig verbliebene Baustelle, nämlich jene im Rathausfoyer, wird bis zum Amtswechsel hoffentlich verschwunden sein.

© SZ vom 22.02.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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Während Klaus Seidinger und Andrea Oberhauser-Hainer bereits über viel Erfahrung verfügen, sind Jan Paeplow und Domenico Ciccia noch neu in der Kommunalpolitik.

Von Andreas Junkmann

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