Brenner-Basistunnel:Noch viele Fragezeichen

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Brenner-Basistunnel: Ewald Schurer ist ein Gegner Kohnens.

Ewald Schurer ist ein Gegner Kohnens.

(Foto: Christian Endt)

SPD-Bundestagsabgeordneter Ewald Schurer informiert über Bahnzulauf zum Brenner

Von Barbara Mooser, Kirchseeon

Tischerücken, das hat Günther Kerscher regelmäßig in seinem Wohnzimmer. Allerdings nicht etwa deshalb, weil er spiritistisch veranlagt wäre. Sondern schlicht und ergreifend deshalb, weil sein Haus in Kirchseeon nur 20 Meter von der Bahn entfernt steht und regelmäßig Güterzüge vorbeirattern, die das Mobiliar wackeln und die Gläser im Schrank klirren lassen. Auch andere Betroffene klagten bei einem Informationsabend des Ebersberger SPD-Bundestagsabgeordneten Ewald Schurer am Mittwochabend im Brückenwirt über heftige Belastungen durch die Bahn. Die Sorge ist daher groß, dass sich die Situation noch massiv verschlimmert, wenn voraussichtlich im Jahr 2026 der Brenner-Basistunnel eröffnet wird.

Der Tunnel ist kein Hirngespinst. Das dringt aber nur sehr langsam durch, sagt der Bundestagsabgeordnete

Denn derzeit ist noch die große Frage, wie der sicher massiv zunehmende Verkehr zum und vom Brenner auf deutscher Seite dann abgewickelt wird - die Planungen sind sehr spät in Gang gekommen. "Kommt er wirklich?", das hätten die Verantwortlichen sich wohl ständig in Bezug auf den Tunnel gefragt, sagte Schurer - dass es sich bei dem Projekt um kein Hirngespinst handelt, sei nur sehr langsam durchgedrungen. Nun hat die Planung der Zulaufstrecke zwar begonnen, aber im Fokus ist zunächst der Teil der Strecke zwischen der Landesgrenze und Rosenheim. Hierfür soll es laut Schurer Mitte 2018 einen Trassenvorschlag für zwei weitere Gleise geben, der auch schon Planungsreife haben soll.

Wie es nördlich von Rosenheim weiter gehen soll, ist hingegen noch relativ unklar. Nach Einschätzung Schurers, die er nach eigenen Angaben auch aus vielen Hintergrundgesprächen mit Bahn-Vertretern gewonnen hat, wird es technisch unmöglich sein, den zusätzlichen Brenner-Verkehr über die bestehende Bahnlinie zwischen Rosenheim und München - also auch durch den Landkreis - abzuwickeln. Bereits jetzt fahren laut Schurer auf der Strecke täglich bis zu 350 Züge am Tag, die S-Bahnen eingerechnet.

"Man muss das Volumen auf der Strecke auf sinnvolle Weise begrenzen", sagte Schurer. Er geht davon aus, dass der Verkehr in Rosenheim geteilt wird: Nur der Teil der Güterzüge, deren Fracht für München und den Süden bestimmt ist, sollen demnach auch tatsächlich die Münchner Frachtbahnhöfe ansteuern. Der Rest würde auf einem sogenannten Ostkorridor über Mühldorf, Landshut, Regensburg und Thüringen bis zu den deutschen Seehäfen abgeleitet. Es wäre ohnehin unsinnig, so Schurer, den ganzen Verkehr über München abzuwickeln, wo die Infrastruktur ohnehin jetzt schon völlig überlastet sei.

Die Bürger sind beunruhigt, weil der Güterverkehr deutlich steigen wird

Deutlich wurde freilich, dass viele der fast 70 Besucher der Veranstaltung dennoch beunruhigt sind. Grund sind Festlegungen im gerade veröffentlichten Entwurf des neuen Bundesverkehrswegeplans: Der sieht nämlich eine massive Blockverdichtung auf der bestehenden Bahnstrecke durch den Landkreis vor - also noch deutlich mehr Güterzüge. Auch ein weiteres Gleispaar zwischen Grafing-Bahnhof und Rosenheim ist in dem Werk vorgesehen. Der Abgeordnete sagte, dies sei derzeit noch nicht viel mehr als eine "Denkfigur", es werde dadurch nur eine "mögliche Absicht" bekundet, diese Strecke zu bauen, ohne dass es dafür auch nur annähernd konkrete Pläne gebe.

Doch selbst wenn es nicht allzu viel zusätzliche Belastung durch den Tunnel gäbe - beim Lärmschutz muss, wie viele Besucher forderten, dennoch bald etwas passieren. Zwar gibt es nun ein neues Schallgutachten mit Plänen für mehr Lärmschutz entlang der Strecke. Doch nicht nur der Maßnahmenkatalog ist nach Einschätzung von Lokalpolitikern zu dürftig ausgefallen, auch das zuständige Planungsbüro verärgert die Gemeindechefs: Termine am Abend würden ebenso verweigert wie eine Vorstellung des Konzepts im Gemeinderat, berichtete etwa Bianka Poschenrieder, Zweite Bürgermeisterin in Zorneding. Auch in Aßling hat man bereits ähnliche Erfahrungen gemacht.

"So war das nicht ausgemacht", sagte Schurer erkennbar verärgert dazu. Bei einem gemeinsamen Termin mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hätten die Planer ganz eindeutig versprochen, zu öffentlichen Informationsveranstaltungen in alle Gemeinden zu kommen.

Diesen Aspekt will er in Berlin ebenso ansprechen wie viele andere Fragen und Verbesserungsvorschläge der Veranstaltungsteilnehmer, die Schurer auch noch in Bürgersprechstunden in kleinerem Rahmen sammeln will.

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