Natur und UmweltOhne Moos nichts los

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Das Moor im Süden der Verbindungsstraße zwischen Kirchseeon und Osterseeon soll renaturiert werden.
Das Moor im Süden der Verbindungsstraße zwischen Kirchseeon und Osterseeon soll renaturiert werden. Christian Endt

Das Feuchtgebiet im Südosten von Kirchseeon soll renaturiert werden. Zusammen mit den Bayerischen Staatsgütern will die Gemeinde dadurch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Doch auch die vom Hochwasser geplagten Anwohner in Osterseeon könnten profitieren.

Von Andreas Junkmann, Kirchseeon

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Windräder, Photovoltaikanlagen oder Biomasse-Heizkraftwerke - für den Schutz des Klimas gibt es inzwischen allerhand technische Hilfsmittel. Doch auch die Natur selbst hat Vorkehrungen getroffen, wie sie sich gegen die menschlichen Einflüsse wehren kann. Im Südosten der Marktgemeinde Kirchseeon etwa liegt eine dieser auf den ersten Blick recht unscheinbaren Schutzeinrichtungen: das Kirchseeoner Moos. Dieses Feuchtgebiet im Ortsteil Osterseeon will die Gemeinde nun in Zusammenarbeit mit den Bayerischen Staatsgütern renaturieren. Einerseits soll dadurch ein Beitrag zu mehr Klimaschutz erreicht werden, andererseits soll die Maßnahme auch bei künftigen Hochwassern in dem Gebiet helfen.

Eine "Win-Win-Situation" nannte das Projekt deshalb Kirchseeons Bürgermeister Jan Paeplow (CSU) in der Sitzung des Gemeinderates am Montagabend. In dieser stellte Ewald Sticksel, Leiter des Staatsguts in Freising, das auch die Versuchsstation in Osterseeon betreibt, die Rolle von Mooren für den Klimaschutz vor. "Sie können einen großen Beitrag zur CO2-Einsparung leisten", so der Experte. Moore spielen demnach eine besondere Rolle im Kohlenstoffkreislauf und für den Klimaschutz: Zwischen 26 und 44 Prozent des weltweit in Böden gespeicherten organischen Kohlenstoff sind in Mooren gebunden, obwohl nur drei bis vier Prozent der weltweiten Landflächen von Mooren bedeckt sind.

Die kühlende Verdunstung ist wichtig für das regionale Klima

Eines dieser Feuchtgebiete liegt am Ortsrand von Kirchseeon. Die mehrere Hektar große Fläche soll nun in einen möglichst ursprünglichen Zustand versetzt werden. "Naturnahe, nicht entwässerte Moore sind Lebensraum für eine spezifische Tier- und Pflanzenwelt", heißt es dazu in einer Stellungnahme der Gemeinde. Außerdem haben sie der Verwaltung zufolge eine regulierende Wirkung im Wasser- und Nährstoffhaushalt und eine kühlende Verdunstungswirkung, die für das lokale und regionale Klima wichtig ist.

Doch damit nicht genug: Die Böden saugen zudem Schadstoffe in sich auf, die in verschiedenen biochemischen Prozessen ab- oder umgebaut werden. Das aber funktioniert nur dann, wenn das Moor ausreichend Feuchtigkeit besitzt. Deshalb müsse bei Renaturierungsmaßnahmen auf Moorböden eine Wiederherstellung der natürlichen Grundwasserverhältnisse von Beginn an als wesentliches Ziel mitgedacht werden, wie es von der Rathausverwaltung heißt. Klappt die Wiedervernässung der Fläche, ließen sich auf diese Weise zwischen zehn und 35 Tonnen Kohlendioxid pro Hektar und Jahr vermeiden.

Das Feuchtgebiet im Kirchseeoner Osten hat allerdings nicht nur seine guten Seiten. Fällt viel Regen, kommt es regelmäßig zu Überschwemmungen im dortigen Ortsteil Osterseeon. Die Gemeinde hat bereits einige Maßnahmen angestoßen, um die Situation für die Anwohner zu verbessern, eine nachhaltige Lösung gibt es bislang jedoch nicht. Doch auch hier könnte die Renaturierung des Moores einen Beitrag leisten. Diese könne im günstigsten Fall zu einer neuen Möglichkeit führen, auftretendes Wasser - etwa bei Starkregenereignissen - zurückzuhalten, wie die Gemeinde in einer Stellungnahme schreibt. So könnten größere Wassermengen noch vor dem Gemeindegebiet Moos "gesammelt" werden.

Ob sich diese Idee auch technisch umsetzen lässt, ist aber noch unklar. Das soll nun eine Machbarkeitsstudie herausfinden, die die Gemeinde zusammen mit den Bayerischen Staatsgütern in Auftrag gibt. Die Kosten dafür werden von den beiden Partnern zu gleichen Teilen getragen. "Es wäre eine schöne Sache", sagte dazu Bürgermeister Paeplow, der sich durch die Renaturierung eine Symbiose aus Hochwasserschutz und CO2-Einsparung verspricht. Davon würden dann nicht nur die leidgeplagten Bewohner des Kirchseeoner Moos profitieren, sondern der gesamte Landkreis Ebersberg.

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