Kirchseeoner Moos:Biber, Rohre, Torf und Kohle

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Das Feuchtgebiet Kirchseeoner Moos soll natürlicher werden. (Foto: Christian Endt)

Im Kirchseeoner Gemeinderat gibt es erste Ergebnisse der Machbarkeitsstudien zu Hochwasserschutz und Renaturierung im Moos. Klar ist jetzt schon: Es wird teuer.

Von Wieland Bögel, Kirchseeon

Bei der geplanten Renaturierung im Kirchseeoner Moos bekommt die Marktgemeinde Hilfe von Ehrenamtlichen - wenn auch eher kleinen. Eine "relativ stabile Biberpopulation" lebe in dem Gebiet, so eine Stellungnahme des Büros "Revital", das Maßnahmen untersucht, wie das Moos naturnaher werden kann. Eine davon ist das Aufstauen von Wasser - was an einigen Stellen eben bereits die Biber übernehmen. An anderer Stelle soll es dagegen weniger Staunässe geben, vorgestellt wurden nun im Gemeinderat deshalb auch Maßnahmen zum Hochwasserschutz für die anliegende Wohnbebauung.

Die Wichtigste, das machte Florian Brodrecht vom auf Hochwasserschutz spezialisierten Planungsbüro Spekter klar, sei Information. Daher soll eine der ersten Maßnahmen auch sein, einen Gefahren-Atlas für die Gemeinde Kirchseeon zu veröffentlichen, der die Hochwasser- und Sturzflut-Risikogebiete ausweist. Diese liegen unter anderem im Westen des Gemeindegebietes und auch südlich der B304, aber vor allem im Nordosten und Osten, besonders natürlich im Ortsteil Moos. Die Gefahrenkarten sollen nun genau zeigen, auf welchen Grundstücken besonders oft mit Überschwemmungen zu rechnen ist, beziehungsweise wo das Wasser bei bestimmten Niederschlagsereignissen wie hoch stehen könnte.

Wenn klar ist, wo Hochwassergefahr herrscht, können die Anwohner vorsorgen

Dies ist deshalb so wichtig, weil Eigentümer laut Gesetz dazu verpflichtet sind, ihre Häuser und Grundstücke entsprechend gegen Hochwasserrisiken zu sichern. Für diese Vorsorge ist es aber natürlich nötig, dass diese Risiken bekannt sind. Als bauliche Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser kommen laut Brodrecht etwa höhere Mauern um Licht- oder Lüftungsschächte, Wassersperren an Kellertreppen und Rückstau-Ventile in Abwasserrohren in Betracht.

Aber auch die Gemeinde könne Maßnahmen gegen Überschwemmungen ergreifen, dazu gebe es drei Möglichkeiten: Das Wasser umleiten, etwa durch einen Kanal, es schneller durchzuleiten oder es zurückzuhalten, dass es langsamer einfließt. Letzteres sei auch im Fall von Kirchseeon-Moos möglich, es könnten Sperren an den Zuläufen errichtet werden - allerdings mit der Folge, dass dann bei Starkregen eben, wenn auch unbewohnte, Gebiete unter Wasser stehen.

Zudem könne es bei zu viel Niederschlag auch ohne Zufluss von außen zur Überschwemmung in Moos kommen, denn der dortige Abfluss ist unzureichend. Das Drainage-Rohr hatte laut Entwässerungs-Fachmann Benedikt Moser früher eine Kapazität von 2400 Liter pro Sekunde, seit einer Sanierung der gut 90 Jahre alten Entwässerungsanlage sind es aber nur noch 800 Liter.

Überschwemmungsgefahr in Kirchseeon
:"Ich will nicht, dass die absaufen"

Unter den Grundstücken von Oliver Gampe und Günther Nutschel soll der Hochwasser-Abfluss für die Nachbarn ausgebaut werden. Ihr Dilemma: Damit riskieren sie, dass ihre eigenenHäuser abrutschen.

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Fünf Möglichkeiten gebe es, so Moser weiter, die Entwässerung zu ertüchtigen. So könnte man eine sogenannte Schneckenpumpe - die bekannte Schraube des Archimedes - einsetzen. Diese kommt zwar ohne Motor aus, die gesamte Anlage müsste aber rund 18 Meter hoch werden. Deutlich kompakter, aber in Bau und Unterhalt auch deutlich teurer, wäre ein klassisches Pumpwerk, das entweder an die bestehende Leitung angeschlossen werden könnte oder es würde eine zusätzliche gebaut. Eine zweite Leitung ohne Pumpe sei ebenfalls eine Möglichkeit, für beide gelte aber, dass dem schwierige Verhandlungen mit Grundstückseignern voran gehen müssten.

Der Fachmann empfahl daher Möglichkeit fünf: Einen Entwässerungsgraben im Westen und Süden des Überschwemmungsgebietes. Die Kosten dafür schätzt er auf rund 950 000 Euro - allerdings könnte man voraussichtlich mit Fördergeld in Höhe von 200 000 Euro rechnen, wenn man den Graben ökologisch aufwerte. Dies sei insgesamt auf jeden Fall günstiger als die Pumpwerke, so Moser auf Nachfrage von CSU-Gemeinderat Peter Kohl, die genauen Summen sollen im Abschlussbericht stehen. Bis dahin solle auch eruiert werden, ob es noch weitere Fördermittel gibt, so Bürgermeister Jan Paeplow (CSU).

Mehrere Spundwände sollen im Feuchtgebiet das Wasser zurückhalten

Neben der Dreiviertelmillion für den Hochwasserschutz könnten noch rund 80 000 Euro für Renaturierungsmaßnahmen im Feuchtgebiet Moos hinzukommen. Auf diese Summe schätzt das Planungsbüro die Kosten für fünf Spundwände. Diese sollen etwa am Seeoner Bach den Abfluss des Wassers aus dem Moor verlangsamen. Ziel ist es, einen möglichst konstanten Pegel zu halten, so dass der Torfboden nicht austrocknet.

Ob man wirklich alle Spundwände brauche, wenn schon der Biber das Wasser aufstaue, wollte Susanne Höpler (Grüne) wissen - und ob man die Tiere durch die Maßnahmen eventuell störe. Die Wände sollen laut den Planern bachabwärts der Biberbaue aufgestellt werden, so würden diese nicht beeinträchtigt. Man solle dennoch alle Wände aufstellen, dass es an der Stelle immer einen Biberdamm gebe, sei nicht garantiert.

Natur und Umwelt
:Ohne Moos nichts los

Das Feuchtgebiet im Südosten von Kirchseeon soll renaturiert werden. Zusammen mit den Bayerischen Staatsgütern will die Gemeinde dadurch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Doch auch die vom Hochwasser geplagten Anwohner in Osterseeon könnten profitieren.

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Kohl fragte noch nach Konflikten zwischen Hochwasserschutz und Renaturierung, diese sehe er nicht, so Experte Brodrecht, ganz im Gegenteil. Eine Rückhaltung in der Fläche könnte sich sogar positiv auf den Hochwasserschutz im anliegenden Wohngebiet auswirken.

Voraussichtlich Anfang kommenden Jahres sollen die Untersuchungen abgeschlossen sein, bis dahin wird es noch einige Treffen zwischen Fachleuten, Verwaltung und Politik geben, so Paeplow - den Biber könne man dazu aber leider nicht einladen.

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