SchwimmunterrichtTeurer Badespaß

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Seit das örtliche Hallenbad vor rund einem Jahr geschlossen wurde, findet der Kirchseeoner Schwimmunterricht im Becken des Berufsförderungswerks statt.
Seit das örtliche Hallenbad vor rund einem Jahr geschlossen wurde, findet der Kirchseeoner Schwimmunterricht im Becken des Berufsförderungswerks statt. (Foto: Peter Hinz-Rosin)

Weil das örtliche Hallenbad geschlossen ist, muss der ATSV Kirchseeon mit seinen Schwimmkursen auf das Becken im Berufsförderungswerk ausweichen. Die Gebühren dafür sind jedoch deutlich höher als zunächst angenommen.

Von Andreas Junkmann, Kirchseeon

Es ist ein Jubiläum, das in Kirchseeon niemanden in Feierlaune versetzt: Seit ziemlich genau einem Jahr ist das örtliche Hallenbad nun geschlossen. Wegen der erwartbar hohen Reparaturkosten musste die sanierungsbedürftige Freizeiteinrichtung im Juli 2023 ihren Betrieb endgültig einstellen, seither sitzen die Kirchseeoner Bürgerinnen und Bürger im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Trockenen. Immerhin für die Vereine und Schulen konnte zwischenzeitlich eine Lösung gefunden werden: Sie nutzen seit einigen Monaten das Becken des Berufsförderungswerks (BFW). Optimale Bedingungen bietet dieses wegen seiner geringen Tiefe zwar nicht, Schwimmunterricht am Ort ist dadurch aber weiterhin möglich. Allerdings hat das auch seinen Preis, den nun vor allem der ATSV Kirchseeon zu spüren bekommt.

Dessen Schwimmsparte ist mit mehr als 100 Kindern und Jugendlichen regelmäßig zu Gast im BFW-Becken. Bisher hatte dieses die Gemeinde angemietet und der Verein konnte es zu einer ermäßigten Gebühr von sechs Euro die Stunde nutzen. Seit Anfang des Jahres aber ist der ATSV selbst Vertragspartner der Bildungseinrichtung – und muss deshalb nun auch die kompletten Gebühren übernehmen. Beim Kirchseeoner Rathaus ging deshalb jüngst ein Antrag ein, in dem der Sportverein um eine Übernahme der Differenzgebühr bittet. Zwar hatte der Gemeinderat dem ATSV bereits einen Zuschuss bewilligt, dieser reicht angesichts der gestiegenen Kosten für die Schwimmbadnutzung nicht aus, wie Bürgermeister Jan Paeplow (CSU) in der Sitzung am Montagabend erklärte.

Der ATSV Kirchseeon müsste 20 000 Euro pro Jahr aufbringen, um die Gebühren zu bezahlen

Um welche Summen es dabei geht, rechnete Kämmerin Christiane Prosser vor: Demnach belaufen sich die Gebühren für das erste Halbjahr auf 19 000 Euro, für das zweite sind 10 500 Euro fällig. Laut Beschluss würde die Gemeinde aber lediglich etwas mehr als 10 000 Euro beisteuern, die restlichen knapp 20 000 Euro müsste der Sportverein selbst aufbringen. Weil das ohne eine saftige Erhöhung der Mitgliedsbeiträge aber völlig utopisch ist, plädierte Paeplow dafür, die Unterstützung seitens der Gemeinde anzupassen – und zwar gleich bis August 2025. „Das würde dem ATSV und auch uns selbst Planungssicherheit geben“, so der Bürgermeister, der auch auf die gesellschaftliche Funktion und die Leistungen des Vereins verwies, der von diesem Herbst an auch wieder die Seepferdchen-Prüfung in Kirchseeon anbieten wolle.

Von Paeplows Vorschlag, die Vertragslaufzeit gleich bis ins nächste Jahr zu verlängern, fühlten sich jedoch einige Gemeinderäte überrumpelt – zumal in der Beschlussvorlage noch von einer Kostenübernahme bis einschließlich Juli 2024 die Rede war. Grundsätzlich sei man zwar für eine Bezuschussung, die Laufzeit allerdings müsse man nochmals in der Fraktion diskutieren, sagte Bettina Moder (Grüne Liste). Dem schloss sich auch Domenico Ciccia (SPD) an, der vorrechnete, dass ein solcher Beschluss Gesamtkosten von knapp 50 000 Euro für die Gemeinde bedeuten würden – „und wir reden hier nur von einer Sektion eines Vereins“. Ciccias Fraktionskollegin Barbara Bittner regte deshalb einen Mittelweg an und plädierte dafür, die Förderung zunächst bis Dezember 2024 anzupassen und dann erneut darüber zu beraten. Ein Vorschlag, der schließlich auch die Mehrheit im Gremium fand.

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Um ein derartiges Feilschen über die Höhe von Vereinszuschüssen künftig einzudämmen, will die Gemeinde nach der politischen Sommerpause eine Art Zuschuss-Konzept erarbeiten, wie Bürgermeister Paeplow ankündigte. Darin soll genau festgelegt werden, mit welcher finanziellen Unterstützung die Vereine am Ort rechnen können. „Die Vereine können damit dann gut kalkulieren und wir haben eine gewisse Sicherheit für unsere Haushaltsplanung“, sagte Paeplow, der im Hinblick auf die Hallenbad-Diskussion nochmals klarstellte, wie wichtig solche Zuschüsse sind: „Schwimmen muss auf jeden Fall weiterhin möglich sein.“

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