Knapp 6000 Frei- und Hallenbäder gibt es momentan in Deutschland, so steht es jedenfalls im Bäderatlas. Doch diese Zahl ist rückläufig, seit 2016 verschwinden jedes Jahr 1,5 bis zwei Prozent der Bäder. Angesichts der gravierenden Finanznot der Kommunen könnte sich der Abwärtstrend in den nächsten Jahren verstärken, auch im Münchner Umland ist die Situation schwierig. Im Landkreis Ebersberg haben aber zwei Kommunen die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, das bereits stillgelegte Kirchseeoner Bad gemeinsam zu neuem Leben zu erwecken. Ob das klappen kann, wird sich wohl noch in diesem Jahr zeigen.
Bereits seit 2023 sind die Tore des beliebten Hallenbads geschlossen, der Mängelkatalog war lang – von bröckeliger Dämmung über undichte Becken bis zu derart veralteter Technik, sodass es für vieles nicht einmal mehr Ersatzteile gab. Auf sechs bis acht Millionen Euro wurde schon damals die Sanierung geschätzt; die Gemeinderatsmehrheit war überzeugt, dass das Kirchseeon angesichts anstehender Pflichtaufgaben nicht stemmen könnte, und beschloss die Schließung. Doch der Protest war groß, und auch die Aussicht auf großzügige Förderprogramme trug dazu bei, dass der Gemeinderat zusicherte, die Entscheidung noch einmal zu überdenken und möglichst die Nachbargemeinde Zorneding ins Boot zu holen, um gemeinsam die Rettung des Bades zu versuchen.
Die interkommunale Arbeitsgruppe, die damit beauftragt wurde, eine Machbarkeitsstudie vorzubereiten und zu bewerten, hat nach Angaben von Kirchseeons Bürgermeister Jan Paeplow (CSU) vor den Sommerferien zum letzten Mal getagt. In einigen Wochen wird die Studie erwartet, dann wird sich zeigen, ob und wie die beiden Gemeinden die Kosten für die Sanierung und den Betrieb gemeinsam stemmen können. Erste Schätzungen gehen davon aus, dass die Sanierung – ähnlich wie beim Ebersberger Hallenbad – wohl mit etwa zwölf Millionen Euro zu Buche schlagen könnte.
Natürlich, so Paeplow, gehe man den beschlossenen Weg weiter. „Es ist jetzt nicht so, dass wir sagen, wir lassen sofort die Stifte fallen.“ Die Rahmenbedingungen, auch das sei klar, seien allerdings schwieriger geworden angesichts der Kirchseeoner Haushaltssituation und der Tatsache, dass keine Erholung in Sicht ist – im Gegenteil: Weil auch der Landkreis in einer finanziell so schwierigen Situation ist wie nie zuvor, ist eine deutliche Anhebung der Kreisumlage zu erwarten. „Das hilft nicht zwingend“, so Paeplow ironisch.

