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Kirchseeon:Exklusives Hausrecht

Sportheim Kirchseeon, Entwurf

Ein neues Vereinsheim für den ATSV muss die Gemeinde bezahlen, auch wenn nur die Sportler rein dürfen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Obwohl Kirchseeon Eigentümer des ATSV-Vereinsheims ist und es für 1,3 Millionen Euro neu bauen soll, dürfen nur die Sportler das Gebäude nutzen. Grünen-Gemeinderat Rüdiger Za stellt das infrage

Von Christoph Hollender, Kirchseeon

"Zu teuer!" Für Rüdiger Za kostet das neu geplante ATSV-Heim in Kirchseeon schlichtweg zu viel. Der Gemeinderat der Grünen Liste hat eine klare Botschaft: Es sei zu viel Geld für das neue Heim, das mehr oder weniger ausschließlich der Fußballabteilung zu Gute käme. Deshalb könne er das Ganze nicht unterstützen - er stimmte als einziger im Marktgemeinderat gegen das Projekt. Es ging dabei um 1,306 Millionen Euro. So viel muss die Gemeinde als alleiniger Eigentümer für das Gebäude am Sportplatzweg bezahlen. Das Gremium sprach sich für den neuen Entwurf des ATSV-Heims samt der neuen Kostenentwicklung aus. Natürlich sei die Planung des Gebäudes "ordentlich und schön" gemacht, sagte Za. Dennoch sehe er die Summe "nur für den ATSV" kritisch. Bereits im Frühjahr stimmte er gegen die erste Entwurfsplanung.

Bürgermeister Udo Ockel (CSU) sieht das anders. Er sagte, dass das alte Vereinsgebäude des ATSV nicht erhalten werden könne. "Das neue wird ein Ersatz dessen." Für ihn ist die geplante neue Unterkunft weder zu groß noch zu teuer, schließlich profitiere der gesamte ATSV davon und nicht nur, wie Za monierte, der Fußballabteilung. Das Gebäude sei auch für die Geschäftsstelle, die dort untergebracht werde, sagte Ockel.

Dass ein neues Vereinsheim gebaut werden müsse, steht für Ockel außer Frage. Das alte Gebäude, das bereits einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat, sei dringend und von Grund auf zu sanieren. Vor allem der Keller sei durch das stetig nachdrückende Grundwasser und die schlechte Bodenbeschaffenheit völlig durchnässt. Der Vorsitzende des ATSV Kirchseeon, Maximilian Völkl, sagte, dass der aktuelle Zustand wahrscheinlich gesundheitsgefährdend sei. Eine Kernsanierung des bestehenden Gebäudes würde sehr viel Geld kosten - das lohne sich nicht. Deshalb sei aus seiner Sicht ein Neubau verpflichtend. Der Architekt und Planer des neuen ATSV-Heims, Matthias Garbe, bestätigte, dass eine Sanierung des alten Gebäudes wenig Sinn mache und richtig teuer werde.

Das neue Gebäude soll nach jetzigem Planungsstand 1,306 Millionen Euro kosten - noch im Frühjahr lagen die Kosten bei 1,260 Millionen Euro. Im Marktgemeinderat präsentierte Matthias Garbe gemeinsam mit dem Ingenieur Karl-Heinz Mayer die neue Konzeption. Um Baukosten zu sparen werde das Gebäude ohne Untergeschoss gebaut. Außerdem sei es ratsam, durch die schlechten Bodenverhältnisse vor Ort, auf eine Unterkellerung zu verzichten. Der Boden sei einfach zu nass. Aus diesem Grund müsse eine sehr dicke Bodenplatte gegossen werden. Das neue ATSV-Heim soll in direkter Nähe zum bestehenden Vereinsgebäude errichtet werden. Das Pelletheizsystem, das eigentlich für den Keller vorgesehen war, wandert in das Erdgeschoss. Schon im Herbst könnte nach Ansicht der Planer mit dem Bau begonnen werden. "Wir hoffen, dass ein sehr schnelles Bauen möglich ist", sagte Garbe. Aus diesem Grund werde das Gebäude auch in Fertigbauweise errichtet. Bevor die Bagger im Herbst anrücken, muss der Gemeinderat jedoch noch über zusätzliche Kosten des Projekts entscheiden.

Weil ein Kanal verlegt und neue Entwässerungs- und Abflusstechnik im Umfeld des Grundstücks installiert werden muss, sei zu überlegen, bestehende Leitungen der Künstlergarderobe umzuverlegen und an die neuen Leitungen anzuschließen. Wie viel das kostet, ist noch offen.

Den Antrag der Fraktion der Grünen, das neue ATSV-Heim auch für gemeindliche Zwecke nutzen zu können, lehnte das Gremium ab. Bürgermeister Ockel sieht dafür keinen Bedarf. Der Versammlungsraum darin sei mit 46 Quadratmeter zu klein für Veranstaltungen. Außerdem gebe es keine rechtliche Grundlage, betonte der Vorsitzende des ATSV, Maximilian Völkl. Die Gemeinde habe mit dem Verein 1996 einen Vertrag geschlossen, der dem ATSV die alleinigen Nutzungsrechte zugesteht. Das ist auch der Grund, warum die Gemeinde Eigentümer des Neubaus ist und diesen auch zu 100 Prozent zahlen muss.

© SZ vom 12.08.2015

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