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Kirchseeon:Differenzen um Kinderhaus

Weil Krippenräume der neuen Einrichtung in Kirchseeon im ersten Stock liegen, fordert das Jugendamt zusätzliches Personal, das im Brandfall eingreifen kann. Der Bürgermeister hat dafür wenig Verständnis

Hier am Spannleitenberg baut Kirchseeon ein neues Kinderhaus. Ob und wie man den ersten Stock nutzen darf, darüber gibt es nun Streit mit dem Jugendamt.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Seit Anfang April wird am neuen Kinderhaus am Spannleitenberg gebaut, schon im Herbst 2018 soll hier der Kirchseeoner Nachwuchs betreut werden. Doch momentan ist unklar, ob das Landratsamt überhaupt die Betriebserlaubnis erteilt: Denn etwa 30 Krippenkinder sollen im Obergeschoss untergebracht werden, "diese Situation ist im Brandfall bedenklich", so die Einschätzung von Florian Robida, dem stellvertretenden Leiter des Jugendamts, wo auch die Kindertagesstättenaufsicht angesiedelt ist. Die Behörde fordert, dass für diesen Fall zusätzliches Personal vorgehalten wird. In Kirchseeon zeigt man sich angesichts dieser Idee genervt: "Soll da jemand in der Ecke sitzen und warten, bis es brennt?", fragt Bürgermeister Udo Ockel. In Kürze ist ein klärendes Gespräch zwischen beiden Parteien geplant.

Die Brandschutzauflagen seien nicht neu, heißt es beim Jugendamt

Dass Krippenräume grundsätzlich ebenerdig geplant werden sollen, ist Bestandteil der gerade erst verabschiedeten Bauleitlinien des Landkreises für Kindertagesstätten. Ziel der Leitlinien ist es, den Gemeinden, Trägern und Planern von Anfang an klar zu machen, was der Kreis von ihnen erwartet. "Sind die Vorgaben der Leitlinien eingehalten, können alle Beteiligten davon ausgehen, dass einer Betriebserlaubnis nichts im Wege steht", so Robida. Man habe mit den Leitlinien aber ohnehin nicht das "Rad neu erfunden", vielmehr gängige Qualitätsstandards zusammengefasst.

Nun hat die Planung des Kinderhauses in Kirchseeon, in dem je drei Krippen- und Kindergartengruppen untergebracht werden sollen, zwar schon lange vor der Verabschiedung der Bauleitlinien begonnen, doch die Kindertagesstättenaufsicht hätte die Planungen auf jedem Fall unter die Lupe genommen. Die Planungsunterlagen seien aber erst Mitte März, gut zwei Wochen vor Baubeginn, im Landratsamt eingegangen, so Robida - später als bei derartigen Projekten üblich. Meist legten die Gemeinden schon in einem frühen Planungsstadium beispielsweise Vorentwürfe vor. "Damit können wir dann schon im Planungsstadium darauf hinweisen, welche Standards eingehalten werden müssen, damit eine Betriebserlaubnis erteilt werden kann", so der stellvertretende Jugendamtsleiter. Entsprechende Planungsänderungen könnten dann noch unkompliziert umgesetzt werden.

Hier aber eben nicht. Und eine Umplanung des Gebäudes fordert die Kindertagesstättenaufsicht auch nicht - aber Vorkehrungen für den Fall, dass es in dem Gebäude einmal brennt. Zusätzliches Personal sei nötig, nicht zwingend Fachkräfte, so Robida, aber "zwei zusätzliche helfende Hände, die im Brandfall oder ähnlichen Notfallsituationen beherzt mit zugreifen können". Dies könnten beispielsweise Praktikanten sein oder Hilfskräfte, "wir haben das nicht näher spezifiziert".

Noch vor den Ferien wollen Landratsamt und Gemeinde den Fall klären

Bürgermeister Ockel hingegen ist nach eigenen Angaben schleierhaft, wie das funktionieren soll. Man könne ja schlecht Personal, das ansonsten gar nicht nötig sei, ständig in der Krippe vorhalten. Zudem gebe es ein Brandschutzkonzept, "keiner hatte dagegen Einwände", so der Bürgermeister. "Ich verstehe nicht, wie man sich das im Jugendamt vorstellt." Zudem, darauf verweist Ockel, gebe es schließlich auch andere Kitas, in denen Krippenräume nicht ebenerdig untergebracht seien.

Das bestätigt Robida, doch für diese Kitas gelten, wie er sagt, die selben Vorgaben. Wie viel zusätzliches Personal bei Krippenräumen im Obergeschoss vorgehalten werden muss, hängt nach Angaben des stellvertretenden Jugendamtsleiters von den Gruppengrößen und auch von den individuellen Gegebenheiten ab. "Es handelt sich immer um eine Einzelfallprüfung", sagt er.

Bei einem Gespräch wollen Vertreter und Jugendamt noch vor der Sommerpause klären, wie das weitere Vorgehen aussehen könnte. Auf eine Anfrage von Kreisrat Uwe Peters (Grüne) zu dem speziellen Thema im Jugendhilfeausschuss hatte auch Landrat Robert Niedergesäß (CSU) unterstrichen, er sei an einer schnellen Klärung der Sache interessiert.