Unesco-Welttag des BuchesAuf Entdeckungsreise im Buchladen

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Beim „Welttag des Buches“ bekommen Kinder ein Buch geschenkt – und machen dafür einen Besuch in einer Buchhandlung. Für manche zum allerersten Mal.
Beim „Welttag des Buches“ bekommen Kinder ein Buch geschenkt – und machen dafür einen Besuch in einer Buchhandlung. Für manche zum allerersten Mal. Hendrik Schmidt/dpa
  • Anlässlich des UNESCO-Welttags des Buches am 23. April verschenken etwa 3000 deutsche Buchhandlungen 1,1 Millionen Exemplare des Comicromans „Der fliegende Klassenscooter" an Schulkinder.
  • Die Buchhandlungen zahlen pro verschenktem Buch einen Euro und haben zusätzliche Kosten für Materialien und Zeitaufwand, beteiligen sich aber trotzdem zur Leseförderung.
  • Laut IGLU-Studie 2021 kann ein Viertel der Grundschulkinder nicht ausreichend gut lesen, weshalb niederschwellige Zugänge zu Büchern wichtig sind.
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Wenn am 23. April weltweit das Lesen gefeiert wird, verschenken Buchhandlungen in ganz Deutschland mehr als eine Million Bücher an Kinder. Doch was bewirkt die Aktion wirklich?

Von Michaela Pelz, Kirchseeon

Die Plakate hängen schon, Quiz und Schnitzeljagd sind fertig, bunte Bücherstapel warten bereits. Der Kirchseeoner Buchladen ist bereit für den Ansturm von rund 200 Viert- und Fünftklässlern. Anlässlich des „Welttags des Buches“ am 23. April besuchen sie die Buchhandlung. Seit 1995 hat die Unesco diesen Tag in mehr als hundert Ländern zum Lesefest erklärt.

Ein wichtiger Baustein der deutschlandweiten Aktionen rund um den Welttag des Buches ist die Initiative „Ich schenk dir eine Geschichte“. Sie wird getragen von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins, Stiftung Lesen, cbj Verlag, Deutsche Post, ZDF und AVJ. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr der eigens für die Aktion verfasste Comicroman „Der fliegende Klassenscooter“ (Text: Andreas Hüging und Angelika Niestrath, Illustrationen: Timo Grubing). Erzählt wird das Abenteuer dreier Schulkinder, die etwas Nützliches für die Zukunft erfinden sollen – und dabei versehentlich ins Jahr 2176 reisen.

Buchhändlerin Hedwig Wobken (links) und Lehrerin Ute Ortner engagieren sich seit Jahren für Leseförderung. Unter anderem mit dem „Welttagsbuch“ - heuer: „Der fliegende Klassenscooter“.
Buchhändlerin Hedwig Wobken (links) und Lehrerin Ute Ortner engagieren sich seit Jahren für Leseförderung. Unter anderem mit dem „Welttagsbuch“ - heuer: „Der fliegende Klassenscooter“. Peter Hinz-Rosin

Für die 1,1 Millionen Kindern aus rund 50.000 Schulklassen ist dieses Buch ein Geschenk. Für die etwa  3000 beteiligten Buchhandlungen dagegen bedeutet die Aktion nicht nur Aufwand, sondern auch Kosten. Nach Angaben von Kaspar Pflaum, Leiter des Bereichs Leseförderung im Börsenverein des Deutschen Buchhandels, müssen die Buchhandlungen für jedes Buch einen Euro bezahlen. Hinzu kommen Ausgaben für Poster, Materialien für die Schnitzeljagd und entsprechende Preise.

Ganz zu schweigen vom Zeitaufwand. „Manchmal kommen die Klassen am Montagvormittag, wenn der Laden normalerweise geschlossen ist“, berichtet Inhaberin Hedwig Wobken, die seit 2018 jedes Jahr mitmacht. Findet der Besuch während der regulären Öffnungszeiten statt, benötigt sie eine Aushilfe, um sich voll und ganz den Kindern widmen zu können. In früheren Jahren fanden dabei mitunter bis zu 320 Mädchen und Jungen gemeinsam mit ihren Lehrkräften den Weg in den Laden. Einige kaufen sich dabei weiteren Lesestoff oder lassen sich etwas zurücklegen.

Ist die Aktion also vor allem Marketing? „In der Vergangenheit ging der Absatz von Kinderbüchern im April in der Tat nach oben“, berichtet Wobken, inzwischen sei dieser Effekt deutlich schwächer. „Aber sinkende Umsätze sind für mich kein Argument für keine Teilnahme“, betont sie. Gerade heute, wo so viele Kinder sich überwiegend mit ihren Handys beschäftigten, sei Leseförderung wichtiger denn je. Durch den „niederschwelligen Zugang zu Buchhandlungen und Geschichten“ würden Bücher als etwas Positives erlebt, bestätigt auch Kaspar Pflaum vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Das ist auch bitter nötig, sagt Sabrina Holitzner von der Stiftung Lesen. Sie verweist auf die IGLU-Studie 2021, laut der ein Viertel der Grundschulkinder „nicht ausreichend gut lesen“ kann. Zugleich habe der „Vorlesemonitor 2024“ gezeigt: „Wenn passendes Lesematerial in den Familien ist, wird generell mehr gelesen.“ Zumal das Welttagsbuch auch für Kinder mit wenig Leseübung geeignet sei.

Unterrichtsmaterialien zur Aktion stellt die Stiftung Lesen zur Verfügung. Die Lehrerin Ute Ortner von der Grundschule Eglharting nutzt diese seit Jahren, wenn sie mit ihren Viertklässlern an der Aktion teilnimmt. Ehemalige Schüler wie Philipp und Helena berichten, es sei „cool“ gewesen, gemeinsam zum Buchladen zu gehen. Für Ortner steht vor allem die Lesefreude im Mittelpunkt. Darum legt sie bereits ab der zweiten Jahrgangsstufe großen Wert auf Klassenlektüren. „Doch mit dem Hype um den Welttag und wenn sich die Kinder das Buch selbst abholen dürfen, baut sich noch einmal eine ganz besondere Beziehung auf“, sagt Ortner. „Das ist wie ein kleiner Schatz.“

Wie Wobken weiß, sehen manche Kinder bei dieser Gelegenheit tatsächlich zum ersten Mal einen Buchladen von innen. „Das kann man doch bei Amazon besser bestellen“, sei dann oft zu hören. „Dann zeige ich, wie viel Verpackungsmaterial für die Lieferung eines einzigen Tages zusammenkäme. Daneben stelle ich die wieder verwendbare Bücherwanne, in der ich die Titel bekomme.“ Auch um Nachhaltigkeit zu vermitteln, werde dieser Tag immer wichtiger.

Am schönsten sei aber für sie der Moment, wenn Kinder nach dem Klassenbesuch ihre Eltern in den Laden führen und stolz zeigen, was sie beim Quiz gelernt haben. „Etwa, wo das kleinste und größte Buch im Laden stehen.“ Wenn dann noch Lesestoff mitgenommen wird, greifen viele zu bekannten Themen: Youtuber‑Bücher, Fußballgeschichten, Verfilmungen oder Comicromane.

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