Kirche und Religion:Kirchseeon erlaubt sarglose Bestattungen

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Kirche und Religion: Auf dem Kirchseeoner Waldfriedhof gibt es bereits eine eigene Sektion für muslimische Gräber.

Auf dem Kirchseeoner Waldfriedhof gibt es bereits eine eigene Sektion für muslimische Gräber.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Verstobene können in der Marktgemeinde künftig nach muslimischer Tradition ohne Sarg beerdigt werden. Angehörige müssen dafür einen Antrag im Rathaus stellen - und ihre religiösen Beweggründe nachweisen.

Von Andreas Junkmann, Kirchseeon

Die letzte Ruhe ist für die Ewigkeit, doch auf dem Weg dorthin gibt es durchaus Möglichkeiten zur Innovation: Der Markt Kirchseeon macht nun endgültig Schluss mit der bisher geltenden Sargpflicht bei Erdbestattungen und erlaubt es Bürgerinnen und Bürgern muslimischen oder jüdischen Glaubens, ihre Angehörigen im traditionellen Leichentuch zu beerdigen. Diesen Beschluss hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich gefasst. Für diese Form der Beisetzung gibt es aber durchaus einige Hürden - so müssen die Bürger etwa zuvor einen Antrag bei der Gemeinde stellen, in dem sie ihre religiösen oder weltanschaulichen Gründe für die sarglose Bestattung darzulegen haben.

Diese Regelung hat nicht die Marktgemeinde erfunden, sondern sie geht aus der Bayerischen Bestattungsverordnung hervor. Seit April 2021 ist dort die Möglichkeit verankert, unter bestimmten Voraussetzungen eine sarglose Bestattung zu erlauben. Diese Änderung griff die Kirchseeoner SPD-Fraktion auf, um auch für die Marktgemeinde eine entsprechende Änderung der Friedhofssatzung zu fordern - mit Erfolg, wie sich nun nach eineinhalb Jahren intensiver Prüfung zeigt. "Wir haben das Thema aus allen Richtungen durchleuchtet", sagte Stephan Baumann vom Rathaus in der Gemeinderatssitzung. Nun sei man bereit dafür, diesen Schritt zu gehen.

Für die sarglosen Bestattungen waren zahlreiche Vorarbeiten notwendig

Dass es nicht einfach mit einem Beschluss des Gemeinderates getan ist, zeigt allein schon die Liste an Dingen, die Baumann und seine Kollegen im Vorfeld abarbeiten mussten. So habe man zunächst ein Bodengutachten für den betreffenden Bereich auf dem Kirchseoner Waldfriedhof erstellen lassen, um zu erfahren, ob das Erdreich überhaupt für sarglose Beerdigungen taugt. Auch für den Bestatter selbst ist diese Art der Beisetzung Neuland. "Wir haben deshalb mit der muslimischen Gemeinde und dem Bestatter eine Richtlinie erarbeitet", so Baumann. Denn ganz sarglos sind die muslimischen Beerdigungen dann doch nicht: Für den Transport des Leichnams zum Grab ist nach wie vor eine geschlossene Box notwendig.

Auch muss der Verstorbene bereits vollständig vorbereitet zum Friedhof gebracht werden, der Bestatter vor Ort übernimmt dann lediglich die Beisetzung. Für das Einwickeln in ein Leichentuch müssen die Angehörigen also nochmals einen eigenen Bestatter beauftragen. Bevor es soweit ist, müssen sie jedoch im Rathaus vorstellig werden, wie Baumann erklärte: "Die Befreiung von der Sargpflicht muss beantragt werden - und die Gemeinde gibt dem dann statt." Dabei gelte es, eben jene religiösen oder weltanschaulichen Gründe zu prüfen. Auf die Frage von Domenico Ciccia (SPD), wie das ablaufen soll, hatte Baumann noch keine Antwort parat. Das müsse sich letztlich in der Praxis zeigen, bis jetzt lägen ohnehin noch keine entsprechenden Anträge vor.

Der Trend geht zu pflegeleichten Urnen- und Naturgräbern

Deutlich mehr Nachfrage gibt es dagegen bei pflegeleichten Urnen- und Naturgräbern, wie Baumann sagte. "Wir haben enorm viele Grabauflösungen in den vergangenen beiden Jahren, weil viele sie nicht mehr pflegen wollen." Dagegen würden gerade Urnen-Nischen immer beliebter, denn damit hätten die Angehörigen keinen Aufwand. Diesem Trend will der Markt Kirchseeon nun ebenfalls Rechnung tragen und stellt in Kooperation mit einem Steinmetz zunächst zwei Urnen-Stelen im Friedhof auf. Auf jeder der vier Seiten können Baumann zufolge bis zu drei Urnen untergebracht werden. Falls das Angebot nicht ausreicht, könnten noch vier weitere Stelen errichtet werden.

Neben den Steinsäulen führt die Gemeinde nun auch sogenannte Natur- oder Baumgräber ein, die jeweils Platz für eine beziehungsweise zwei Urnen bieten. Auch hier müssen sich die Angehörigen nicht um die Grabpflege kümmern. Der umliegende Rasen wird von den Mitarbeitern des Bauhofs gemäht.

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