Kirchseeon:Besser als die Chinesen

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Wolfgang Grupp (Trigema) im BFW Unternehmertag

Wolfgang Grupp hat immer einen markigen Spruch parat - auch wenn es um Ethik geht.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

180 Unternehmer hören Trigema-Chef Grupp im BFW

Von Johannes Hirschlach, Kirchseeon

Der Name Wolfgang Grupp steht für markige Thesen: "Der Standort Deutschland ist super!", "Nichtentscheidung ist die größte Fehlentscheidung!", "Zeugnisse interessieren mich nicht!", um nur eine kleine Auswahl der Zitate zu nennen, die der Inhaber des Textilunternehmens "Trigema" bei einer Abendveranstaltung in Kirchseeon wie am Fließband in den Saal rief. Das Thema des Abends: "Ethik rechnet sich - Unternehmen brauchen Werte!", eine Debattierrunde, wie maßgeschneidert für den knallharten Verfechter ebenjener Werte.

Seit 1969 leitet Wolfgang Grupp "Trigema" eigenständig und in völliger Eigenhaftung. Seitdem habe es weder Kurzarbeit noch Entlassungen wegen Arbeitsmangel gegeben. Als entsprechend würdiger Diskussionspartner erwies sich der 74-Jährige am Donnerstagabend im Berufsförderungswerk München (BFW) in Kirchseeon. Dieses hatte in Zusammenarbeit mit der AOK Bayern die deutsche Wirtschaftslegende anlässlich des 13. Unternehmerabends eingeladen. Dass sich Grupp als Zugpferd erweisen sollte, zeigten die hohen Anmeldungszahlen. Mit 180 Leuten waren alle Sitzplätze im Saal des BFW vergeben. Unternehmer verschiedenster Branchen waren gekommen, um die Standpunkte des "Trigema"-Chefs und die Gründe für dessen wirtschaftlichen Erfolg zu hören.

Grupp, in feinen Zwirn gehüllt - ein lila-weiß gestreiftes Einstecktuch korrespondierte mit dem Anzughemd - nahm wie so oft kein Blatt vor den Mund. Seit vielen Jahren steht der Burladinger Textilfabrikant für seine klaren Positionen ein. Er reiste durch Deutschlands Talkshowlandschaft und schaltete einen markanten Werbespot mit einem vermeintlich sprechenden Affen vor die Tagesschau. Darin verspricht Grupp, er werde "auch in Zukunft die Verantwortung für Mitarbeiter und Umwelt übernehmen". Was das bedeutet, legte er den Zuhörern deutlich offen. "Wir können nicht die Arroganz haben, zu erwarten, andere würden für uns die Arbeit machen", sagte er. Arbeitsplätze in Deutschland, auch in der Produktion, seien ein unverzichtbares Gut für die Wirtschaft. "Was geht im Hirn dessen vor, der meint, er müsse im Zuge der Globalisierung Leute entlassen?", fragte er, lebhaft gestikulierend und mit dröhnender Stimme. Man müsse eben ein Produkt herstellen, wofür der Kunde bereit sei, mehr auszugeben, und nicht dasselbe, "das die Chinesen billiger machen".

Grupp hatte viele dieser einfachen, schlagkräftigen Antworten parat und wusste auch, die Gäste mit trockenem Humor zu vereinnahmen. "Trigema" sei die einzige Firma der Branche, die noch in Deutschland produziere - was den Werbeslogan "Deutschlands größter Hersteller von Sport- und Freizeitkleidung" eigentlich obsolet mache. "Der kleinste ist zugleich der größte", sagte er, Gelächter im Publikum. Was die Firmenethik angeht, steht Grupp noch immer zu seinem Versprechen, jedem Kind seiner Angestellten einen Arbeitsplatz zu geben. Wieso er das garantiere, lautete eine Frage aus der Zuhörerschaft. Eine Standortentscheidung sei dies, so Grupp in seiner ehrlichen, manchmal flapsigen Art. "Trigema" produziere eben "in der kargen Schwäbischen Alb" und nicht in München. "Wir nehmen keine Fremden, denn die Fremden sind Flaschen", sagte er augenzwinkernd, aber bestimmt. Freiwillig gehe kein guter Arbeitnehmer aus der Großstadt nach Burladingen. Darum fördere er den Nachwuchs der bewährten Angestellten. Diese könnten zu treuesten Mitarbeitern geraten, wenn man ihnen nur eine Chance gebe - ganz im Sinne des BFW, das die berufliche Wiedereingliederung arbeitsunfähig gewordener Menschen zum Ziel hat.

Das von Grupp gezeichnete Bild einer offenen und ehrlichen Führung in familiärer Atmosphäre hinterließ einen bleibenden Eindruck. Ein "energiegeladener Vortrag" sei es gewesen, "klare Statements zu gewissen Werten" und eine "gewisse Radikalität", bescheinigten einige der Teilnehmer hinterher dem Textilfabrikanten. Judith Brenneis von der AOK sagte: "Ich würde mir wünschen, etliche Unternehmer täten das, was Herr Grupp ausstrahlt."

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