Haustiere in KirchseeonGlibberige Weggefährten

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Familie Göttinger in Kirchseeon hat sich für ganz besondere Haustiere entschieden: Die Söhne Tim und Malte kümmern sich mit Begeisterung um ihre Afrikanischen Riesenschnecken.
Familie Göttinger in Kirchseeon hat sich für ganz besondere Haustiere entschieden: Die Söhne Tim und Malte kümmern sich mit Begeisterung um ihre Afrikanischen Riesenschnecken. Mohamad Alkalaf

Sie haaren nicht, sie lärmen nicht und machen nichts kaputt. Für Familie Göttinger aus Kirchseeon sind Afrikanische Riesenschnecken die perfekten Haustiere.

Von Mohamad Alkalaf, Kirchseeon

Die beiden Kinder liegen im Garten auf dem Boden und rufen laut: „Los Billi! Kriech schnell Keks!“ Der zehnjährige Malte klatscht anfeuernd, damit Billi, die Schnecke, schneller läuft als Keks. Auch er eine Schnecke. Malte stampft mit Füßen und Händen, gluckst vor Freude: „Keks, du bist der Beste.“ Das Erreichen der Ziellinie ist anstrengend; die Strecke ist nur einen halben Meter lang, was für die afrikanische Schnecke ganz schön weit ist, und es dauert eine Weile, bis sie das Ende erreicht. Eilig haben Keks und Billi es nicht. Die beiden fünf Jahre alten Afrikanischen Riesenschnecken genießen zwischendurch das saftige Gras im Hausgarten.

„Eigentlich haben Mama und Papa gesagt, wir brauchen nicht noch ein Haustier, denn wir haben schon ein Pony, um das wir uns viel kümmern.“ Eine Tierhaarallergie habe er auch noch, weshalb Meerschweinchen oder Hasen als Hausgenossen unmöglich seien, erklärt Malte. Dann aber habe er seinen Eltern erklärt, am Strand in Italien spiele er immer mit Wasserschnecken und er liebe es, Tiere zu beobachten. „Da sagte mein Papa 'Schnecken wären okay als Haustier'. Eigentlich war das nur ein Scherz.“

In einer Schule im Norden von München fanden die Buben ihre Schnecken

Und ein Zufall kam Malte zu Hilfe, eine Meldung im Radio über eine Schnecke, die im Gepäck eines Fluggastes mitgekommen war - Familie Göttinger wurde neugierig. In einer Schule im Norden von München fanden die beiden Buben schließlich Jungschnecken, die abzugeben waren. Seither leben Billi und Keks bei ihnen im Kinderzimmer.

Das Terrarium, in dem sie untergebracht sind, ist mit Erde gefüllt. „Einmal in der Woche gehen wir gemeinsam in den Wald und holen uns Stöckchen, schöne Steine oder Moos und dekorieren das Schneckenzuhause neu. So haben wir immer ein Stückchen Wald im Haus, das sieht sehr schön aus“, erklärt Tim. Weil Schnecken Allesfresser seien, sei es auch nicht so schlimm, wenn er mal sein Obst und Gemüse in der Schule nicht gegessen habe. „Die Schnecken freuen sich darüber.“

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Dass Schnecken nicht nur praktische Hausgenossen sind, sondern auch noch pädagogisch hilfreich sein können, hat sich im Kinderhaus Glockenturm gezeigt, wo Christine Göttingen, die Mama der beiden Jungen, als Erzieherin arbeiten. Als Keks und Billi Nachwuchs bekommen haben, hat sie drei kleine Schnecken mit ins Kinderhaus genommen. Seit einem Jahr sind sie nun dort, waren zu Anfang kleiner als ein Cent-Stück, sind unter der Pflege und den neugierigen Augen der Kindergartenkinder aber inzwischen gewachsen. „Die Kinder kümmern sich gut um sie“, erzählt Göttingen. Und wenn der Abschied von den Eltern schwerfalle, dann nehme sie sie gerne einfach mit zum Schneckenfüttern, das helfe oft.

Auch in der Kirchseeoner Grundschule sind die Schnecken inzwischen schon bekannt: Malte hat sie in die vierte Klasse mitgebracht und dort erzählt, was sie fressen, wie lange sie leben, was sie brauchen. „Die Schnecken zeigen untereinander ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten, von dem wir Menschen lernen können“, sagt Malte, „es ist einfach schön zu sehen, wie liebevoll sie miteinander umgehen.“

Etwa 800 Gramm wiegt jede der beiden Afrikanischen Riesenschnecken, sie heißen Billi und Keks und sind etwa 20 Zentimeter lang. Ihre Haltung ist in Deutschland erlaubt, aber nicht ganz unumstritten.
Etwa 800 Gramm wiegt jede der beiden Afrikanischen Riesenschnecken, sie heißen Billi und Keks und sind etwa 20 Zentimeter lang. Ihre Haltung ist in Deutschland erlaubt, aber nicht ganz unumstritten. Mohamad Alkalaf

Und noch vieles mehr finden die Kinder an den Tieren interessant.  „Je größer Schnecken sind, desto langsamer bewegen sie sich“, sagt Malte, „das ist beeindruckend.“ Keks und Billi sind etwa 20 Zentimeter lang und wiegen jeweils etwa 800 Gramm. Und es gibt noch einen dritten Schneckerich, wie Malte erzählt, „Hänschen-Klein“. Aber der ist gerade in seiner Trockenruhe – Schnecken ziehen sich in ein Versteck zurück, um trockene Perioden zu überstehen. „Wann er wiederkommt, wissen wir nicht. Wir hoffen, er verschläft nicht seinen Geburtstag“, sagt der Zehnjährige.

Sie sind leise, sie haaren nicht, sie kacken nicht in den Flur, sie fressen, was man ihnen vorsetzt, sie baden, ohne zu plätschern; sie springen nicht aufs Sofa oder zerkratzen die Schlafzimmertür, und das, obwohl sie nachts munter sind. Sind Schnecken also die perfekten Haustiere?

Zumindest sollten man sich gut damit auskennen. Afrikanische Riesenschnecken sind geschützt, ihre Haltung in Deutschland zwar erlaubt, in manchen Ländern wie Australien oder Kanada etwa aber verboten, auch in manchen Staaten der USA. In warmen Länden kann die Art invasiv sein, warnt etwa zooplus.de, und sie sollten niemals ausgesetzt werden.

Für Malte und Tim ist vor allem die Gesellschaft der Schnecken wichtig. Abends, bevor sie ins Bett gehen und Gutenachtgeschichten hören, sitzen die Buben vor den Schnecken, die werden dann so richtig aktiv, und die Kinder schön müde vom Zuschauen. „Wenn wir ganz leise sind, können wir sie auch hören. Wir hören, wie sie beim Fressen mit ihrer Zunge raspeln. Das mögen wir besonders gern“, sagt Tim. Hören können die Schnecken übrigens nicht, aber sie spüren jede Bewegung und ziehen sich bei Unruhe zurück. Wenn wir selbst entspannen, dann kommen sie gerne heraus und erkunden mit ihren Fühlern ihr Umfeld. Malte sagt: „Wir sind froh, solche besonderen Haustiere zu haben, und wenn wir Papa suchen, erwischen wir ihn oft vor dem Terrarium, wie er sich von seinem Arbeitstag erholt.“

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