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Kirchseeon:50 Millionen Euro für die Bildung

Das BFW ist eine Anlaufstelle für Menschen, die ihre Arbeit nicht mehr ausüben können und deswegen eine neue berufliche Perspektive suchen.

(Foto: Christian Endt)

Das Berufsförderungswerk München plant in Kirchseeon umfangreiche Baumaßnahmen an seinem Campusgelände

Von Andreas Junkmann, Kirchseeon

Es ist eine Summe, die gerade in Corona-Zeiten nochmal größer erscheint, als sie ohnehin schon ist. Dennoch hat sich das in Kirchseeon ansässige Berufsförderungswerk München (BFW) der Pandemie zum Trotz dazu entschieden, 50 Millionen Euro in seinen Hauptsitz zu investieren - und damit ein klares Bekenntnis zur Marktgemeinde als Bildungsstandort gegeben. Bis zum Jahr 2027 sollen auf dem Gelände am südlichen Ortsrand umfangreiche Baumaßnahmen stattfinden, um schließlich einen modernen Bildungscampus für Lehrende und Lernende zu schaffen.

Wie BFW-Geschäftsführer Günther Renaltner in der jüngsten Sitzung des Kirchseeoner Gemeinderats am Montagabend sagte, sind die Baumaßnahmen inzwischen auch durchaus nötig. Der Hauptsitz in der Marktgemeinde ist seit mehr als 40 Jahren in Betrieb, weshalb die Gebäudesubstanz an vielen Stellen nachgelassen habe. "Es besteht dringender Bedarf an einem Ersatzneubau", so Renaltner. Dieser betrifft vor allem die teils in die Jahre gekommenen Nebengebäude, wie etwa die Mensa, die komplett abgerissen und direkt nebenan neu errichtet werden soll. Allerdings will das BFW nicht nur seine baulichen Strukturen modernisieren, sondern auch den ökologischen Fußabdruck der Liegenschaft verbessern.

Diese nämlich befindet sich eingebettet von einem Waldstück am Ortsrand der Marktgemeinde, auf dem Gelände selbst stehen einige große alte Bäume. Landschaftsarchitekt Günter Schalk sprach deshalb im Gremium von einer Baumaßnahmen in einem "speziellen Umfeld". Man wolle den Eingriff durch den Umbau, dem gezwungenermaßen auch einige der älteren Bäume zum Opfer fallen, so gut wie möglich kompensieren. "Wir werden mehr Bäume nachpflanzen, als gefällt werden", so Schalk. Zudem sollen auf dem Campus Biotope für Insekten entstehen, die mehr als nur repräsentative Freiflächen sein sollen, wie der Landschaftsarchitekt sagte. Ziel sei es, auf dem Gelände einen Landschaftsgarten anzulegen, der die Möglichkeit für einen kleinen Spaziergang bietet. Man wolle für die Schülerinnen und Schüler ein attraktives Lern- und Lebensumfeld schaffen, so Schalk.

Das ließe sich auch gut mit dem Gesamtkonzept des BFW vereinbaren, das sich selbst als "berufliche Reha im Grünen" bezeichnet. Anders als in herkömmlichen Berufsschulen ist die Einrichtung in Kirchseeon eine Anlaufstelle für Menschen, die ihre bisherige Arbeit aufgrund eines Unfalls oder eines körperlichen oder psychischen Schicksalsschlags nicht mehr ausüben können und deswegen eine neue berufliche Perspektive suchen. Das BFW bietet dazu zahlreiche Angebote zur Umschulung: von IT-Berufen über Ausbildungen in Wirtschaft und Verwaltung bis hin zu Tätigkeiten im Gesundheits- oder Sozialwesen. Der Bedarf an den Leistungen ist jedenfalls ungebrochen hoch, weshalb auch alle anstehenden Baumaßnahmen im laufenden Schulbetrieb stattfinden müssen.

Diese sollen bereits im nächsten Jahr mit dem Neubau der Mensa starten, die laut Architekt Manfred Felix inzwischen "technisch am Lebensende" angekommen sei. Anschließend sollen die Gebäude im Südwesten des Geländes abschnittsweise saniert werden. Insgesamt wird sich dabei die bebaute Fläche von derzeit 3600 Quadratmeter auf 3420 verkleinern. Um die Belastung für den Ort, insbesondere für die Anwohner in der Moosacher Straße, so gering wie möglich zu halten, wolle man sich zusammen mit der Gemeinde ein Verkehrskonzept überlegen, wie Felix sagte.

In den Reihen der Kirchseeoner Gemeinderäte stieß das Vorhaben, das bereits seit zwei Jahren in Planung ist, auf Begeisterung. Es sei schön, wenn eine Bildungseinrichtung gerade in diesen Zeiten den Mut habe, sich weiterzuentwickeln, sagte etwa Bürgermeister Jan Paeplow (CSU). Thomas Kroll (SPD) hat das Konzept "absolut überzeugt", das sei eine ganz tolle Sache. Während Grünen-Gemeinderätin und Seniorenbeauftragte Natalie Katholing vor allem begrüßte, dass der komplette Komplex barrierefrei zugänglich ist, warnte ihr Fraktionskollege Bernhard Buckl vor einem Terminkonflikt: Etwa zur gleichen Zeit sieht der Masterplan Schulen des Landkreises den Umbau des direkt nebenan liegenden Gymnasiums vor. Hier solle man sich nochmal mit dem Landratsamt kurzschließen, "damit wir uns nicht durch die Verkehrsdichte ein eigenes Grab schaufeln". Das Berufsförderungswerk kann unterdessen seine Pläne weiter verfolgen, denn der Marktgemeinderat segnete den Entwurf am Montagabend ohne Gegenstimme ab.

© SZ vom 15.07.2020

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