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Kirchenmusik in Markt Schwaben:Ein Hauch von Musical

Mit Mozart und Rutter durchwehen heitere Melodien das Gotteshaus

Manchmal verlieben sich Chöre in ein Werk. Man hört das, man spürt das, und man freut sich mit den Sängerinnen und Sängern über diese unvergleichliche Mischung aus Können und Leidenschaft. Am Sonntag, beim jährlichen "Konzert der Kirchenmusik" in der Markt Schwabener Pfarrkirche, war so eine Gelegenheit: In John Rutters "Mass of the children" hat der Kirchenchor St. Margaret ein Stück gefunden, das ihm Freiraum gibt, seine Lust am Singen auszuleben und den Schritt über die Grenze zu gehen, an der man in mühsamen Proben sonst vielleicht sagt: "Schaffen wir das?"

Schon einmal, beim Patrozinium im Sommer, hat der Chor diese Missa brevis angestimmt. Seitdem sind die Feinheiten noch klarer geworden, das Gespür für die Dynamik ist gereift und die Fähigkeit gewachsen, das Notenblatt gelegentlich aus dem Auge zu verlieren und der inneren Stimme zu folgen. Nun hat Rutters Werk aber auch alles, was Emotionen weckt und trägt. Dabei wirken mehrere kompositorische und dramaturgische Ideen zusammen: Das Verweben der traditionellen lateinischen Messtexte mit Passagen englischsprachiger Lyrik befreit die einzelnen Stücke aus dem strengen liturgischen Rahmen und macht ihre Botschaft gerade, aber nicht nur, für Kinder besser verstehbar und erlebbar. In der Originalversion spielen auch Kinder- und Erwachsenenchor als wechselnde Erzähler sich gegenseitig Impulse zu - was in der vereinfachten Version, die in Markt Schwaben zu hören war, dank klugen Arrangements ebenfalls erkennbar bleibt und Wirkung zeigt.

Der Orchestersatz wiederum arbeitet sehr ausgiebig mit der Bläsergruppe. Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott erzeugen jenes spannungsgeladene, auf Glanzpunkte hin zugespitzte Klangbild, das für Filmmusiken oder Musicals charakteristisch ist. Nicht von ungefähr fühlt man sich da an Filme von Tim Burton oder an "Cats" erinnert. Pauken, Percussion und Kontrabass errichten ein rhythmisches Gerüst, das sich als ebenso stabil wie gelenkig erweist wie der Rahmen eines Drachen, der mit spielerischer Leichtigkeit im Wind tanzt. Eine Harfe trägt dann noch den romantischen Glanz bei. So entsteht eine imaginäre, farbenfrohe Bühne, auf der sich die Stimmen des Chores und der beiden Solisten bewegen. In Sopranistin Mechtild Kiendl und Bariton Eric Fergusson hat Dirigent Stefan Krischke hier zwei fein ausbalancierte Stimmen ins Konzert geholt, deren warme-lyrische Farben sich bestens ins Gesamtbild einfügen.

Ein Gesamtbild, zu dem an diesem Abend nicht nur John Rutter gehört, sondern auch Wolfgang Amadeus Mozart, mit dem das Konzert begonnen hatte. Zunächst eine Transkription des "Rondos" aus dem Hornkonzert D-Dur, bei dem Solist Aleksandar Crnojevic und Organistin Christiane Iwainski den heiteren Grundstein für das ganze Konzert legen. Was sich später mit einer genauso gelungenen Interpretation der stillen Freude im "Adagio" aus dem Fagottkonzert KV 191 mit einer glänzend aufgelegten Solistin Elisabeth Mauerhofer-Vogel fortsetzt und in ein ungesüßtes, dafür sehr erfrischendes "Andantino" aus dem Konzert für Flöte und Harfe KV 299 mündet. Die drei instrumentalen Stücke geben dabei den Rahmen für ein feinsinnig präsentiertes "Laudate Dominum" (KV 339) und ein spannungsgeladenes "Alma Dei creatoris" (KV 277) mit seinen eleganten Dialogen zwischen Chor und Solisten. Der Gedanke, in diese Musik zwei kurze Lesungen einzugliedern - zunächst liest Rainer Viktor aus Mozarts Briefen an seine Schwester, dann teilt er Elemente aus John Rutters Biografie mit den Zuhörern - erweist sich als gelungen und sollte Anregung sein, derlei öfter mal zu wagen, nicht nur um notwendige Bewegungspausen zwischen Empore und Altarraum zu überbrücken.

Ein kleines Kunststück, wie der musikalische Leiter zum Schluss des Konzerts wieder zu den Anfängen zurückkehrt: Aus dem letzten Hauch von Rutters "Agnus Dei" wird der erste Atem für Mozarts "Ave verum" und stellt so eine Nähe zwischen Werken und Künstlern her, die vielleicht Zeit trennen mag, aber der Geist vereint. Die Anerkennung und der Respekt des Publikums war entsprechend: Stürmischer, fast durchgängig stehender Beifall - allen voran von Pfarrer Herbert Walter, dessen 60. Geburtstag dieses Konzert ausklingen ließ.