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Pannenserie:Neues Kinderhaus in Kirchseeon: 200 000 Euro Wasserschaden

Kinderhaus Kirchseeon Bauverzögrung

Bauverzögerung im Kinderhaus Kirchseeon, eine Aufnahme vom Dienstag.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Im Erdgeschoss muss nun der gesamte Boden wieder rausgerissen werden. Das neueste Kapitel einer langen Pannenserie.

Es hätte das Vorzeigeprojekt schlechthin werden sollen, das die Kinderbetreuung in der Marktgemeinde über Jahre sicherstellt. Inzwischen ist klar, dass sich der Bau des Kirchseeoner Kinderhauses zu einem wahren Fiasko entwickelt hat. Nach Differenzen mit dem Landratsamt, explodierenden Kosten und Problemen mit den Baufirmen gibt es nun die nächste Hiobsbotschaft: Aufgrund eines Wasserschadens muss der komplette Fußboden im Erdgeschoss wieder herausgerissen werden. Das bedeutet nicht nur, dass das Millionen-Projekt erneut teurer wird, sondern auch, dass der Fertigstellungstermin wieder einmal in weite Ferne rückt.

"Ich war so was von fertig, ich kann's Ihnen gar nicht sagen." Die Botschaft, die Udo Ockel (CSU) am Montagabend seinen Gemeinderatskollegen am Ende der Sitzung überbringen musste, ging dem Bürgermeister selbst sichtlich nahe. Inzwischen steht fest, dass ein Wasserschaden im neuen Kinderhaus das Gebäude arg in Mitleidenschaft gezogen hat. Bei einem Starkregen vor einigen Wochen habe sich eine Verschalung an einer Nottür gelöst, weshalb Wasser eingedrungen sei. "Die Schäden sind dramatisch", so Ockel.

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Dem Bürgermeister zufolge muss nun der komplette Natursteinboden samt Estrich und Fußbodenheizung im Erdgeschoss wieder herausgerissen werden. Im Obergeschoss versuche man derzeit noch mit Bautrocknern der Lage Herr zu werden, in der Hoffnung, dass nicht auch dort das gleiche Schicksal wie ein Stockwerk darunter droht. Das Unglück wird laut Ockel eine Bauverzögerung von mindestens drei weiteren Monaten zur Folge haben - und könnte obendrein teuer für die Marktgemeinde werden. Im Moment rechne man mit Mehrkosten im Bereich von 150 000 bis 200 000 Euro.

Die Bilanz des Bürgermeisters: "Es ist ein Debakel!"

Die Suche nach einem Schuldigen dürfte sich indes schwierig gestalten. "Wir haben nicht annähernd jemanden, den wir dafür verantwortlich machen können", so der Bürgermeister. "Am Schluss wird's mal wieder keiner gewesen sein." Der Gemeinde bleibt somit vorerst nichts anderes übrig, als die Schäden so gut es geht in Grenzen zu halten und dafür zu sorgen, dass der Bau möglichst zügig fortgesetzt werden kann. Ockels Bilanz fällt dementsprechend ernüchternd aus: "Es ist ein Debakel!"

Diese Einschätzung trifft umso mehr zu, da das Kinderhaus, das am östlichen Ortsrand unmittelbar an der B 304 entsteht, bereits eine pannenreiche Vorgeschichte hat. Als die ersten Bagger im April 2017 am Spannleitenberg anrollten, ging man in der Marktgemeinde noch von der Fertigstellung im Herbst 2018 aus. Je drei Krippen- und Kindergartengruppen sollten dann in das Gebäude einziehen - doch die ersten Störgeräusche ließen nicht lange auf sich warten.

Noch bevor überhaupt etwas von dem Haus zu sehen war, entbrannte schon ein Streit darüber, wie viel Personal für die Betreuung überhaupt nötig sein wird. Da etwa 30 Krippenkinder im Obergeschoss untergebracht werden sollen, hatte das Jugendamt die Schaffung zusätzlicher Stellen gefordert, die im Brandfall eingreifen könnten. Durch ein klärendes Gespräch konnten die Differenzen damals aber recht schnell ausgeräumt werden.

Das nächste Mal für Aufsehen sorgte das Vorhaben, als sich Anwohner im Dezember vergangenen Jahres über den quasi nicht mehr vorhandenen Gehweg entlang der Bundesstraße beschwert hatten. Zu dem Zeitpunkt hatte sich der Eröffnungstermin aufgrund von baulichen Problemen im Außenbereich bereits deutlich nach hinten verschoben.

Der große Knall im März

Der ganz große Knall folgte schließlich im März, als bekannt wurde, dass der bisher angenommene Kostenrahmen deutlich überschritten wird. Hochrechnungen des Architektenbüros hatten damals ergeben, dass das Gebäude nun knapp sieben Millionen Euro, und damit etwa 400 000 Euro mehr als zunächst geplant, kosten wird. Grund war die erhebliche Kontamination des Erdreichs, die beim Aushub festgestellt und bislang in den Berechnungen nicht berücksichtig worden war.

Auch in den darauffolgenden Monaten kam das Vorhaben nicht zur Ruhe, nachdem es immer wieder Probleme mit den Baufirmen gegeben hatte. "Mal kommen sie, mal wieder nicht", hatte sich Bürgermeister Ockel etwa über die Arbeitsmoral der Fensterfirma beklagt. Doch genutzt hat das wenig, auch heute noch sind einige Gebäudeöffnungen notdürftig mit Holzplatten verriegelt.

Der Wasserschaden ist nun der jüngste Akt im Drama um das Kirchseeoner Kinderhaus. Und angesichts der außergewöhnlichen Pleitenserie scheint es durchaus vorstellbar, dass es noch nicht der letzte war.

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