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Kinderbetreuung:Nicht so schnell, bitte

Kirchseeoner Gemeinderat bremst CSU bei Hortplatz-Antrag ein

Die Schuleinschreibung ihrer Kinder ist für Eltern immer ein heikles Thema - verbunden mit der Hoffnung, die bestmögliche Versorgung für den Nachwuchs zu ergattern. In diesem Jahr war die Aufregung in Kirchseeon besonders groß. Grund waren fälschlicherweise verschickte Mitteilungen, wonach 30 Kinder in diesem Jahr keinen Betreuungsplatz erhalten können und deswegen auf eine Warteliste müssen. Ein unglücklicher Irrtum, wie sich wenig später herausstellte, und wie Rainer Schott, Sachgebietsleiter für Soziales, Kinder und Senioren, in der jüngsten Sitzung des Kirchseeoner Gemeinderats nochmals in aller Deutlichkeit erklärte. Doch da war es schon ein bisschen zu spät, denn der CSU-Ortsverband hatte zu dem Zeitpunkt bereits einen Antrag mit der Forderung eingereicht, den Bedarf an Hortplätzen zu überprüfen und wenn nötig weitere zu schaffen.

Die Christsozialen bemängeln in ihrem Schreiben, dass die Hortplätze in der Marktgemeinde offenbar nicht ausreichen würden, weshalb Eltern zunehmend auf die offene Ganztagsbetreuung ausweichen müssten. Ein wesentliches Argument für den Hort sei aber die pädagogische Arbeit durch Fachpersonal und die Angebote in der Ferienbetreuung. Deshalb, so die CSU-Fraktion, wolle man die Betreuungsmöglichkeiten für Grundschulkinder bedarfsgerecht ausbauen.

Wie Rainer Schott dann aber im Gremium erläuterte, sei die Situation bei weitem nicht so dramatisch, wie in dem Antrag skizziert. Man registriere zwar eine zunehmende Zahl von Kindern, die Betreuung brauchen würden, "aber wir bringen alle unter". Und weitere Entlastung sei in Sicht, denn wie Schott sagte, soll im September nächsten Jahres zudem das Konzept der gebundenen Ganztagsschule in der Marktgemeinde kommen. Die 30 vermeintlichen Absagen für die offene Ganztagsbetreuung hingegen seien von der örtlichen Nachbarschaftshilfe (NHK), die Kooperationspartner der Schule ist, eigenmächtig und voreilig an die Eltern versandt worden. Auch die ehemalige NHK-Vorsitzende und CSU-Gemeinderätin Maria Wollny bestätigte, dass da "heuer etwas schief gelaufen" sei.

Für die Christsozialen, denen damit im Grunde der Wind aus den Segeln genommen wurde, gab es entsprechend Kritik aus den anderen Fraktionen. "Ich verstehe den Antrag nicht so ganz. Die CSU hat da offenbar etwas verschlafen", sagte etwa UWG-Fraktionsvorsitzender Klaus Seidinger. Barbara Bittner (SPD) nannte den Vorstoß "absolut verfrüht und nicht wirklich durchdacht". Sie selbst sei auch gar nicht sicher, ob Eltern überhaupt so klar zwischen Hort und offener Ganztagsschule unterscheiden würden, weshalb sie die von der CSU ebenfalls kritisierte Möglichkeit der Doppelanmeldung sogar sehr begrüßt. "Den Eltern ist es wichtig, dass ihr Kind auf jeden Fall einen Platz bekommt", so Bittner.

Versöhnlichere Töne kamen dagegen aus Reihen der Grünen und von SPD-Fraktionschef Thomas Kroll. Ja, der Vorstoß sei zwar etwas voreilig gewesen, im Grundsatz sei eine Bedarfsprüfung aber durchaus eine gute Sache. Das Gremium einigte sich schließlich darauf, dass eine solche erfolgen soll, wenn die Anmeldephase für die gebundene Ganztagsschule anläuft, und dann klar ist, wie es genau um die Betreuungssituation in der Marktgemeinde steht. Entsprechend soll der CSU-Antrag im Frühjahr nächsten Jahres erneut auf die Tagesordnung kommen - dann, so die Hoffnung, mit konkreteren Informationen unterfüttert.