Kinderbetreuung in Grafing:Obergrenze für Kinderzentrum

Oberelkofen Altes Schulhaus, KITA

Weil von Herbst an etliche neue Betreuungsplätze zur Verfügung stehen, zum Beispiel im ehemaligen Schulhaus in Oberelkofen, haben die Stadträte beim neuen Kinderzentrum am Eisstadion keine Eile.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Das Bauprojekt in Grafing soll statt 8,5 nun rund zehn Millionen Euro kosten. Die Stadträte wollen daher umplanen lassen, Verzögerungen nehmen sie in Kauf

Von Nathalie Stenger, Grafing

Vom Speiseaufzug über eine Kälteanlage bis zur Lüftungszentrale und Fußbodenheizung - beim neuen Kinderzentrum in Grafing handelt es sich um ein "sehr modern geplantes Gebäude", wie es Bürgermeister Christian Bauer (CSU) treffend beschreibt. Ein bisschen zu modern vielleicht, oder zumindest zu teuer, scheint das große Projekt am Stadion jedoch den Mitgliedern des Bauausschusses zu sein, die Stadträte wollen die Planer nun noch einmal arbeiten lassen.

Von den 2018 in einer Kostenschätzung ursprünglich veranschlagten 8,5 Millionen Euro kann heute nicht mehr die Rede sein. Satte 10,1 Millionen Euro soll das Kinderzentrum östlich der Forellenstraße in Öxing mit Plätzen für Kindergarten, Hort und Mehrzweckräumen für Jugendorchester und Musikschule laut Planungen nun kosten, das entspricht einer Steigerung von fast 19 Prozent. "Das können wir nicht verantworten", verkündete Bürgermeister Bauer in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses in der Stadthalle, "Wir müssen runter von den Kosten." Er schlage vor, dem bisherigen Entwurf nicht stattzugeben, sondern die Planer noch einmal an den Tisch zu holen, mit dem Ziel, die Kosten zu reduzieren.

Die Reaktionen aus dem Ausschuss kamen prompt und einstimmig. "Super" sei das, so Hermann Maier von den Grünen, dass der Bürgermeister dies selbst sage, das wäre sonst auch der Vorschlag seiner Fraktion gewesen. Die SPD, erwähnte Maier, habe bereits Ideen zur Kosteneinsparung in die Runde geschickt. Diese griff Christian Kerschner-Gehrling von der SPD auch gleich auf, er sprach mit Bezug auf den vorgesehenen Speiseaufzug und großzügig angelegten Toilettenräumen von "bestimmt zehn bis 15 Prozent Kosten in der Raumplanung". Für die Inklusion habe er sich den 50 000-Euro-Aufzug noch eingehen lassen, sagte er, kaum jedoch für die Verpflegung. Kerschner-Gehrlich kritisierte auch die geplanten Klimageräte: "Die halten 20 Jahre, müssen aufwendig gewartet werden und fressen Strom", stellte er fest. "Ist eine natürliche Lüftung nicht vielleicht besser?" Auch die Wahl eines Satteldachs statt eines Flachdachs sei ihm lieber, "das wird nicht so heiß", so der Sozialdemokrat. Er habe das spaßeshalber mit einem Freund kalkuliert, erzählte er, "für sieben Millionen Euro kriegen wir das Ding auch, stelle ich jetzt mal so in den Raum". Zum Thema Satteldach wird ihm von seinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausschuss aber schnell widersprochen, "ein begrüntes Flachdach hat einen besseren Dämmwert als ein Satteldach", hieß es.

Christian Einhellig (Freie Wähler) wies seine Kolleginnen und Kollegen aber auch auf eigenes Zurückstecken bei einer Kostenreduzierung hin: "Uns muss auch klar sein, dass wir Abstriche machen müssen!" Eine gute Vorplanung sei aber wichtig, betonte er, und lohne sich trotz zeitlicher Verzögerungen. Letztere sind noch ungewiss, Zahlen von sechs bis zwölf Monaten wurden über den Abend hinweg erwähnt, Bürgermeister Bauer geht für die Suche nach Kosteneinsparungen von einer Verzögerung von einem halben Jahr aus. "Das können wir uns aber leisten", sagt er. Im Moment gebe es nämlich sogar einen Puffer bei den Kitaplätzen, erklärte Bauer. Da in den vergangenen zwei Jahren zwei Bauprojekte in die Tat umgesetzt werden konnten, werden von Herbst an im ehemaligen Schulhaus in Oberelkofen zwei Kindergartengruppen mit jeweils 25 Kindern Platz finden. Auch im umgebauten Dobelweg 23 werden ab diesem Zeitpunkt weitere 25 Kinder im Kindergartenalter und eine zwölfköpfige Krippengruppe betreut. 20 Plätze gebe es somit auf Reserve.

Prinzipiell bestehen für eine Kostenminderung zwei Möglichkeiten. Szenario Nummer Eins: "Man schraubt besonders bei der Technik runter", erklärte Yvonne Magdon von der Stadtverwaltung, dann komme man aber sicher nicht auf sieben Millionen. Alternativ könne man die Fläche der größer geplanten Räume reduzieren, diese seien dann aber nicht mehr multifunktional nutzbar. Ein 45 Quadratmeter großer Raum, der bisher beispielsweise als Kinderkrippe fungieren sollte, könne dann nicht mehr als Hort genutzt werden, da für diesen 60 Quadratmeter notwendig seien. "Mit einer Million sind diese Flächen die größte Stellschraube", so Magdon. Ziel sei es, von den aktuellen 4500 Euro pro Quadratmeter auf 3900 Euro zu kommen.

Bei der Entscheidung bezüglich einer Kostenobergrenze und den im Raum stehenden "sieben Millionen" schüttelte Einhellig nur den Kopf, "das ist doch ein Schmarrn", rief er aus, "lasst das die Planer machen, wir schachern sonst!" Und geschachert wird nicht im Grafinger Bau- und Werkausschuss, man einigte sich schnell auf acht Millionen Euro. Mehr darf das neue Kinderzentrum nicht kosten. Wie sich dies nun auf die geplante Inbetriebnahme im Frühjahr 2023 auswirkt, wird sich zeigen.

© SZ vom 25.06.2020
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