Ministerin Kaniber "Ich habe die letzten 5 Jahre an der Seite von Tom Huber verbracht"

Sonntag im Grafinger Kastenwirt: Ministerin Michaela Kaniber im Gespräch mit Robert Niedergesäß (links) und Thomas Huber.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Der Grafinger Politiker kennt die neue Ministerin Michaela Kaniber offenbar besser als gedacht. Eine nicht ganz ernst gemeinte Einzelkritik vom Drei-Königs-Treffen der Grafinger CSU und vom Neujahrsempfang der Stadt.

Von Korbinian Eisenberger

Wer nicht genug bekommen kann von Grafings Politikern, für den muss der Sonntag wie geschaffen gewesen sein. Zum Auftakt ins Jahr 2019 konnten sich die Grafinger innerhalb weniger Stunden gleich zwei Veranstaltungen geben: Am Vormittag lud der Ortsverband der CSU zu seinem traditionellen Drei-Königs-Treffen in den Kastenwirt ein. Am frühen Nachmittag wurde schließlich die Grafinger Stadthalle geöffnet, für den Neujahrsempfang der Stadt, auch das hat Tradition. Geplant war, dass die Christsozialen um 10.30 Uhr loslegen - und Bürgermeister Angelika Obermayr (Grüne) um 12.30 Uhr ihre Neujahrsansprache hält. So viel sei gesagt: Diesen Zeitplan hielten die Grafinger nicht ein. Über den politischen Jahresauftakt in Grafing, seine Protagonisten - und einen Ehrengast.

Michaela Kaniber

Im Herbst 2018 für viele sehr überraschend von Markus Söder zur bayerischen Landwirtschaftsministerin berufen worden. Als Ehrengast beim Dreikönigstreffen zum ersten Mal überhaupt in Grafing. Die 41-Jährige wirkte wie jenes junge dynamische Gesicht, das der CSU ansonsten vielerorts fehlt. Sprach in Grafing - anders als von Markus Söder und Horst Seehofer oft zu hören - explizit die Leistungen des Freistaats bei der Migrationspolitik an. "Zeigen Sie mir bitten ein Land, das so gut reagiert hat wie wir", sagte sie. Machte Werbung für höhere Milchpreise und für das, wie sie es vermittelte, starke Umweltbewusstsein der hiesigen Landwirte. "Unsere Bauernschaft hat doch kein Interesse, den eigenen Grund und Boden zu vergiften", sagte sie. Blieb jedoch eine Erklärung schuldig, warum so mancher Landwirt dennoch Glyphosat auf seine Felder spritzt. Sagte Sätze wie, "Der Thomas Huber kennt mich ja schon näher" - und hätte beinahe Ärger mit dessen Frau Elli bekommen. Erhielt am Ende dennoch viel Applaus - und eine Schachtel Pralinen.

Thomas Huber

Im Herbst 2018 für viele nicht sehr überraschend wieder in den bayerischen Landtag gewählt worden und dort mittlerweile neuer sozialpolitischer Sprecher. Organisiert seit vielen Jahren den Grafinger CSU-Dreikönigstreff und ließ seine Fraktionskollegin aus dem Landtag wissen, welch große Karriereaufstiege nach einem Besuch in Grafing winken. Albert Füracker wurde danach vom Staatsminister zum Minister erklärt, Markus Söder vom Finanzminister zum Ministerpräsidenten. Freute sich über einen vollen Festsaal, in dem die Stühle nicht für alle Besucher ausreichten. Stellte dennoch die Frage in den Raum, ob es mit dem Grafinger Bevölkerungs-Wachstum nicht so langsam mal reicht. Ließ die 90 Gäste im Festsaal des Kastenwirts diese Fragen für sich beantworten. Kündigte an, sich im Münchner Landtag im kommenden Jahr für das "S" in CSU einzusetzen. Erinnerte am Ende seiner Rede an ein gerne verschwiegenes Detail: "Vor lauter Angst wird leider oft vergessen, wie gut es uns eigentlich geht."

Elli Huber

Im Herbst 2018 für viele sehr überraschend in der New York Times zu sehen. Das Bild der Grafinger Frauenunions-Vorsitzenden ging am Wahlabend um die Welt. Neben ihrem Mann Thomas Huber stehend - beide offenbar entsetzt, ob des fatalen Wahlergebnisses der CSU. Scheint zunehmend Gefallen daran zu finden, selbst im Rampenlicht zu stehen - etwa nach diesem verfänglichen Satz von Ministerin Kaniber: "Ich habe die letzten fünf Jahre an der Seite von Tom Huber verbracht", sagte die. Elli Huber quittierte das Geständnis der Rednerin mit einem deutlich vernehmbaren "Aaaha!?" Meinte das erkennbar als Gaudi. Schaffte es aber dennoch, Kaniber eine Erklärung zu entlocken. So erfuhren die Gäste im Kastenwirt, dass Kaniber und Huber sowohl im Plenarsaal als auch im Parlament nebeneinander sitzen. Was seine Ehefrau wiederum mit einem wohlwollenden Lächeln honorierte.

Der Jüngste im Publikum

Irgendwann im vergangenen Jahr zur Welt gekommen: Ein kleiner Bub, erst ein paar Monate alt. Hatte den bequemsten Platz im ganzen Kastenwirt. Nämlich einen kuscheligen Kinderwagen, den sein Papa sanft hin- und herschob. Verhielt sich eine Stunde lang sehr ruhig. Fing dann allerdings so deftig zu plärren an, dass die Redner der CSU teils kaum mehr zu verstehen waren. Durfte trotzdem nicht die volle Zeit durchplärren sondern wurde von seinem Papa immer wieder hinausgefahren. Ist im Besitz eines hübschen Mobiles mit Stoffinsekten: Eine Spinne, eine Libelle, ein Käfer und eine Biene hängen dran. Kann der Landwirtschaftsministerin als Erinnerung dienen, dass diese Spezies auch nach dem gerade erst abgelaufenen "Jahr der Biene" von Nöten sind. Hat eine vielversprechende Stimme und sollte überlegen, vielleicht selbst Politiker zu werden.

Angelika Obermayr

Grafings Bürgermeisterin Angelika Obermayr am Sonntagmittag beim Neujahrsempfang in der Stadthalle.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Im Frühjahr 2014 für viele CSU-ler unverschämterweise zu Grafings Bürgermeisterin gewählt worden. Hat ihr grünes Parteibuch behalten und wagte sich am Sonntag dennoch in die schwarze Drei-Königs-Höhle der Grafinger CSU. Nahm es sportlich, dass Thomas Huber und Michaela Kaniber in ihren Reden überzogen: Ließ ihren eigenen Neujahrsempfang in der Stadthalle schlicht um eine halbe Stunde nach hinten verschieben. War vorbereitet, mit "1000 Brötchen" und begrüßte "so viele Gäste wie noch nie" (berief sich hier allerdings auf nicht restlos gesicherte Quellen). Schlug in ihrer Rede den Kontrakurs zu dem ein, was zuvor Kaniber und Huber im Kastenwirt an Bedenken zum Wachstum durch Neubürger erklärt hatten. "Wenn niemand mehr zuziehen würde", so Obermayr, "würden auch wir Grafinger aussterben". Verkündete, dass sie dem Landrat nun das Konzept für eine Berufschul-Sporthalle vorgelegt hat. Würde wahrscheinlich auch gerne wissen, wie viele der 1000 Brote vertilgt wurden.

Robert Niedergesäß

Im April 2013 zum Ebersberger Landrat gewählt worden. Führt eine Serie fort, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ungebrochen ist: Ebersbergs Landrat war immer von der CSU, wie Thomas Huber in seiner Rede anmerkte. Der Landrat selbst musste diesmal nichts sagen und verlebte einen ruhigen Vormittag. Brauchte in der ersten Reihe nur einmal kurz nach hinten zu winken. Ihm winkt 2020 die Wiederwahl, es sei denn, die Serie wird gebrochen.

Florian Wieser

Seit Mai 2017 Ortsvorsitzender der Grafinger CSU. Hielt nun zum zweiten Mal die Ansprache zum traditionellen Dreikönigstreffen. Fand wie auch seine Nachredner viele lobende Worte für die Errungenschaften seiner Partei im Ort. Etwa das Dorferneuerungsprogramm in Straußdorf oder die Durchsetzung der Gewerbegebiete Schamach I und II. Erwähnte als einziger Redner die Junge Union, indem er sie dafür lobte, den Sekt kredenzt zu haben. Bedankte sich bei Thomas Huber für seinen Wahlkampf. Er habe verglichen mit den CSU-Kandidaten der Landkreise in und um München "die wenigsten Verluste zu verzeichnen". Trotz zehn Prozent Minus verglichen mit der Wahl 2013 gibt es in Grafing offenbar keine Untergangs-Ängste. Zumal, wie Florian Wieser erinnerte, Huber ja Chef der bayerischen Wasserwacht ist.