Kabarett in Ebersberg Wandlungsfähige Allrounderin

Wellness und Grundschule: Christine Eixenberger setzt auf Themen mit Wiedererkennungswert.

(Foto: Veranstalter)

Christine Eixenberger begeistert im Alten Kino mit Charme und Präsenz

Von Michaela Pelz, Ebersberg

"Putzig" nennt die Künstlerin das eher verhaltene Klatschen, das ihr beim Betreten der Bühne im ausverkauften Ebersberger Alten Kino entgegenschallt, was sie - als von der Begeisterung ihrer Schülerinnen und Schüler verwöhnte Pädagogin - so natürlich nicht stehenlassen kann. Daher gibt es erst ein paar Sätze zur Lage in und vor dem Klassenzimmer, bei denen ihr das Publikum spätestens an der Stelle zu Füßen liegt, als sie erklärt, dass "die Bärte von Hipstern beim Küssen an einen Sack Rindenmulch erinnern". Dann geht Christine Eixenberger noch einmal ab, um beim zweiten Mal, wie erwartet, mit tosendem Applaus und begeisterten Pfiffen empfangen zu werden. Schon da ist klar: Die Dreißigjährige mit dem großen komödiantischen Talent versteht es, die Zuschauer dort abzuholen, wo sich ihre Erfahrungswelten treffen, und die zentrale Frage lautet: "Warum ich?!"

Man muss nicht, wie Eixenberger und offenbar diverse andere Anwesende Lehrkraft sein, damit einem der Typus Eltern bekannt vorkommt, der eine adäquate Behandlung des Nachwuchses einfordert ("Am besten kann sich der Karl bei der Probe konzentrieren, wenn man ihn mit einem Lavendelsäckchen abreibt"), mit mehr oder minder subtilen Methoden Einfluss auf die Notengestaltung nehmen will oder mit dem SUV ohne Rücksicht auf Verluste über den Schulparkplatz heizt. Hohen Wiedererkennungswert haben auch die Interaktion von Männern und Frauen, von der wandlungsfähigen Schauspielerin mit ausladenden Gesten und vollem Körpereinsatz eindrücklich untermalt, das unterschiedliche Verhalten von Preißn und Bayern oder die Fahrt mit der Bayerischen Oberlandbahn, die Eixenberger mit den Gefühlen gegenüber einem Kind vergleicht "mit LRS, Dyskalkulie, ADHS und Wasserkopf: Man möchte es lieben, aber leicht ist das nicht!". Geschmeidig wechselt die gebürtige Miesbacherin dabei zwischen Bairisch und Hochdeutsch, wie sie es auch in ihren zahlreichen TV-Rollen tut.

Charmant wird die Fusion von Fiktion und Wirklichkeit, als die Kabarettistin auf Geschwisterrivalität zu sprechen kommt. Gut möglich, dass die geschilderten Anstrengungen, sich als Kind des jüngeren Bruders zu entledigen - etwa durch den Versuch, ihn mittels intensiver Filzstiftbemalung für die Mutter unkenntlich zu machen - aus dem Reich der Fantasie stammen. Fakt ist aber, dass Robert Eixenberger die Strecke Schliersee - Australien mit dem Radl zurückgelegt hat - was als Schwester schwerlich zu toppen ist, will man sich zur Erholung von den auf der Bühne geschilderten Erlebnissen selbst auf Reisen begeben. Dass das bitter nötig ist, leuchtet jedem ein, der sich den anschaulich beschriebenen Wildunfall vorstellt, bei dem die Grundschullehrerin große Heiterkeit auslösende Analogien herstellt zwischen jugendlichen Gangster-Rappern und pubertär übermütigen Wildschweinen, die sich mit einem herzhaften "Yo Bro!" vors Auto stürzen.

Nach der Pause nimmt Eixenberger, nun mit Klangschale bewaffnet, ihr Publikum mit in die Welt des Wellness, wo sie mit dem skurrilen Ruheraum-Dialog zweier Damen aus Österreich begeistert, von denen die eine ein "20 000-Euro-Gesicht" und die andere eine höchst lose Zunge hat, gegen die selbst der Schweigefuchs nicht hilft. Dann zieht das Tempo an, es folgt ein sprunghafter Wechsel von den Treuepunkten im Supermarkt über Smart-Toys, Arztbesuche bis hin zu den Eigenheiten der buckligen Verwandtschaft. Nicht zu vergessen das Lied über Tantra-Sex. Hier hätte ein roter Faden dem Ganzen gut getan, vielleicht sogar der Verzicht auf einen Teil der oft nur kurz angerissenen Themen, um anderen mehr Raum zu geben - getragen hätte das allemal, ist doch jede einzelne der kleinen Miniaturen Beweis für die hervorragende Beobachtungsgabe Eixenbergers und ihre Fähigkeit, die Dinge präzise zuzuspitzen. Auch ihre Ausflüge ins Politische kommen vor allem deswegen nicht angemessen zur Geltung, weil sie sich nicht so nahtlos ins Programm einfügen wie dies bei "Lernbelästigung" der Fall war.

Dennoch gibt es keinen Zweifel, dass man dank Eixenbergers unglaublicher Bühnenpräsenz, ihrer sympathischen Ausstrahlung, ihres Gesangstalents und der spielerischen Leichtigkeit, mit der sie aufs Publikum eingeht, einen ausgesprochen kurzweiligen Abend verbracht hat. Das Publikum im Alten Kino honoriert das mit tosendem Applaus - ganz ohne Aufforderung. Lernziel erreicht!